Cloud Computing Konferenz
Jaguar Land Rover steigt auf Google um

Der Luxushersteller Jaguar Land Rover stellt seine Bürosoftware auf Google Apps Professional um. Bis Ende 2010 sollen rund 14 500 Arbeitsplätze auf die Web-basierte Unternehmenssoftware aus Mountain View umgestellt werden.

LONDON. Die Entscheidung sei bereits im Rahmen der Vorbereitungen des Verkaufs von Jaguar an den indischen Tata Konzern gefallen, so Jaguar CIO Jeremy Vincent auf der Cloud Computing Konferenz Atmosphere 09 von Google in London. Der Zeitpunkt sei günstig gewesen, da man sich ohnehin von der IT-Infrastruktur des Mutterkonzerns Ford Motor lösen musste und wollte.

Zunächst werden E-Mail und Terminmanagement mit Cloud Computing betrieben, also mit Software und auf Hardware, die Google im Internet für Jaguar bereitstellt. Später ist geplant, weitere Bereiche wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation oder Videokonferenzen mit einzubeziehen. „Wir haben schon vor langer Zeit die Kontrolle über die IT-Infrastruktur verloren“, so Vincent.

„Das geschah, als PC- und Server-Power so billig wurde, dass jede Teilorganisation in einem Unternehmen ihre eigenen Systeme aufsetzen konnte. Seitdem verbringen überall in der Welt IT-Abteilungen ihre Zeit damit, diese Systeme unter Kontrolle zu halten.“ Mit der Zentralisierung auf Cloud-Computing will Jaguar diesem Trend nun gegensteuern. Ein weiterer wichtiger Grund sei gewesen, dass Jaguar „signifikante Einsparungen“ bei den IT- und Wartungskosten erwartet, die Vincent aber nicht genauer spezifizieren wollte.

Um den Übergang für die Mitarbeiter möglichst reibungslos zu gestalten, wurden in einer ersten Welle 250 Mitarbeiter intensiv geschult, die wiederum in den einzelnen Standorten die Schulung vornehmen werden. Der Mutterkonzern Tata Motors ist allerdings kein Google Kunde.

Jaguar Land Rover, Hersteller von Luxusautomobilen, schreibt seit Jahren rote Zahlen und wurde im März 2008 im Rahmen einer Total-Restrukturierung vom US-Konzern Ford Motors für geschätzte zwei Mrd. Dollar an die indische Tata Motors verkauft. Ford brauchte zu diesem Zeitpunkt dringend Geld, um sein Kerngeschäft zu sanieren, nachdem alleine im Jahr 2006 ein Verlust von über 13 Mrd. Dollar angefallen war. Jaguar selber kämpft ebenfalls immer noch um sein Überleben, erst im September wurde angekündigt, ein Werk in Großbritannien zu schließen.

Vor zwei Wochen hatte Google erst den bislang größten Erfolg für seine Business-Geschäftssparte verbucht, als der Hygiene-Dienstleister Rentokil angekündigt hat, 35 000 Arbeitplätze mit Google Software auszustatten. Marktführer im Segment Office-Software ist Microsoft mit rund 80 Prozent Marktanteil weltweit.

Nikesh Aurora, Präsident von Google Enterprises, bekräftigte auf der Veranstaltung vor rund 300 Teilnehmer aus dem Unternehmensbereich aber, dass Google aggressiv in diesem Geschäftskunden- und Cloud-Computingbereich wachsen will. "Das wird eine extrem wichtige Zeit des Umschwungs", so Aurora. "Wir sind hier um zu investieren."

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%