Cloud Computing
BT wildert im Geschäft der IT-Anbieter

In den Wolken wachsen die Margen. Mit "Cloud Computing" wollen die Telekomanbieter in ein neues Geschäftsfeld einsteigen. Der britische Festnetzanbieter BT hat bereits die Gründung eines Virtuellen Datencenters angekündigt und will so den sinkenden Umsätzen im Telefongeschäft ausgleichen.

DÜSSELDORF. Die Telekomanbieter sind bei der Suche nach neuen Geschäftsfeldern fündig geworden – in der IT-Branche: Sie springen auf den Zug des „Cloud Computing“ auf und damit auf einen Markt, der im Gegensatz zum klassischen Telefoniegeschäft wächst und höhere Margen verheißt. Hinter der viel gepriesenen Cloud (Wolke) verbergen sich Anwendungen und Speicherkapazitäten aus dem Netz, die der Kunde nur nach Bedarf nutzt und bezahlt. Die Nutzer müssen sich deshalb keine Software mehr kaufen oder große Datenbanken vorhalten.

Mit dem Service auf Abruf könnten Unternehmen ein Drittel ihrer IT–Kosten sparen, versprechen die Anbieter von Cloud-Computing. Gerade in der Rezession sind Einsparungen ein überaus schlagkräftiges Argument. Die Anbieter erwarten deshalb hohe Wachstumsraten.

Einer von ihnen ist Luis Alvarez vom britischen Festnetzanbieter BT. Er ist in der gebeutelten BT-Geschäftskundensparte Global Services für die Regionen Europa, den Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika verantwortlich. „Cloud Computing ist für uns ein interessanter neuer Wachstumsmarkt“, sagt er. Auf der Handelsblatt-Tagung „Telekommarkt Europa“, die heute beginnt, wird Alvarez die Gründung eines Virtuellen Datencenters bekannt geben. Dahinter verbirgt sich eine Art Server-Farm, die Dienste und Speicher auf Abruf anbietet.

Ähnliche Center haben die US-Telekomriesen AT&T und Verizon gegründet. In Deutschland wollen T-Systems, Vodafone und QSC mit den neuen Diensten wachsen. „Wir machen aus den Fixkosten unserer Kunden variable Ausgaben“, wirbt Alvarez für das Konzept.

Seine Geschäftskundensparte hat einen neuen Impuls bitter nötig: Sie ist dafür verantwortlich, dass BT im vergangenen Jahr zweimal innerhalb von sechs Monaten die eigene Gewinnprognose senken musste. Nach den ersten drei Monaten dieses Jahres musste BT 1,3 Mrd. Euro abschreiben, weil sich Global Services mit einigen Großaufträgen verkalkuliert hatte. „Wir dachten, wir könnten intern schneller von Kostenvorteilen profitieren“, erklärt Alvarez. Nun werde konservativer gerechnet, und mehr Prozesse seien automatisiert. Die Unternehmenskunden sind mit einem Umsatzanteil von gut vierzig Prozent das größte Geschäftsfeld von BT.

Der Vorstoß in die Wolke hat für BT zwei Vorteile: Während die Umsätze mit klassischer Telefonie wegen des anhaltenden Preisdrucks sinken, wächst das Feld für Rechnerleistungen aus der Wolke. Die Marktforscher von Gartner gehen davon aus, dass das himmlische Segment in diesem Jahr um 21 Prozent auf 56,3 Mrd. Dollar (Mrd. 40,5 Mrd. Euro) wächst und bis 2013 auf 150 Mrd. Dollar zulegt. Zudem ist die Rendite in luftiger Höhe nach Angaben von Alvarez mehr als doppelt so groß wie im Geschäft mit Leitungen unter der Erde. Die Margen der einzelnen Geschäftsbereiche weist BT nicht aus.

Die Telekomanbieter sehen sich bei diesem Geschäft gegenüber klassischen IT-Dienstleistern wie Microsoft oder IBM im Vorteil, weil sie nicht nur die Server besitzen, sondern auch das Netz, über das ihre Kunden darauf zugreifen. „Wir können unseren Kunden sichere Verbindungen mit einer gleichbleibend hohen Bandbreite anbieten. Das ist im offenen Internet nicht immer der Fall“, sagt Alvarez. Für BT-Kunden wie Commerzbank sei es wichtig, dass Informationen ohne Zeitverzögerung und geschützt vor dem Zugriff Dritter transportiert würden.

Auch Diethard Bühler von der Unternehmensberatung Arthur D. Little sieht die Telekomanbieter im Kampf um die Cloud im Vorteil. Zwar könnten Kunden Netz und Serverkapazität in derselben Qualität von verschiedenen Anbietern kaufen, der Service aus einer Hand sei aber ein gutes Marketing-Argument. Bühler warnt aber davor, die Effekte zu überschätzen: „Die Cloud ist ein interessantes Phänomen, das angesichts des aktuellen Effizienzdrucks bei den Unternehmen sicher sinnvoll ist. Es ist aber nicht der große Hoffnungsträger für die Zukunft.“

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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