Chipkonzern wird am Montag Gewinne präsentieren
Kommunikationssparte belastet Infineon

Die Analysten sind sich einig: Wenn Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Montag die Zahlen für das abgelaufene Quartal vorlegt, wird er erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder einen Gewinn präsentieren können. Ganz zufrieden kann der Manager aber nicht sein. Noch immer schreiben die beiden Kommunikationssparten in Europas zweitgrößtem Chipkonzern Verluste.

jojo MÜNCHEN. Zuletzt war vor allem die Lage in der drahtgebundenen Kommunikation kritisch: Im dritten Quartal des Geschäftsjahres musste die Sparte wegen einer hohen Abschreibung einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von fast 100 Mill. Euro hinnehmen. Zum Vergleich: Der Umsatz lag bei lediglich 119 Mill. Euro. Die Sparte Secure Mobile Solutions (SMS), die unter anderem Chips für Mobiltelefone herstellt, lag mit 17 Mill. Euro in den roten Zahlen. Wegen der schlechten Ergebnisse musste der Chef der Sparte im September gehen.

In dem am 30. September abgelaufenen letzten Quartal des Geschäftsjahrs dürften beide Sparten nach wie vor defizitär gewesen sein, schätzt Halbleiter-Analyst Günther Hollfelder von der Hypo-Vereinsbank. Er erwartet mit 8 und 9 Mill. Euro Verlust aber wesentlich bessere Zahlen als zuletzt. Und für das neue Geschäftsjahr rechnet der Experte damit, dass beide Bereiche kein Minus mehr aufweisen.

Doch der Erfolg steht auf wackeligen Beinen. SMS ist stark abhängig vom Mobilfunkgeschäft und das geht traditionell nach Weihnachten wieder zurück. Je nachdem wie stark der Einbruch ausfällt, könnte auch SMS erneut in die roten Zahlen rutschen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Insgesamt steht Infineon derzeit aber so gut da wie seit dem Spitzenjahr 2000 nicht mehr. In den letzten Monaten sind die Preise für Speicherchips, so genannte Drams, kräftig gestiegen. Deshalb schreibt die wichtige Speichersparte – der Umsatzanteil liegt bei etwa 40 % – jetzt erstmals wieder einen satten Gewinn. Analysten rechnen mit einem Ebit von 90 Mill. Euro. Noch im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs belasteten die Drams den Konzern mit einem Minus von 138 Mill. Euro.

Alles in allem rechnen die großen Banken im Schnitt mit einem Ebit-Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr von mehr als 300 Mill. Euro. Die Spanne der Schätzungen ist allerdings groß: Die Analysten rätseln vor allem darüber, wie hoch die Gewinne aus den jüngsten Anteilsverkäufen ausfallen werden.

Aufwärtstrend in wichtigen Abnehmerindustrien

Die Börse hat die guten Zahlen von Infineon längst vorweg genommen. Seit Jahresbeginn ist die Aktie um 70 % geklettert auf gestern 13,20 Euro. Die Anleger honorieren dabei unter anderem die guten Aussichten für die gesamte Halbleiterindustrie. Der amerikanische Branchenverband Sia geht davon aus, dass die Umsätze kommendes Jahr um etwa 20 % steigen werden.

Die Chipbranche hat bereits im abgelaufenen Quartal vom Aufwärtstrend in wichtigen Abnehmerindustrien profitiert. So steigen die Handyverkäufe im dritten Quartal nach Angaben der Marktforscher von IDC im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Fünftel. Der PC-Markt legte gleichzeitig um etwa 14 % zu. Auch für das laufende Weihnachtsgeschäft sind die Elektronikproduzenten optimistisch.

Trotz der guten Entwicklung geben sich sowohl Infineon als auch die meisten anderen Chiphersteller zurückhaltend, was die weitere Entwicklung der Branche angeht. Craig Barrett, Chef des Weltmarktführers Intel warnt: „Im Frühjahr hat sich gezeigt, dass das Wachstum beispielsweise in Asien auf dünnen Beinen steht. Die Lungenseuche SARS hätte fast für eine Katastrophe gesorgt. Deshalb sind wir in unseren Vorhersagen vorsichtig.“

Dazu kommt: Selbst für kommendes Jahr erwarten die Analysten bei Infineon einen Gewinn, der mit etwa 500 Mill. Euro den Milliardenverlust von 2002 längst nicht ausgleicht.

Neben Infineon legt kommende Woche auch die frühere Konzernmutter Siemens die Jahreszahlen vor. Am 18. November folgt dann mit dem Bauelemente-Hersteller Epcos das letzte Mitglied der ehemaligen Siemens-Familie.

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