Chiphersteller will bis 2007 die Nummer vier auf dem chinesischen Markt werden
Infineon nimmt China ins Visier

Der Halbleiterproduzent Infineon verspricht sich langfristig gute Geschäfte in China. „Wir rechnen damit, dass der Markt jährlich mindestens 15 Prozent zulegen wird“, sagte Tim Wong, Verkaufschef des Münchener Konzerns in China, dem Handelsblatt. Die frühere Siemens-Tochter hat sich zum Ziel gesetzt, von dem Wachstum überproportional zu profitieren und den Marktanteil deutlich auszubauen.

MÜNCHEN. „Infineon will in den nächsten fünf Jahren in China aggressiv wachsen“, unterstrich China-Chef Pow Tien Tee.„Wir wollen die Nummer vier in China werden und einen Marktanteil von zwölf Prozent erreichen.“ Vergangenes Jahr kamen die Deutschen lediglich auf Rang fünf mit einem Marktanteil von 3,7 Prozent.

Im ersten Halbjahr habe der China-Umsatz im Vergleich zum Vorjahr aber um 30 Prozent zugelegt, betonte Pow. Zuletzt erzielte Infineon in der Volksrepublik (einschließlich Hongkong) einen Jahresumsatz von 570 Mill. Euro. Das sind etwa neun Prozent der gesamten Konzerneinnahmen.

Allerdings liegen die Deutschen in China noch deutlich hinter der Nummer vier, dem koreanischen Samsung-Konzern. Der Abstand zu den Verfolgern hinter Infineon ist dagegen gering. Infineon wird hart bedrängt von Philips, ST Microelectronics und Hynix.

China ist derzeit einer der am stärksten wachsenden Märkte in der Halbleiterbranche und die große Zukunftshoffnung für fast alle großen Hersteller. Vergangenes Jahr kletterten die Umsätze in der Volksrepublik nach Angaben des chinesischen Branchenverbands CSIA um 41 Prozent. Das war wesentlich stärker als das weltweite Wachstum der Industrie. Für 2004 rechnen die Marktforscher von I-Suppli zwar mit einem deutlichen Rückgang der Wachstumsraten. Allerdings erwarten die Experten noch immer ein Plus von 20 bis 30 Prozent.

Es gebe keine Anzeichen dafür, dass der chinesische Markt abkühle, sagte auch Marco Mora, Vorstand des aufstrebenden chinesischen Chipproduzenten SMIC. Trotz der Bemühungen der Regierung, die überhitzte Konjunktur zu bremsen, sei der Markt sehr robust.

Um mit dem rasanten Wachstum mithalten zu können, investiert Infineon bis 2007 rund 1,2 Mrd. US-Dollar in China. 1 200 Mitarbeiter stehen bereits auf den Gehaltslisten der Münchener, bis in drei Jahren sollen es 3 000 sein. Den größten Teil des China-Umsatzes erzielt Infineon mit Handyherstellern. „Lokale Anbieter werden für uns als Kunden immer wichtiger“, sagt Verkaufschef Wong. Schon heute ist DBTel der bedeutendste Abnehmer in China, neben anderen in Deutschland fast unbekannten Handy-Produzenten wie VTech oder Konka. Auch die Speicherchips, so genannte Drams, werden inzwischen von chinesischen Herstellern gekauft, etwa vom Computerbauer Lenovo.

Infineon hat in China ein dichtes Netz von Kooperationen mit Firmen und Universitäten geknüpft, zum Beispiel mit dem Auftragsfertiger SMIC aus Schanghai. Die Chinesen produzieren Drams für Infineon und bauen ihre Kapazitäten mit Hilfe von Infineon-Technologie derzeit kräftig aus. Darüber hinaus baut Infineon eigene Produktionsstätten und Forschungsstandorte auf. Ende des Monats wird das neue Werk in Suzhou eröffnet. In der Fabrik sollen eines Tages im Vollausbau mehr als 1 000 Beschäftigte Chips verpacken und testen.

China-Chef Pow rechnet trotz der andauernden politischen Unsicherheiten in der Volksrepublik nicht mit Rückschlägen für das Geschäft der Deutschen. „Die Aussichten sind gut, die Lage ist stabil“, ist er überzeugt. Allerdings warnt er vor allzu großen Erwartungen. Zunächst einmal müsse Infineon viel Geld für die Einarbeitung der neuen Mitarbeiter ausgeben. Pow: „Die Leute werden an den Universitäten zwar exzellent ausgebildet. Allerdings fehlt ihnen die Erfahrung. Es dauert deshalb, bis sich die Investitionen auszahlen.“

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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