Computerbranche: Apple strahlt auch in tiefster Finsternis

Computerbranche
Apple strahlt auch in tiefster Finsternis

Die Wirtschaftskrise ist längst im Silicon Valley angekommen, aber an einem Unternehmen geht die Rezession spurlos vorüber: Der Computerhersteller Apple hat erneut Rekordzahlen vorgelegt – dabei hatten Experten fest mit einem Einbruch gerechnet. Aber düstere Vorhersagen lassen Apple kalt. Die Karawane zieht unbeeindruckt von der Krise weiter.

CUPERTINO. Im Gegensatz zu den meisten Unternehmen der IT-Branche – zum Beispiel Intel oder Nvidia - zeigt sich Apple von der Rezession unbeeindruckt und verkündet fürs vergangene Quartal weitere Rekordzahlen: einen Netto-Gewinn von 1,58 Milliarden US-Dollar bzw. 1,78 US-Dollar pro Aktie. Analysten hatten im Schnitt einen Wert um lediglich 1,40 Dollar vorausgesagt. Im Vorjahresquartal wurde ein Umsatz von 9,6 Milliarden US-Dollar bzw. ein Netto-Gewinn von 1,58 Milliarden US-Dollar oder 1,76 US-Dollar pro Aktie erzielt. Die Bruttogewinnspanne lag mit 34,7 Prozent auf dem selben Niveau wie im Vorjahresquartal. Apples positive Bilanz verblüfft viele Analysten, die wegen der vergleichsweise hohen Preise der Apple-Produkte in Zeiten der Rezession Einbrüche bei den Verkaufszahlen erwartet haben.

Apple hat dagegen allen Einschätzungen trotzend im zurückliegenden Quartal über 2.5 Millionen seiner Macintosh-Computer verkauft und damit eine Absatz-Steigerung von neun Prozent zum vergleichbaren Vorjahresquartal erreicht. Im zurückliegenden Quartal sind außerdem über 22.7 Millionen iPods von Apple über die Ladentische gegangen. Im vierten Quartal hat das Unternehmen zudem mehr als 4.3 Millionen iPhones verkauft.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass die falschen Einschätzungen der Analysten im wesentlichen aus dem stark unterschätzten Zuwachs des Unternehmens in allen Sparten außerhalb der USA zurückzuführen ist. Wie das Unternehmen gestern mitteilte beträgt der Nicht-US-Umsatz mittlerweile 46 Prozent.

Nach Handelsschluss an den US-Börsen berichtete das Unternehmen am Mittwoch von einem Überschuss von 1,61 Mrd. Dollar. Nachbörslich zogen die Aktien sogleich um rund zehn Prozent an - nachdem sie den regulären Handel bereits mit einem Aufschlag von 5,8 Prozent beendet hatten.

"Vor dem Hintergrund der sehr herausfordernden wirtschaftlichen Zeiten sind wir äußerst erfreut über unser bestes Quartalsergebnis in der Firmengeschichte von Apple. Erstmals haben wir die 10 Milliarden-Grenze beim Quartalsumsatz überschritten", ließ Steve Jobs, der CEO von Apple verlautbaren. Gerade Jobs komplizierter Gesundheitszustand hatte in letzter Zeit nicht nur die Börsenwerte des Unternehmens gedrückt, sondern bei vielen Analysten eher skeptische Einfärbungen der Prognosen bewirkt.

"Unsere hervorragenden Ergebnisse haben den Cashbestand um zusätzliche 3,6 Milliarden US-Dollar im letzten Quartal erbracht", teilte gestern ergänzend Peter Oppenheimer, Finanzchef von Apple, mit. Für das laufende zweiten Quartal des Finanzjahres erwartet der US-Konzern, der traditionell eher vorsichtige Prognosen abgibt, einen Gewinn von 90 Cent bis 1 US-Dollar pro Aktie, und einen Umsatz von 7,6 bis 8 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten mit 1,3 Dollar pro Aktie, und einem Umsatz von 8,2 Milliarden US-Dollar, mehr erwartet.

Noch vor Bekanntgabe der neuesten Zahlen hatte die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg und das Wall Street Journal gleichlautend berichtet, die US-Börsenaufsicht SEC habe eine Untersuchung gegen den Computerhersteller eingeleitet. Es gelte - allerdings ohne vorliegenden konkreten Anfangsverdacht - zu überprüfen, ob der Konzern Investoren bewusst falsch über den Gesundheitszustand von Apple-Chef Steve Jobs informiert hat. Weder die Börsenaufsicht noch der Konzern wollten das kommentieren.

Wie mittlerweile bei Apple-Pressekonferenzen üblich, stand auch die Frage um die Gesundheit des Apple-CEOs Steve Jobs erneut im Mittelpunkt des Interesses. Auf die Frage, wer in einem "worst case scenario" einer schweren Erkrankung von Jobs dessen Nachfolger sein könnte, antwortete Tim Cook, Interims-Chef bei Apple bis zu Jobs Rückkehr im Juni und ein möglicher Nachfolger: "Unser Führungspersonal weist eine große Breite und Tiefe auf. Das lenkt über 35000 Mitarbeiter, die ich alle als 'verdammt intelligent' bezeichnen würde. Und zwar in allen Sparten des Unternehmens, in der Technik, im Marketing und im Verkauf.“ Nicht die Nachfolge von Jobs, so Cooks Rede, stehe im Mittelpunkt von Apple, sondern das Bemühen um Innovation. „Das wird sich nicht ändern.“

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