Cloud Computing
Die Zukunft ist schon da

Es ist billig, schnell installiert und schnell wieder abgemeldet - Cloud Computing ist auf dem Vormarsch. Während in den USA immer mehr Unternehmen auf die online-basierte IT-Technologie setzen, halten hierzulande viele Manager Cloud Computing noch für eine Vision. Ein fataler Fehler.
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LONDON/DÜSSELDORF. Ausgerechnet Los Angeles! Die Stadt, in der Ende November Microsoft mit großem Pomp auf seiner Konferenz für Software-Entwickler den offiziellen Startschuss für den Cloud-Computing-Dienst Azure geben will, hat jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Rund 30 000 Angestellte der chronisch klammen kalifornischen Metropole werden nicht mehr mit Microsoft Office arbeiten, sondern mit der Bürosoftware Google Apps. Die existiert als Internet-Service nur auf den schätzungsweise über zwei Millionen vernetzten Servern des Internet-Konzerns. Auf der Festplatte des Sachbearbeiters bleibt lediglich der Browser für den Zugang ins Internet. Die Entlastung für die Stadtkasse ist enorm: Fast 14 Mio. Dollar will Los Angeles an Lizenzen, Server-, Energie- und Personalkosten sparen.

Los Angeles ist nur ein Beispiel von vielen. Städte, Unternehmen und Forschungseinrichtungen schätzen das Computern aus der Web-Steckdose. Es ist billig, schnell installiert - und schnell wieder abgemeldet. "In zwei Jahren wird ein Viertel aller Geschäftsanwendungen in der Cloud sein", sagt Achim Berg, Deutschlandchef von Microsoft. Allerdings kann sein Konzern erst am Februar 2010 mitmachen. Denn erst dann ist die Plattform Azure mit ihren Cloud-Funktionen für Unternehmenskunden in vollem Umfang nutzbar - allerdings kostenpflichtig.

Paradigmenwechsel und ein milliardenschwerer Markt

Schon jetzt ist der Kampf um einen Markt, dessen Potenzial die Analysten des IT-Beratungshauses IDC auf weit über 40 Mrd. Dollar schätzen, voll entbrannt. Die wichtigsten Beteiligten: Amazon, Microsoft und Google. Sie unterhalten oder planen die größten Web-Rechenzentren der Welt und wollen für die Informationstechnologie das werden, was Eon oder Gazprom für Strom und Gas sind: mächtige globale Versorgungsunternehmen. Im Schlepptau in die Cloud haben die Marktführer Anbieter wie IBM und SAP, die auch mitmachen wollen. Denn Cloud-Computing ist mehr als Textverarbeitung im Web. Es ist ein Paradigmenwechsel, der in drei Bereichen stattfindet: Datenspeicherung, Software und Rechenleistung zur Miete online und überwiegend ohne Investitionen, Lizenzzahlungen oder vertragliche Laufzeiten. Daraus ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten für junge Unternehmen - und dramatische Herausforderungen für alte.

"Sie bauen innerhalb von Stunden eine IT-Infrastruktur auf - und melden sie in Minuten wieder ab", beschreibt Werner Vogels, Chief Technology Officer von Amazon, das Prinzip. Der Konzern ist Marktführer bei Rechenpower und Speicherplatz im Web mit Kunden wie dem Biotech-Konzern Genentech und Bild.de. Als Bild-Chef Kai Diekmann eine Internet-Plattform für Bürger-Videoreporter aus dem Boden stampfen wollte, nannte die IT-Abteilung einen Zeitrahmen von acht bis zwölf Monaten. Jetzt, sagt Vogles, ist Bild.de Kunde bei Amazon. Realisationszeit: vier Wochen.

"Time to Market" - die Zeit, bis eine Idee umgesetzt ist - wird zum Katalysator. Kreditkarte, Geschäftsidee und pfiffige Programmierer reichen in der Cloud, um alte Märkte aufzumischen oder neue zu schaffen. Als die US-Technologiebörse Nasdaq einen Analyse-Service für Finanzmarktdaten anbieten wollte, wäre das Projekt beinahe an Millionen Dollar teuren Änderungen der IT gescheitert. Das Risiko war zu groß. Die Lösung: Alle Daten wurden in einen gemieteten Cloud-Speicher geladen und eine Software für Web-Browser geschrieben. Bei Misserfolg hätte ein Mausklick gereicht - Licht aus, Kosten weg.

