Chipindustrie: Fujitsu spaltet Halbleiter ab

Chipindustrie
Fujitsu spaltet Halbleiter ab

Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu verleiht der Hoffnung auf eine Konsolidierung in der Halbleiterindustrie neue Nahrung. Das Unternehmen kündigte zu Wochenbeginn an, seine Chipsparte bis Ende März auszugliedern. Ziele sind nach Angaben Hiroaki Kurokawas die Senkung der Kosten sowie die schnellere Entwicklung neuer Produkte.

FRANKFURT. Analysten erwarten nun, dass Fujitsu das Geschäft in einem nächsten Schritt mit dem eines anderen Anbieters zusammenlegt. Fujitsu folgt damit zahlreichen anderen Anbietern aus der Branche. So hat der Handyhersteller Motorola sein Halbleitergeschäft an die Börse gebracht. Vor zwei Jahren kaufte eine Gruppe von Finanzinvestoren um Blackstone, Carlyle und Texas Pacific die Freescale getaufte Sparte. Die Transaktion war mit einem Volumen von 17,6 Mrd. Dollar die bislang größte in der Branche. Auch Philips trennte den Chipbereich ab und verkaufte diesen an Finanzinvestoren. Heute heißt das Unternehmen NXP.

Die Motive sind stets die gleichen. Die Entwicklung neuer Halbleiter ist kostenintensiv. Damit steigt auch das Investitionsrisiko der Firmen. Floppt das neue Produkt, kann das die Unternehmen in dem stark fragmentierten Markt in die Schieflage bringen.

Hinzu kommt die kapitalintensive Fertigung. Ein neues Chipwerk kostet mehrere Milliarden Euro. Gleichzeitig haben die Unternehmen in der äußerst zyklischen Chipbranche stets das Risiko, mit einer Kapazitätserweiterung in einen Abschwung hineinzulaufen. All das ist gepaart mit einem knallharten Preiswettbewerb.

Darunter leidet auch die Halbleitersparte von Fujitsu. Sie steht zwar nur für rund zehn Prozent des gesamten für dieses Geschäftsjahr prognostizierten Konzernumsatzes in Höhe von 34 Mrd. Euro. Allerdings hat die Sparte im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von 130 Mill. Euro ausgewiesen.

Ein Weg aus dem Dilemma der Branche wären größere Einheiten, die die Investitionen besser stemmen könnten. Doch statt auf Fusionen und Übernahmen setzt die Branche bislang vor allem auf Kooperation. So haben der Chipgigant Intel und der kleinere Wettbewerber ST Microelectronics (STM) Mitte vergangenen Jahres ihr Geschäft mit sogenannten Flash-Chips für Handys und Unterhaltungselektronik zusammengelegt. Das Unternehmen mit dem Namen Numonyx zählt mit einem Umsatz von rund 3,6 Mrd. Dollar zum größten Anbieter dieser Speicherchips.

Diesen Weg sagen Analysten auch der Halbleitersparte von Fujitsu voraus. Der Schritt von Kurokawa ziele auf die Öffnung gegenüber Rivalen. "Das ist der Beginn einer typisch japanischen Konsolidierung, es ist ein langwieriger Prozess mit vielen Zwischenschritten", sagte IT-Berater Yoshihisa Toyosaki der Nachrichtenagentur Reuters.

Übernahmen und Fusionen, bei denen ein Anbieter vom Markt verschwinden würde, sind in der Chipindustrie dagegen rar. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Kauf des Grafikchip-Spezialisten ATI durch AMD vor zwei Jahren. Selbst Unternehmen wie IBM, bei denen die Chipentwicklung nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, denken zurzeit offensichtlich nicht daran, sich von diesem Geschäft zu trennen. "Wir wollen keinen Bruch mit der Vergangenheit. Es gibt keinerlei Indikatoren, dass wir nicht weitermachen könnten", sagte Martin Jetter, Deutschland-Chef des US-Konzerns, gestern in München.

Derzeit ist ein Verkauf allerdings auch wegen der Finanzkrise eher unwahrscheinlich. Gerade die zyklische Chipindustrie hat bei Banken einen schweren Stand. So kappten die Geldgeber dem Intel-STM-Joint Venture Numonyx vor wenigen Wochen die Zusagen, so dass das Gemeinschaftsunternehmen nun nur noch mit der Hälfte des ursprünglich geplanten Fremdkapitals auskommen muss.

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