Chipkonzerne
„Für Qimonda ist es fünf nach zwölf“

Für Qimonda-Mitarbeiter hätte es vor Weihnachten kaum Schlimmer kommen können: Es wird vorerst keinen Rettungsplan geben. Die Konzernmutter Infineon schießt nicht wie vom Land Sachsen gefordert 150 Millionen Euro zu. Für den Branchenexperten Thomas Liskamm, Analyst bei der Dresdner Bank gibt es kaum noch Hoffnung auf Rettung.

Herr Liskamm, Qimonda ist an der Börse ein Pennystock. Haben die Börsianer das Unternehmen schon aufgegeben?

Die Börse spielt kein Szenario, das mit der Realität nichts zu tun hat.

Dann liegen die Überlebenschancen Qimondas nach dem nicht geglückten Rettungsversuch tatsächlich nahe Null?

Viele sind der Meinung, dass dem Unternehmen in einigen Wochen, maximal einigen Monaten das Geld ausgeht. Das halte ich für realistisch.

Sachsen hätte 150 Millionen Euro bereitgestellt, aber Infineon tat es nicht. Warum nicht?

Infineon hat gesagt, so viel Geld habe es nicht. Und das glaube ich auch. Am liebsten hätte Infineon dem Freistaat Qimonda-Aktien angeboten. Allerdings liegt die Marktkapitalisierung von Qimonda derzeit bei knapp 60 Millionen Euro und damit viel zu niedrig. Und einen "fairen" Preis zu finden, der oberhalb dieser aktuellen Bewertung liegt, ist in der jetzigen Situation äußerst heikel.

Was bedeutet dies nun für Infineon?

Infineons Aktionäre sehen auch das Positive: Infineon hält sein Geld zusammen und wirft es nicht mehr Qimonda hinterher. Deshalb stieg der Kurs gestern ja auch.

Welche Fehler hat Infineon im Hinblick auf Qimonda gemacht?

Es wurden seit Jahren Pläne diskutiert, sich von Qimonda zu trennen. Auch schon vor dem Amtsantritt von Peter Bauer. Man hat die Entscheidung immer weiter aufgeschoben. Nun ist es zu spät. Vor zwei Jahren wäre ein Verkauf zu einem vernünftigen Preis unter Umständen noch gut möglich gewesen.

Woran hapert es denn bei Qimonda?

Der Standort Dresden hat auf der Kostenseite Nachteile. Deshalb müsste Qimonda eigentlich in einer Hochpreis-Nische tätig sein, also höchstes Know-How bieten. Der Markt für D-Rams ist aber viel zu hart umkämpft. Hier sind die Überkapazitäten und der Preisdruck zu groß.

Was kann Qimonda jetzt noch retten?

Das Unternehmen bräuchte viel Geld, um sich neu zu strukturieren. Es müsste weg kommen von den D-Rams. Aber meiner Meinung ist es dafür nun zu spät, denn für die Kombination Infineon/Qimonda scheint es nicht fünf vor zwölf, sondern bereits fünf nach zwölf zu sein.

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