Chiphersteller übertrifft Ziele
Infineon lässt es krachen

Deutschlands größter Halbleiterhersteller integriert seinen Milliardenzukauf erfolgreich und schließt das Geschäftsjahr besser ab als erwartet. Doch das soll erst der Anfang sein. Infineon verspricht noch bessere Zeiten.

MünchenAls Ingenieur gehört Reinhard Ploss einer eher zurückhaltenden Spezies an. Laute Töne sind seine Sache nicht. Mit seiner Prognose fürs abgelaufene Geschäftsjahr, soviel lässt sich jetzt sagen, war der Infineon-Chef einmal mehr viel zu zurückhaltend.

Vor Jahresfrist hatte der Manager gewarnt, durch die Übernahme des Konkurrenten International Rectifier (IR) werde erst einmal die Marge leiden. Es brauche Zeit, die Amerikaner auf das Niveau von Infineon zu heben. An diesem Donnerstag nun hat Ploss die Ergebnisse des am 30. September beendeten Geschäftsjahrs vorgelegt. Es zeigt sich: Es ging alles erstaunlich schnell. „Wir haben unsere Pläne mehr als ein Jahr früher umgesetzt“, äußerte sich Ploss zufrieden.

Im vierten Quartal kam Infineon auf eine operative Marge von knapp 18 Prozent, das sind drei Prozentpunkte mehr, als Deutschlands größter Chiphersteller über einen Branchenzyklus hinweg anstrebt. Wichtiger noch: Die Rendite liegt zwei Prozentpunkte über demselben Zeitraum des Vorjahrs, als International Rectifier noch nicht dazu gehörte.

Vor allem wegen des Kaufs des Konkurrenten aus dem Silicon Valley ist der Umsatz im vierten Quartal um mehr als ein Drittel auf 1,6 Milliarden Euro in die Höhe geschossen. Die Investoren aber dürfte vor allem freuen, dass der Gewinn aus dem operativen Geschäft noch stärker kletterte, und zwar um gut die Hälfte auf 286 Millionen Euro.

Infineon hat IR zu Beginn des Jahres für drei Milliarden Dollar geschluckt. Mit dem Wettbewerber aus Kalifornien hat sich Infineon rund 900 Millionen Euro Umsatz gesichert. Angesichts gigantischer Forschungs- und Entwicklungsausgaben ist Größe in der Chipbranche wichtig.

Doch noch etwas zieht den fränkischen Ingenieur Ploss in die amerikanische Westküste: Der Firmenlenker will näher ran an die Technologie-Vorreiter in Kalifornien. Seit der IR-Übernahme beliefert Ploss etwa im großen Stil den Elektroauto-Pionier Tesla. Mehrere Hundert Chips der Deutschen stecken jetzt in jedem Flitzer der Marke aus dem Silicon Valley.

Infineon ist nicht der einzige Halbleiterproduzent, der dieser Tage auf Einkaufstour ist. In der Chipbranche tobt eine regelrechte Übernahmeschlacht. In den vergangenen zwölf Monaten haben die Hersteller weltweit mehr als 90 Milliarden Dollar ausgegeben, um Wettbewerber zu schlucken.

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