Chiphersteller NXP
Halbleiterproduzent auf Akquisitionspfad

Frans van Houten baut den niederländischen Halbleiteranbieter NXP kräftig um. Sparten verkaufen und das Kerngeschäft durch Übernahmen verstärken lautet die Devise des Chefs des drittgrößten europäischen Chipherstellers. „Wir haben das Geld, um zu investieren. Ab dem dritten Quartal werden wir aktiv“, sagte van Houten dem Handelsblatt. Der Zeitpunkt ist kein Zufall.

HAMBURG. Wenn alles klappt, wird der Wettbewerber ST Microelectronics (ST) bis zum Herbst 1,55 Mrd. Dollar an NXP überweisen. Dafür hält der europäische Marktführer künftig 80 Prozent der Anteile an einem Gemeinschaftsunternehmen, in dem die beiden Konzerne ihr Mobilfunkgeschäft bündeln wollen. NXP sollen die restlichen 20 Prozent gehören. Damit aber noch nicht genug. Am Montag kündigte NXP an, das Geschäft mit einigen speziellen Elektronik-Bauteilen an Epcos aus München zu verkaufen.

Mit den Einnahmen aus den beiden Deals will van die Sparten ausbauen, die im Konzern verbliebenen sind. NXP stellt Halbleiter für die Unterhaltungselektronik, für die Autoindustrie und einige andere Branchen her. Ein wichtiges Standbein sind auch Chips für Zugangskontrollen und Ausweise. Ziel ist, in jedem Bereich weltweit Nummer eins oder zwei zu sein. "In 70 Prozent unserer Geschäftsfelder haben wir das schon geschafft", sagte van Der Rest soll unter anderem durch Akquisitionen dahin kommen.

Die NXP-Strategie ist in der Chipindustrie in Mode. Immer mehr Anbieter konzentrieren sich auf Gebiete, in denen sie ganz vorne mit dabei sind. So macht es auch Infineon. Die Ex-Siemens-Sparte hat sich von zahlreichen Geschäftsfeldern getrennt und beschränkt sich jetzt ganz auf Chips für die Autoindustrie, für die Kommunikationsbranche und ein paar andere Industrien. Ähnlich wie NXP will Infineon die verbliebenen Gebiete durch Übernahmen ergänzen. Die Münchener haben schon einige Firmen oder Abteilungen anderer Konzerne übernommen.

Der Name NXP steht als Abkürzung für das englische "Next Experience". Die Firma ist noch nicht einmal zwei Jahre alt, hat aber eine lange Tradition: Früher war sie Teil des Elektrokonzerns Philips. Finanzinvestoren unter der Führung von KKR haben die Chipsparte im Sommer 2006 für rund 4,5 Mrd. Dollar übernommen und anschließend umbenannt. Philips hält heute nur noch knapp 20 Prozent der Anteile. So richtig glücklich sind die neuen Besitzer mit NXP aber noch nicht.

Im Frühjahr hat KKR ein Viertel der Beteiligung abgeschrieben. Dazu kommt, dass NXP auf eigenen Beinen bis jetzt nicht recht in Fahrt gekommen ist. Mit 4,6 Mrd. Euro lag der Umsatz 2007 um mehr als 300 Mill. Euro unter Vorjahr. Operativ schreibt der Konzern mit dem Hauptsitz in Eindhoven zwar schwarze Zahlen, unterm Strich mussten die Holländer aber knapp 500 Mill. Euro Verlust ausweisen. Dies hat zu tun mit Abschreibungen auf den Kaufpreis, den die Finanzinvestoren für NXP bezahlt haben. Durch die Übernahme sind die Holländer mit rund 4,1 Mrd. Euro auch hoch verschuldet. Konzernchef van steht deshalb stark unter Druck und hat bereits jeden vierten Top-Manager ausgetauscht.

Vom Markt erwartet sich NXP dieses Jahr keinen Schub. "Insgesamt werden die Umsätze der Branche wohl stagnieren", sagte van Auch aus diesem Grund beschränke sich das Unternehmen jetzt auf einzelne, wachstumsstarke Felder. Dies sei unter anderem der Fall im Autogeschäft, wo ständig mehr Halbleiter in die Fahrzeuge eingebaut werden. Neue Verkaufschancen sieht der Manager aber auch im Geschäft mit Energiespar-Beleuchtung.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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