Chiphersteller senkt Preise
Intel kämpft um Marktanteile

Der größte Halbleiterproduzent der Welt, Intel, schlägt zurück. Mit neuen Produkten, niedrigeren Preisen und hohen Investitionen in zusätzliche Werke will er verlorene Marktanteile zurück gewinnen.

LEIXLIP. „Noch nie haben wir neue Prozessoren so schnell auf den Markt gebracht wie jetzt“, sagte Intel-Chef Paul Otellini am Donnerstag bei der Eröffnung eines Werks in Irland. Der Manager gab sich kämpferisch: „Unsere neuen Produkte werden die Wettbewerbslandschaft nachhaltig verändern“, kündigte Otellini an.

Intel ist in diesem Frühjahr so stark unter Druck geraten wie schon seit Jahren nicht mehr. Der wesentlich kleinere Rivale AMD nahm dem US-Konzern vor allem im wichtigen Markt für Großrechner, so genannte Server, dramatisch Marktanteile ab. Zudem kündigte der weltgrößte Computerbauer Dell Ende Mai an, künftig auch AMD-Chips zu verwenden. Dell hat sich bislang ausschließlich auf Intel verlassen.

Doch das ist noch nicht alles: Zuletzt legte Intel enttäuschende Quartalszahlen vor und gab eine schwache Prognose für das gesamte Jahr. Dadurch kam die Aktie an der Börse schwer unter Druck.

AMD hat nach Ansicht vieler Experten vor allem im Server-Geschäft derzeit technologische Vorteile. Mit einem Feuerwerk an neuen Produkten will Otellini die Kunden jetzt zurück zu Intel locken. In diesen Tagen kommen in kurzem Abstand neue Prozessoren, sie sind das Gehirn eines jeden Rechners, für PCs, Notebooks und Server auf den Markt. „Unsere neuen Produkte sind extrem wettbewerbsfähig“, unterstrich Otellini. Die neuen, so genannten Zwei-Kern-Prozessoren sollen bei weniger Stromverbrauch mehr leisten.

Gleichzeitig versucht Intel, den Wettbewerber AMD durch niedrigere Preise unter Druck zu setzen. Dies sei ein normaler Vorgang, betonte Otellini: Wenn neue Prozessoren auf den Markt kämen, dann sei klar, dass die alten billiger würden. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Denn mit Preissenkungen von bis zu 60 Prozent überschreitet Intel das normale Maß deutlich. „Damit versucht Intel, dem Konkurrenten AMD den Wettbewerbsvorteil niedrigerer Preise kaputt zu machen“, urteilen die Analysten von Dram-Exchange. AMD-Chips sind traditionell deutlich billiger als die Intel-Produkte. Die Experten von Dram-Exchange warnen, dass die Preissenkung zu sinkenden Margen und damit sinkenden Gewinnen führen könnte.

Um mit den Preisen von AMD mithalten zu können, hat Otellini bereits ein Sparprogramm angekündigt. Analysten gehen davon aus, dass mehrere tausend Stellen gestrichen werden. AMD hat inzwischen rund ein Fünftel des wichtigen Server-Marktes erobert. Vor drei Jahren war der Marktanteil der Kalifornier noch vernachlässigbar. Auch im PC- und Notebookgeschäft holt AMD schnell auf und kommt auf einen ähnlich hohen Anteil.

Otellini kündigte gestern an, dass es an den Investitionen in neue Werke keine Abstriche geben werde. „Niemand anderes in der Chipbranche gibt so viel für neue Anlagen aus wie wir. Und daran wird sich nichts ändern“, sagte Otellini. Im irischen Leixlip eröffnete der Amerikaner gestern eine neue Fabrik, die rund zwei Mrd. Dollar gekostet hat. Es ist bereits das dritte Werk auf der Insel. Darüber hinaus entsteht momentan in Israel eine neue Chipfabrik.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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