Commerzbank verärgert
Springers geplante Übernahme des „Daily Telegraph“ wackelt

Die anti-deutschen Tiraden haben für Richard Desmond, Besitzer des Boulevardblatts „Daily Express“, möglicherweise ein Nachspiel.

lip/tom LONDON/HAMBURG. Nach Informationen aus Bankenkreisen will die Frankfurter Commerzbank prüfen, ob sie die Geschäftsbeziehung mit dem Verleger abbrechen soll. Das Geldhaus hatte Desmond für die Übernahme des „Express“ Darlehen von 140 Mill. Euro eingeräumt. Ein Sprecher der Commerzbank wollte sich hierzu nicht äußern.

Zudem könnte dem britischen Verleger wegen seines verbalen Ausbruches auch eine Verleumdungsklage des Berliner Axel Springer Verlags drohen, heißt es aus dem Umfeld. Eine Sprecherin wollte dies nicht kommentieren.

Im Poker um die zur Hollinger-Gruppe gehörenden „Daily Telegraph“ soll Desmond bei einem Treffen vor Daily Telegraph-Managern anti-deutsche Parolen von sich gegeben haben. Telegraph-Geschäftsführer Jeremy Deedes bestätigte der BBC, Desmond habe auf Deutsch gefragt, ob er sich freue, „von ein paar verdammten Nazis übernommen zu werden“. Desmond habe dann seine Begleiter aufgefordert, „Deutschland, Deutschland über alles“ zu singen. Außerdem sollen auch Kommentare über den Axel Springer Verlag gefallen sein.

Ein Desmond-Sprecher nannte die Berichte hierüber eine „unterhaltsame Interpretation eines sehr produktiven eineinhalbstündigen Treffens.“ Ein Hollinger-Sprecher lehnte jeden Kommentar ab.

Der Springer-Verlag hatte vor kurzem im Rahmen einer Auktion ein Gebot für den „Daily Telegraph“ abgegeben und gilt als aussichtsreicher Käufer. Auch Desmond hatte geboten. Er war aber ausgestiegen, nach dem der geforderte Preis eine Mrd. Euro überschritten hatte.

Beobachter glauben aber nun, dass Springer jetzt kaum noch Chancen hat, bei der Zeitung einzusteigen. Begründet wird dies damit, dass der Käufer des Blattes automatisch zum Geschäftspartner von Desmond wird. Seiner Firma gehört wie Hollinger die Hälfte an der Londoner Druckerei Westferry, die den „Daily Telegraph“ druckt. „Sollte Springer den Zuschlag beim Telegraph bekommen, dürfte es noch interessant werden“, meinte ein Banker in London.

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