Chiphersteller rutscht überraschend tief in die roten Zahlen – Neue Probleme für die Branche
Schwerer Schlag für ST Microelectronics

Das Aushängeschild der europäischen Halbleiterindustrie kommt unter die Räder. Im ersten Quartal musste ST Microelectronics (STM) einen überraschend hohen Verlust von 31 Millionen Dollar hinnehmen. Der enorme Preisdruck, eine niedrige Fabrikauslastung und Kosten für den Konzernumbau hätten den zweitgrößten Chiphersteller Europas belastet, teilte STM mit.

jojo MÜNCHEN. Das französisch-italienische Unternehmen hat sich stets dafür gerühmt, selbst in der schlimmsten Krise der Chipindustrie von 2001 bis 2003 Gewinne eingefahren zu haben. Doch was der Firma mit Sitz in Genf nach dem Ende des Internetbooms gelang, kann sie jetzt nicht wiederholen. Vor allem das schwache Mobilfunk-Geschäft setzt STM zu. Rund ein Drittel aller Umsätze erwirtschaftet der Konzern mit Handyproduzenten und insbesondere mit Nokia.

Dazu kommt: STM leidet unter dem schwachen Dollar. Chips werden auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt, STM jedoch hat viele Werke in Europa. Das drückt die Marge. Der Quartalsumsatz kletterte im Vergleich zumVorjahr um drei Prozent auf 2,08 Mrd. Dollar.

Am Dienstag hatte bereits der Münchener Konkurrent Infineon tief rote Zahlen vorgelegt. Europas größter Halbleiterproduzent musste einen Quartalsverlust von 114 Mill. Euro hinnehmen. Zudem gab Infineon einen sehr verhaltenen Ausblick.

Auch der neue STM-Chef Carlo Bozotti blieb zurückhaltend. Die Einnahmen im laufenden zweiten Quartal könnten im Vergleich zum Vorquartal um ein Prozent schrumpfen, aber auch bis zu sieben Prozent steigen, sagte der Manager.

Bozotti folgte im März auf den langjährigen STM-Vorstandschef Pasquale Pistorio und baut das Unternehmen nun um. „Es gibt Gebiete, auf die wir uns jetzt stärker konzentrieren als früher“, sagte er gestern. So werden 1 000 Ingenieure versetzt. Sie müssen sich künftig um von Bozotti festgelegte Kernbereiche kümmern. Randaktivitäten gibt das Unternehmen auf. Darüber hinaus verlegt STM einen Teil der Fertigung nach Asien und schließt europäische Standorte.

Die Börsen waren über die schwachen Zahlen enttäuscht. Die Aktie brach zeitweise um mehr als fünf Prozent auf 11,40 Euro ein. Auch Analysten äußerten sich enttäuscht, da sie bessere Ergebnisse erwartet hatten. Lediglich Weltmarktführer Intel und Texas Instruments, die Nummer drei weltweit, haben im ersten Quartal besser abgeschnitten als prognostiziert.

Neben STM berichtete gestern auch die Taiwaner United Microelectronics Corp. (UMC) von einem schlechten Quartal. Der zweitgrößte Auftragsfertiger der Welt musste einen Gewinnrückgang von 78 Prozent hinnehmen. Es war das dritte Gewinnminus in einem Quartal in Folge. Nach Ansicht von UMC haben viele Kunden die Lager geräumt, deshalb seien die Chippreise gesunken. So sank die Auslastung der Fabriken von 95 Prozent im Vorjahr auf nur 63 Prozent. UMC verkauft die Halbleiter nicht unter eigenem Namen, sondern beliefert Markenhersteller. Diese ziehen ihre Aufträge zurück, sobald die eigenen Werke nicht mehr genug zu tun haben. Deshalb spüren Firmen wie UMC die schwache Branchenkonjunktur am stärksten. Auch Infineon hat Partnerschaften mit so genannten Foundries, um weniger eigene Fabriken bauen zu müssen. UMC zeigte sich aber zuversichtlich, dass es nicht weiter bergab geht. Die Lager der Kunden seien nun wieder auf normalem Niveau.

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