Club Internet
Neuf hat die Nase vorn

Die Deutsche Telekom steht kurz vor dem Verkauf ihrer französischen Internet-Tochter. Die besten Karten, Club Internet zu übernehmen, hat dabei der Telekomanbieter Neuf Cegetel. Branchenkreise bestätigten dem Handelsblatt entsprechende Presseberichte aus Frankreich.

PARIS / DÜSSELDORF. „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, hieß es in Branchenkreisen. Neuf habe mit 430 bis 460 Mill. Euro den besten Preis geboten und damit Wettbewerber Iliad, Mutter des Anbieters Free, aus dem Rennen geschlagen hieß es. Offen ist, ob in dem Gebot die Bargeld-Bestände von Club Internet von rund 100 Mill. Euro enthalten sind. Neuf dementierte indes, dass das Unternehmen Verträge unterzeichnet habe. Die Deutsche Telekom wollte den Verkaufsprozess nicht kommentieren.

Die Börse feierte die Aussicht auf die Übernahme mit einem Kursplus der Neuf-Aktie von rund vier Prozent. Denn dank Club Internet stiege der Anbieter Neuf, der zum großen Teil zu Vivendi gehört, zur Nummer zwei auf Frankreichs DSL-Markt hinter Platzhirsch France Telecom auf.

„Angesichts der Tatsache, dass es kaum noch Übernahmeziele im DSL-Geschäft gibt, scheint der Preis angemessen“, kommentierten die Analysten des Brokers Oddo. Denn offenbar ist Neuf bereit, bei Club Internet 715 bis 770 Euro je Kunde zu zahlen; bei der Übernahme von AOL France im vergangenen Jahr zahlte Neuf nur 550 Euro je Kunde.

Telekom-Chef René Obermann will sich angesichts der Schwierigkeiten der Telekom in Deutschland von Randbeteiligungen trennen und damit kurzfristig mindestens drei Mrd. Euro erzielen. Bei der Vorstellung seiner neuen Strategie Anfang März hatte er bereits Verkäufe angekündigt. Dazu gehören Funktürme in den USA und Deutschland, ein Großteil der Immobilien sowie die dazu gehörigen Verwaltungseinheiten.

Zu den Auslandsbeteiligungen, die die Telekom verkaufen will, zählt neben der französischen Breitbandtochter Club Internet auch die spanische Internet-Tochter Ya.com. In beiden Ländern hat das Internetgeschäft der Telekom hohe Verluste beschert. Der Preiskampf im Internet ist hart und beim überall anstehenden Bau von Netzen der nächsten Generation sind Investitionen in Milliardenhöhe fällig.

Trotz massiver Investitionen in Werbung und das eigene Netz ist es der Telekom mit ihrer französischen Tochter Club Internet nie gelungen, mehr als nur eine Randrolle im Markt zu spielen. Mehrere Möglichkeiten, durch Zukäufe eine kritische Größe zu erreichen, ließen die Bonner verstreichen. Tiscali France ging an Telecom Italia, AOL France wurde von Neuf übernommen, und das französische Festnetzgeschäft von Tele2 ging an die Vivendi-Tochter SFR.

Nun zieht Obermann einen Schlussstrich unter das französische Internet-Engagement und ist dafür bereit, Millionen-Verluste zu realisieren. Denn die Bonner kauften die Internet-Tochter im Jahr 2000 per Aktientausch für 1,4 Mrd. Euro vom Lagardère-Konzern. Anschließend wurde das Geschäft für dreistellige Millionbeträge rekapitalisiert.

Seite 1:

Neuf hat die Nase vorn

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%