Cloud Computing
Deutsche Aufholjagd in der Wolke

Das Misstrauen gegenüber amerikanischen Internet-Speicherdiensten wollen deutsche Anbieter nutzen. Ihr Argument: Datenschutz nach hiesigem Recht. Denn das Misstrauen gegenüber der Speicherung in der Datenwolke ist hoch.
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DüsseldorfSchon seit Jahren wirbt die IT-Branche fürs Cloud Computing, das Speichern von Daten auf in der Welt verteilten Festplatten. Trotzdem haben die meisten Verbraucher davon bislang wolkige Vorstellungen und Online-Speicher sind bislang ein Nischenprodukt. Doch der Smartphone-Boom könnte den großen Durchbruch bringen – die eingebauten Kameras sind dabei die Speerspitze.

Immer mehr Unternehmen setzen solche Online-Dienste bereits ein – oft weil sie sich Einsparungen erhoffen. Doch den meisten Verbrauchern sagt der Begriff Cloud Computing nichts. Eine aktuelle Umfrage des Bundesministeriums für Verbraucherschutz zeigt, dass nur jeder zweite etwas damit anfangen kann (49 Prozent). Hinzu kommt eine große Skepsis: 80 Prozent empfinden gegenüber der Technologie Unbehagen, wie das Marktforschungsinstitut Infratest Dimap für die Behörde ermittelt hat.

Deutsche Anbieter führen daher als Argument für ihre Dienstleistung den strengen deutschen Datenschutz ins Feld. „Die entscheidende Frage ist: Wie schaffe ich Vertrauen in den Dienst?“, sagt Jan Oetjen, Chef der 1&1-Töchter Web.de und GMX zu Handelsblatt Online. Ein beträchtlicher Teil der Nutzer habe Bedenken gegenüber den amerikanischen Firmen – davon könnten die deutschen Anbieter profitieren.

Beim Cloud Computing werden Speicherplatz, Rechenkapazität und Programme nicht auf dem eigenen Rechner oder im eigenen Rechenzentrum bereitgehalten, sondern über das Internet abgerufen. Der Name rührt daher, dass diese Dienste in der IT-Branche oft schematisch als Wolke dargestellt werden.

Was vielen Nutzern nicht bewusst ist: Sie haben längst Daten in der Cloud abgelegt, diese trägt dabei aber andere Namen. Facebook zum Beispiel. Denn wer dort seinen Freunden die Fotos der letzten WG-Party zeigt, nutzt die Server der Plattform. Auch E-Mail-Dienste, die über den Browser aufgerufen werden, funktionieren nicht ohne die Cloud.

Kommentare zu " Cloud Computing: Deutsche Aufholjagd in der Wolke"

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  • Die Sicherheit der Business Cloud ist für viele aufgrund der schweren Einschätzbarkeit ein tatsächliches Entscheidungshindernis. Dabei werden die Risiken der Cloud stark thematisiert, was auch richtig ist, demgegenüber die häufig viel grösseren Risiken der On Premise Client Server Lösung im eigenen Haus aber "wie ein Balken im eigenen Auge" völlig übersehen.

    Wie soll ein mittelständisches Unternehmen die Sicherheit eines zertifizierten Hochsicherheits RZ jemals im eigenen Hause sicher gestellt bekommen. Meine Prognose ist deshalb, in wenigen Jahren werden Sicherheitsgründe eines der wichtigsten Pro-Argumente für Cloud Anwendunggen sein.

    Wer sich heute gegen Cloud ERP & CRM Lösungen entscheidet, der begeht einen grossen Fehler. Auf der Preisseite eines ERP Cloud Herstellers habe ich im unteren Erläuterungsteil einen schönen und treffenden Vergleich gesehen: "Die Sicherheit entspricht einem Bankensafe einer Großbank.". Siehe unter https://www.scopevisio.com/preise#business unter dem Punkt "Wie sicher sind meine Daten bei Scopevisio?"

  • Clouding ist das Schlagwort der IT-Industrie, und man erhofft sich sprudelnde Gewinne da die anderen Quellen zusehens versiegen.
    Aber wie bescheiden muß man sein, um Daten in fremde Hände zu geben. Was bei einem Privatmann auf den ersten Blick unkritisch erscheint, muß doch jedem Firmeninhaber die Nackenhaare aufstellen.
    Allen Sicherheitsbekundungen zum Trotz muß von krimineller Energie Dritter ausgegangen werden. Wenn jetzt schon die Daten in der eigenen Firma via Internet durch US-Geheimdienste (von osteuropäischen und chinesischen ganz zu schweigen) abgegriffen werden, was wird, wenn die Daten auf zentralen Festplatten liegen? Firewall und ähnliches sind dann verzichtbar.
    Für den Privatverbraucher drohen ganz andere Gefahren. Bedingt durch die zahlenmäßige Überlegenheit der Anwälte im Bundestag hat sich ja bereits eine Abmahnindusrie etabliert die beidseits der Grenzen der Legalität die Internetnutzer überwachen läßt. Weniger aus rechtlichen Gründen, mehr aus eigen Gewinninteressen. Es gibt einen Handeln mit Abmahnverfahren.
    Nun kann offensichtlich ein weiteres Feld freigegeben werden. Es ist eine Frage der Zeit, bis aus irgendeinem Grund diese Daten der Überwachung -sicher aus terroristischen Gründen - unterliegen werden.
    Und, einmal dort abgelegt, werden sie immer dort und in verschiedenen Sicherungsebenen liegen.

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