Cisco Systems: Ewiger Technologie-Klempner

Cisco Systems
Ewiger Technologie-Klempner

Der Aufschwung an der Börse währte nur kurz. An Cisco Systems, dem führenden Lieferanten von Kommunikationsnetzen, entzünden sich wieder Zweifel. Die Expansion in die Heimelektronik erzeugt bislang nur gedämpfte Wachstumsphantasien.

PORTLAND. Ob Akquisitionen oder neue Produkte – alle Bemühungen des hoch angesehenen Cisco-Chefs John Chambers, den Goldstandard für Netztechnik wieder auf Hochglanz zu polieren, zeigen kaum Wirkung. Das Wachstum im Kerngeschäft hat sich gegenüber früher deutlich verlangsamt. Die Expansion in die Heimelektronik erzeugt bislang nur gedämpfte Wachstumsphantasien.

Statt für Cisco können sich viele Bankanalysten für den kleineren Konkurrenten Juniper Networks erwärmen. Der werde vom fortschreitenden Ausbau der Kommunikationsnetze kurzfristig stärker profitieren als Cisco, prognostizieren die Experten – für Konzernchef Chambers eine bittere Pille. Denn Cisco verdient fast doppelt so viel pro Aktie wie Juniper. Und obwohl der Konzern bislang fast 37 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe ausgab, hat Cisco immer noch 20 Milliarden Dollar in der Kasse. Die will Chambers rasch in neue Produkte und Zukäufe in die Hand investieren um – wie er selbst sagt – Cisco heraus aus der Ecke von Technologie-Klempnern zu führen.

Cisco drängt aus dem Geschäft mit Datenzentren und Netzwerkservern hinein in die Wohnzimmer der Verbraucher. Mit der Übernahme von Scientific Atlanta stieg der Konzern in das Geschäft mit Empfangsboxen fürs Kabelfernsehen und Breitbandanschlüssen an das Internet ein. Die Akquisition von Linksys, einem Hersteller von Signalweichen für PC-Netze, so genannten Routern, öffnete Cisco den Zugang zum Markt der drahtlosen Heimnetze. Darüber hinaus investiert das Unternehmen verstärkt in neue Produkte wie etwa Telepresence, ein Highend-System für Videokonferenzen. Die hauseigene Entwicklungabteilung hat die Aufgabe, innovative Produkte für neue Märkte zu entwickeln. Dazu gehören drahtlose Netzwerke für die nahtlose Integration von Unterhaltung und Kommunikation daheim.

„Das Netz ist die Plattform“, betont Chambers gern. In einer neuen Ära, in der jedes elektronische Gerät mit jedem anderen kommunizieren kann, sei Cisco der zentrale Partner für Medienkonzerne, Telekomfirmen und Hersteller von Verbraucher-Elektronik. Chambers gilt in der Branche als Prophet einer neuen, drahtlos vernetzten Welt. Daran gemessen ist Ciscos derzeitige Präsenz in den Wohnzimmern der Verbraucher recht bescheiden.

Der einstige Börsenliebling Cisco, der in den Boomjahren des Internets zeitweilig der nach Börsenwert teuerste Konzern der Welt war, hat als Markenname bei Privatkunden keinen Klang. Anleger und Analysten werden sich deshalb weiter an Ciscos Wachstum im Kerngeschäft orientieren.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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