Chipkonzern schrumpft
Schwacher Dollar belastet Infineon

Der Umsatz des größten deutschen Chipherstellers ist im vergangenen Quartal leicht zurückgegangen. Seine Jahresziele hat der Dax-Konzern hingegen erreicht und es sieht auch für die nächsten Monate gut aus.
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MünchenSo hatte sich Infineon-Chef Reinhard Ploss den Ausklang des vergangenen Geschäftsjahres, es endete am 30. September, nicht vorgestellt. Der Umsatz im vierten Quartal sei gegenüber dem Vorquartal um ein Prozent auf rund 1,82 Milliarden Euro geschrumpft, teilte Deutschlands größter Chiphersteller an diesem Dienstag mit. Das sei „saisonal untypisch“ und auf den deutlich schwächeren Dollar zurück zu führen.

Die Nachfrage hingegen sei nach wie vor „ausgesprochen gut“. Das Betriebsergebnis betrug im vierten Quartal 328 Millionen Euro, das sind drei Prozent weniger als im dritten Quartal. Die operative Marge lag bei 18 Prozent, ein halber Prozentpunkt weniger als im Quartal zuvor.


Infineon verkauft seine Halbleiter überwiegend in Dollar. Dabei gilt die Faustregel: Wenn sich der Euro gegenüber dem Dollar um einen Cent verteuert, sinkt der Umsatz im Geschäftsjahr um gut 30 Millionen Euro. Das operative Ergebnis fällt mit jedem Cent um acht bis zwölf Millionen Euro.

Trotz des leichten Rückgangs müssen sich die Investoren keine Sorgen machen. Denn im Vergleich zum Vorjahr ist der Quartalsumsatz um neun Prozent geklettert und die Marge sogar leicht gestiegen. Dazu kommt: Infineon hat seine Prognose für das gesamte Geschäftsjahr erreicht. Der Umsatz ist um rund neun Prozent auf gut sieben Milliarden Euro geklettert, die operative Marge stieg von 15 auf gut 17 Prozent.

Infineon-Chef Reinhard Ploss zeigte sich am Dienstag denn auch zufrieden: „Infineon wächst weiter. Die Prognose für das vergangene Geschäftsjahr hatten wir im März erhöht und sie trotz des zunehmenden Gegenwinds durch den schwächeren Dollar erreicht.“


Der Unternehmenslenker versprach seinen Aktionären zuletzt ein Umsatzplus im Gesamtjahr von acht bis elf Prozent. Zu Beginn des Geschäftsjahrs hatte er maximal acht Prozent in Aussicht gestellt. Zudem kündigte Ploss im Frühjahr eine operative Marge von 17 Prozent an. Bis dahin hatte er 16 Prozent vorhergesagt. Infineon ist schon länger gut in Form, verliert aber etwas an Fahrt. Im vorangegangenen Geschäftsjahr waren die Erlöse noch um zwölf Prozent geklettert.


Infineon stellt Halbleiter für die Autoindustrie her, für die Stromversorgung von Industrieanlagen und Computer, produziert darüber hinaus aber auch Chips für Smartphones und Pässe. Am stärksten gewachsen sind im abgelaufenen Geschäftsjahr die Auto- und Industriesparte, das Geschäft der Chipkartendivision stagnierte hingegen.


Die Anleger profitieren vom guten Geschäftsverlauf. Die Dividende soll erneut um mehr als zehn Prozent auf jetzt 25 Cent steigen, so der Konzern.
Allerdings ist die Freude über den Aufwärtstrend nicht ungetrübt. Die US-Behörden haben zu Jahresbeginn eine bedeutende Übernahme in den USA verhindert.

Infineon wollte den US-Halbleiterspezialisten Wolfspeed für 850 Millionen Euro kaufen. Doch die Aufseher machten Sicherheitsbedenken geltend, sodass der Deal letztlich nicht zustande kam. Wolfspeed sollte Infineon neues, wichtiges Know-how bringen.


Gleichwohl, die Investoren sind sehr angetan von den Münchenern. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um mehr als 40 Prozent gestiegen, damit gehört der Konzern zu den Spitzenreitern im Dax. Die Papiere notieren derzeit mit knapp 24 Euro auf dem höchsten Stand seit Anfang des Jahrtausends. Wenn die Analysten richtig liegen, dann ist noch lange nicht Schluss mit der Rally.

Erst am Freitag hob JP Morgan das Kursziel um vier Euro auf 25,50 Euro an. Zwar gehe vom Wechselkurs des Euro zum Dollar ein Risiko für den Chip-Hersteller aus, meint Analyst Sandeep Deshpande. Angesichts der unverändert starken Absatzmärkte für die Endprodukte seien diese Risiken jedoch überwindbar.


Der Aktienkurs profitierte in jüngster Zeit allerdings auch von Übernahmephantasien. So hat vergangene Woche der Chiphersteller Broadcom aus Singapur angekündigt, den US-Konkurrenten Qualcomm für 130 Milliarden Dollar zu schlucken. Qualcomm wiederum ist gerade dabei, den Infineon-Wettbewerber NXP zu übernehmen. Nicht ausgeschlossen, dass bald auch ein großer Anbieter ein Kaufangebot für Infineon abgibt.

In der Halbleiterbranche wird immer wieder Intel als möglicher Bieter genannt. Der Branchenführer drängt derzeit mit Macht ins Autogeschäft und könnte das Know-how der Bayern auf diesem Gebiet gebrauchen. Mit einem branchenüblichen Aufschlag würde Infineon wohl gut 30 Milliarden Euro kosten, ein Preis, den sich ein IT-Riese wie Intel locker leisten könnte.


Gleichwohl, Vorstandschef Ploss plant erst einmal eine eigenständige Zukunft für Infineon. Und dabei soll es weiter kräftig aufwärts gehen: Der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr werde zwischen sieben und elf Prozent klettern, verspricht der Unternehmenslenker. Die Marge werde unverändert 17 Prozent betragen, das entspricht dem mittelfristigen Ziel des Konzerns.

„Wir gründen unser Wachstum auf viele unterschiedliche Säulen. Neben Elektromobilität und Fahrerassistenzsystemen sowie erneuerbaren Energien ist das Industriegeschäft von ebenfalls großer Bedeutung – mit Antrieben für zunehmend automatisierte Produktionsmaschinen und Robotik“, betonte Ploss. Wenn nun noch der Dollar wieder etwas zulegt, dann dürfte in den nächsten Monaten nicht viel schief gehen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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