Chipindustrie
Ende des Schweinezyklus

Die Halbleiterindustrie hat sich selten so optimistisch wie bei ihrem diesjährigen Branchentreffen in München gezeigt. In immer mehr Alltagsprodukten finden sich Microchips, die Nachfrage bleibt weltweit hoch. Das heizt das Interesse der Finanzinvestoren an.

MÜNCHEN. Die Chipindustrie wird erwachsen. Die Zeiten, in denen die Unternehmen nach einem steilen Umsatzwachstum regelmäßig in ein tiefes, existenzbedrohendes Loch fielen, sind vorüber. „Wir wachsen jetzt zwar nicht mehr so stark wie früher. Dafür ist unsere Branche aber auch lange nicht mehr so zyklisch“, sagt Michel Mayer, Chef des amerikanischen Chipherstellers Freescale.

Weil die Industrie im Vergleich zu anderen Branchen aber immer noch kräftig zulegt, interessieren sich jetzt auf einmal auch Finanzinvestoren für die Halbleiterhersteller. „Viele Chipfirmen legen jedes Jahr ein Plus von zehn Prozent hin. Das ist ein schönes Wachstum, mit dem sich Geld machen lässt“, betont Frans van Houten, Chef des niederländischen Chipproduzenten NXP.

Van Houten und Mayer wissen genau, wovon sie reden. Ihre Unternehmen wurden in den vergangenen Wochen von Private-Equity-Firmen gekauft. Für die frühere Motorola-Tochter Freescale legt ein Konsortium rund um den US-Investor Blackstone in diesen Tagen umgerechnet knapp 14 Milliarden Euro auf den Tisch. Eine Gruppe, angeführt von KKR, zahlte im Sommer 3,4 Milliarden Euro für 80 Prozent der Anteile an NXP, der ehemaligen Halbleitersparte von Philips.

Die Private-Equity-Firmen werden von einem ausgesprochen positiven Umfeld angezogen. So gehen die Marktforscher von IC Insights davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren jedes Jahr im Schnitt zehn Prozent mehr Chips verkauft werden. Die Umsätze steigen zwar nicht in gleichem Maße, weil die Durchschnittspreise fallen. Für 2006 erwarten die Experten aber immerhin ein Umsatzplus der Branche von acht Prozent. Für 2008 rechnet IC Insights sogar mit einem Zuwachs von 20 Prozent, bevor dann der nächste Abschwung kommt.

Einen Einbruch wie 2001, als die Chipverkäufe innerhalb weniger Monate um ein Drittel einbrachen, prognostizieren die Analysten jedoch nicht. „Der Kollaps wird ausbleiben“, ist Brian Matas von IC Insights überzeugt. Der Grund: Vor wenigen Jahren war die Chipbranche noch sehr stark von der extrem zyklischen Computerindustrie abhängig. Inzwischen liefern die Hersteller aber mehr als die Hälfte ihrer Produkte an die Hersteller von Unterhaltungselektronik, an Autobauer und die Produzenten von Kühlschränken oder Leuchten. Kurzum, die Kundenbasis ist viel größer geworden.

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