Colonia Media kassierte für „Tatort“
WDR sperrt wegen Verdacht auf Schleichwerbung 67 Filme

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat wegen des Verdachts auf Schleichwerbung insgesamt 67 Filme und zwei Serien für Wiederholungen in ARD-Programmen gesperrt. Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) prüft mittlerweile bereits ausgestrahlte Sendungen auf mögliche unerlaubte Botschaften.

HB BERLIN. Bei diesen Werken werde zurück bis zum Jahr 1994 geprüft, ob unzulässige Produktplatzierungen enthalten seien, sagte WDR-Intendant Fritz Pleitgen der „Süddeutschen Zeitung“. Es handele sich um Produktionen der in der Affäre in die Kritik geratenen Firma Colonia Media, einer Tochter der Bavaria Film. Pleitgen sagte, der WDR sei „schwer geschädigt“, weil er Sendungen wie „Tatort“ und andere Filme so lange nicht im dritten Programm oder im Ersten zeigen könne, bis alle Schäden entdeckt und beseitigt seien. Allein bei den Filmen liege ein Programmvermögen von „grob gerechnet 75 Mill. € brach“. Der WDR habe den ehemaligen kaufmännischen Geschäftsführer der Colonia Media, Frank Döhmann, wegen Betrug und Untreue angezeigt.

Laut dem Ergebnis einer Sonderprüfung kassierte Colonia Media für zwei Münsteraner „Tatort“-Krimis Geld für Schleichwerbung. Abgewickelt wurden die Zahlungen über eine Agentur, die zu 80 % dem Colonia-Geschäftsführer Frank Döhmann gehöre, teilte der WDR am Dienstag mit. Der Colonia, einer Tochter der ebenfalls mit Schleichwerbungsvorwürfen konfrontierten Bavaria Film, sei dabei ein Schaden von 109 000 € entstanden.

Laut Pleitgen handelt es sich bei den gesperrten Produktionen um 38 Tatorte aus Köln und Münster, 13 Schimanski-Filme und 16 Fernsehfilme. Hinzu kämen die beiden Serien „Der Fahnder“ mit 200 Folgen und „City-Express“. Wie Pleitgen weiter sagte, haben Unternehmen in zwei WDR-Tatorten im Herbst 2002 offenbar in drei Fällen für je 25 000 € Schleichwerbung platziert, etwa für Weizenbier. Die Schleichwerbung sei aber nicht schon in den Drehbüchern enthalten gewesen, sondern sei bei den Dreharbeiten passiert.

Auch der RBB hat auf die Schlagzeilen reagiert, die andere öffentlich-rechtliche Sender in den verganegnen Wochen gemacht haben, und prüft Sendungen nachträglich. Es habe aber bisher keine Hinweise auf Schleichwerbung oder „product placement“ gebeben, sagte RBB-Sprecher Ulrich Anschütz am Dienstag. Nach Anfragen auf mögliche Verfehlungen in dem am vergangenen Sonntag im Ersten ausgestrahlten „Polizeiruf 110“, sei die Sendung nachträglich geprüft worden. Es sei aber alles korrekt gewesen.

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