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Kommentare zu " Cloud Computing: Die Zukunft ist schon da"

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  • Na, Sie scheuen ja wohl offensichtlich nicht nur nicht den journalistisch grenzwertigen Gebrauch von buzz-Words sondern geben noch einen d'rauf mit bemerkungen wie: "Die Zukunft ist schon da" und so einem blödsinn. Als wenn das alles neu wäre. Das Konzept ist schon vor 5 Jahren gescheitert. Es gibt da sicherlich Potential, aber ich bezweifle, dass man es sinnvoll nutzen würde. Eigentlich wäre das eher ein Thema für regionale Rechenzentren im besitz von bund und Ländern, als ein Thema für industrielle Anbieter wie Amazone, Google, ibM, etc.
    Mit diesen wird das Ganze langfristig wieder eher zu neuer Geldverschwendung führen. Das sagt mir meine 20-jährige iT-Erfahrung, insbesondere wenn ich mal zurück auf die Entwicklungen der letzten 5 Jahre blicke.

    Angst und bange wird mir, wenn ich mir vorstelle, dass laut neueren Aussagen von blaseninstrumentalisten nicht nur E-Shops oder Webauftritte von Unternehmen, sondern auch unternehmenskritische EDV-Prozesse und Datenhaltungen von Unternehmen an Cloud-Computing Anbieter ausgelagert werden sollen.

    Neben den Sicherheitsfragen und den negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ist das sicher auch kostentechnisch fragwürdig, da die Ressourcenplanung damit lediglich von A nach b verschoben wird, und das Planungsrisiko von b dann mit Sicherheit mit deutlichen Aufschlägen an A verkauft wird.

    Wo liegen denn die Stammdaten und die aktuellen Verarbeitungsergebnisse auf diesen Daten des Unternehmens A bei diesem Cloud-Konzept. Kann man diese zuverlässig trennen oder werden die Daten dann für unterschiedliche Zwecke doppelt vorgehalten ? Sind die Datenerarbeitungsergebnisse, die extern generiert wurden nicht meist über zahlreiche Schnittstellen bald wild über die gesamte EDV verteilt. irgendwo in den ca. 5 Terrabyte sind einzelne informationsentitäten aktualisiert worden und werden für den nächsten bearbeitungsschritt wieder benötigt. Kann man da noch sinnvoll punktuell auslagern ? Rechnet sich das noch, wenn man doch die iT ohnehin noch im eigenen Hause benötigt. im Extremfall werden die 5 Tb des Unternehmens A bei bedarf immer hin- und hergeschoben oder doch dauerhaft zu einem oder mehreren Cloud-Anbieter b ausgelagert ?

    Das wäre dann normales EDV-Outsourcing und hätte nichts mehr mit Utility-Computing zu tun…

    Also Outsourcing oder nur gelegentlich (zum Abfangen von Spitzenlasten) mal schnell ein paar Terrabyte zum Cloud-Anbieter rüberbeamen zum durchrechnen und dann wieder zurück ?

    Diese blase sollten Sie weiter untersuchen, bevor sie Tausende von Arbeitsplätze kostet und/oder platzt und wieder eine Krise nach sich zieht.

  • Cloud-Computing - der Name ist Programm: beabsichtige in Rumänien einen Konzern mit dem Geschäftsziel international gebrauchte PKWs zu verkaufen. besonders interessiere ich mich für die sekundenschnelle Löschung aller verwolkten Daten. Der trefflichere Name wäre frei ins Deutsche übersetzt: Anti-Schäuble-Computing.

  • Der Weg hin zu Cloud Computing ist nicht mehr aufzuhalten. Ob allerdings die Cloud-Zukunft so aussieht wie wir sie uns heute vorstellen ist schwer zu sagen, da wir erst am Anfang dieser Entwicklung stehen.

    bei all der Cloud-Euphorie darf nicht vergessen werden, dass Unternehmen, welche Cloud-Services nutzen wollen, nicht nur den Kosten- und Flexibilitätsaspekt sehen können. Sie müssen auch rechtliche Vorgaben einhalten und gesetzliche Rahmenbedingungen beachten. So dürfen z.b. personenbezogene bzw. steuerrelevante Daten nicht an beliebigen (meist unbekannten) Orten irgendwo auf der Welt gelagert werden.

    Vor dem Hintergrund ist die zögerliche Reaktion von Unternehmen zu verstehen. Für einen Teil ihrer Anwendungen benötigten Sie eine "spezielle" auf ihre bedürfnisse angepasste Form des Cloud Computing.

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