Computer
SAP bekommt erstmals einen Betriebsrat

Deutschlands führender Softwarekonzern steht vor einer neuen Zeitrechnung. Die Innovation, die dem erfolgsverwöhnten Dax-Unternehmen ins Haus steht, wird von der Konzernspitze zwar als rückständig angesehen. Die Bildung eines Betriebsrates ist bei SAP jedoch fast nicht mehr zu verhindern.

dpa WALLDORF. Europas größter Softwarekonzern SAP bekommt erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Betriebsrat. Bei einer Mitarbeiterversammlung am Stammsitz in Walldorf bei Heidelberg bestimmten die 3 233 anwesenden Beschäftigten einen Wahlvorstand.

Er soll die Abstimmung über die Arbeitnehmervertretung vorbereiten. Das teilte ein Unternehmenssprecher am Abend mit. Die eigentliche Wahl der Betriebsräte soll voraussichtlich in acht bis zehn Wochen erfolgen. Seit der Gründung des Unternehmens 1972 hatten Vorstand und auch Beschäftigte eine Arbeitnehmervertretung immer wieder abgelehnt.

Zuletzt hatten sich bei einer Betriebsversammlung Anfang März noch rund 91 Prozent der Belegschaft gegen einen Betriebsrat ausgesprochen. Am Donnerstag kürten die Beschäftigten nun in geheimer Abstimmung einen Wahlvorstand, der aus neun Mitarbeitern besteht. Für sie votierten jeweils zwischen 65 und 82 Prozent der Beschäftigten, wie ein Sprecher der IG Metall nach der dreieinhalb Stunden dauernden Versammlung berichtete. Erforderlich für die Einsetzung eines Wahlvorstands ist die einfache Mehrheit der Anwesenden.

Vier der neun Wahlvorstände sind Arbeitnehmervertreter im 16-köpfigen Aufsichtsrat. Bisher hatten acht Arbeitnehmervertreter in dem Gremium zugleich auch die Interessen der Belegschaft gegenüber der Geschäftsleitung vertreten. „Es ist gut, dass wir jetzt das Mandat an die Belegschaft geben, um einen Betriebsrat ihres Vertrauens zu wählen“, sagte der Gewerkschaftssprecher.

Insgesamt hatten 17 Beschäftigte kandidiert. Drei Kandidaten, von denen die Initiative zur Gründung eines Betriebsrats ausgegangen war, wurden nicht gewählt. Trotz der Ablehnung ihrer Kollegen Anfang März hatten die drei Beschäftigten, die zugleich Mitglied der IG Metall sind, zunächst beim Mannheimer Arbeitsgericht geklagt, um einen Betriebsrat durchzusetzen. In einer überraschenden Wende hatte der Unternehmensvorstand seinen Widerstand aufgegeben; die Arbeitnehmervertreter nahmen die Betriebsratswahl für die rund 9 000 Mitarbeiter an den Standorten in Walldorf und dem benachbarten St. Leon-Rot selbst in die Hand.

Im Vorfeld der ersten Abstimmung hatte der SAP-Mitgründer und langjährige Vorstandschef Dietmar Hopp starke Vorbehalte gegen den Einfluss einer Gewerkschaft in dem Unternehmen geäußert. Die IG Metall und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di versuchen seit langem, einen Fuß in den Konzern zu bekommen. Das Softwarehaus hat in Deutschland rund 14 000 Beschäftigte, weltweit sind es knapp 35 900 Mitarbeiter.

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