Computerbranche
Apples kleines, feines Chipgeschäft

Apple ist auf Einkaufstour - und legt sich Knowhow in der Chipentwicklung zu. Nachdem der Computerhersteller erst ein kleines Spezialunternehmen kaufte, holt Apple einen Chipspezialisten nach dem anderen an Bord. Für Experten liegt auf der Hand: Das hat vor allem mit dem iPhone zu tun.

DÜSSELDORF. Erst übernahm Apple den Chipentwickler PA Semi. Das war im April 2008. Dann folgte der lautstarke Wechsel des Chipdesigners Mark Papermaster von IBM zum kalifornischen Computerhersteller nach Cupertino. Das war im November 2008. Und nun sind mit Bob Drebin und Raja Koduri ein amtierender und ein ehemaliger Technikvorstand des US-Chipherstellers AMD bei Apple an Bord gegangen. Das war diese Woche, wie ein Sprecher von Apple dem "Wall Street Journal" bestätigte. Zufall? Natürlich nicht.

Heimlich, still und leise hat Apple binnen eines Jahres ein renommiertes Computerchipteam zusammengestellt – man könnte auch sagen: Apple hat sich Chip-Knowhow eingekauft. Und das hat nach Meinung von Experten vor allem mit dem strategisch wichtigsten Produkt von Apple zu tun: dem iPhone. Das Smartphone hat sich binnen zwei Jahren 20 Mio. Mal verkauft. Lag der Weltmarktanteil 2007 laut dem Marktforschungsinstitut Gartner noch bei mickrigen 2,7 Prozent, ist er ein Jahr später bereits auf 8,2 Prozent hochgeschnellt. Schön für Apple, wenn diese Erfolgsgeschichte so weitergehen könnte. Nur: Die Konkurrenz holt auch auf. Blackberry-Produzent RIM hat seinen Marktanteil weltweit von 9,6 Prozent im Jahr 2007 auf 16,6 Prozent im vergangenen Jahr gesteigert.

Und mit HTC oder Samsung stehen mit Google-Smartphones potente Konkurrenten bereit, die dem iPhone zu schaffen machen werden. Das vor allem auch deshalb, weil die Chip-Technologien für Handys und Smartphones selten exklusiv bleiben – und schnell die Runde machen. Konsequenz: Einen technologischen Entwicklungsvorsprung kann kaum ein Unternehmen lange halten, geschweige denn herausarbeiten.

Wenn Apple nun aber die Chips fürs iPhone selbst entwickelt, dann hält der Computerhersteller den Schlüssel für die Technik in der Hand. Kopieren wird dann zumindest schwieriger. Mal ganz abgesehen davon, dass Apple mit einer Kombination aus eigener Software und eigenen Chips gegenüber der Konkurrenz technisch eigene, vielleicht entscheidende Akzente setzen könnte, wie etwa Larry Dignan, Chefredakteur des IT-Portals „Zdnet“, schreibt.

Und was das alles sein könnte, dazu gibt es in der Branche bereits einige konkrete Überlegungen. Erstes Beispiel: Strom sparende Computerchips, die dem iPhone etwa eine von vielen Anwendern sehnlichst erwünschte längere Akkulaufzeit bescheren könnten. Zweites Beispiel: Für Video-, Grafik- und Audiofunktionen optimierte Computerchips, mit denen sich etwa besonders leistungsfähige Media-Player konstruieren ließen – und die Apple, laut einem Bericht des US-Wirtschaftsmagazins „Business Week“, bereits in Planung haben soll.

Die pure Freude über den neuen, mutmaßlichen Apple-Plan bricht in vielen IT-Blogs nun aber nicht aus. Denn indem Apple neben einem eigenen Betriebssystem nun auch noch eine eigene Prozessorarchitektur aufbaut, kapselt sich der Computerhersteller technisch noch mehr vom Rest der Branche ab. „Apple wird immer mehr wie Microsoft“, schreibt etwa James auf „Crunchgear“, „indem es versucht, abgeschlossene Technologie-Standards zu setzen“.

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