Computerbranche
Qimonda will bald Partner präsentieren

Der schwer angeschlagene Speicherchip-Hersteller Qimonda will bald einen finanzstarken Partner präsentieren und sich damit vor dem drohenden Aus retten – und warnt vor Liquiditätsengpässen im ersten Quartal 2009, sollten alle Stricke reißen. Während Qimonda die Quartalszahlen erst Mitte Dezember bekannt geben will, hält Konzernmutter Infineon an seinen Planungen fest.

HB MÜNCHEN. Das Unternehmen verzeichne „Fortschritte bei seinen Gesprächen mit verschiedenen potenziellen strategischen Investoren und Finanzinvestoren“, teilte die Infineon-Tochter am in München mit. „Die Unternehmensleitung geht davon aus, dass sich eine dieser Möglichkeiten soweit konkretisieren könnte, dass sie in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden kann“. Sollte dies nicht gelingen und auch von anderswo keine Hilfe kommen, könnte Qimonda nach eigener Einschätzung bis März in die Insolvenz rutschen. Die Infineon-Aktie verbilligte sich am Vormittag um knapp zwei Prozent.

Qimonda schreibt seit mehreren Quartalen tiefrote Zahlen, sind doch die Preise für Speicherchips wegen eines Überangebots im Keller. Infineon will sich angesichts der dramatischen Lage schon lange von der Tochter trennen, hat bisher aber keinen Käufer gefunden. Infineon-Chef Peter Bauer hatte Ende Oktober von zwei bis vier Interessenten gesprochen und zuletzt berichtet, es gebe „gute Chancen, die Verhandlungen abzuschließen“. Eine Finanzspritze schloss Bauer angesichts eigener Probleme vehement aus. Infineon hält noch 77,5 Prozent an Qimonda, will diesen Anteil bis zum Frühjahr aber notfalls durch Verschenken an die Aktionäre auf unter 50 Prozent senken.

Auch im Ende September abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal hat Qimonda wieder hohe Verluste angehäuft und zwar über die 401 Millionen Euro des Vorquartals hinaus, wie das Unternehmen wissen ließ. Grund für die Verschlechterung war demnach aber nicht das operative Geschäft, sondern der Buchverlust aus dem Verkauf des Drittelanteils am Wettbewerber Inotera, Kosten für den laufenden Stellenabbau sowie die Teilschließung des US-Werks in Richemond. Der Umsatz stieg dagegen nach vorläufigen Zahlen wegen der Umstellung auf eine neue Speicherchip-Technologie um fast ein Viertel auf 476 Millionen Euro.

Die endgültige Bilanz will Qimonda angesichts der laufenden Gespräche über eine Partnerschaft erst Mitte Dezember präsentieren. Infineon hält dagegen nach Angaben eines Sprechers an der eigenen Zahlenvorlage am Mittwoch fest. Welche Daten dann genau preisgegeben werden, konnte er aber nicht sagen. Neben dem Verlust der Tochter dürfte eine abermalige Abwertung der Qimonda-Aktien Infineon kräftig belasten. In den Büchern steht das einzelne Papier nach letzten Stand noch bei 2,80 Dollar, der Börsenkurs liegt bei gerade noch bei 0,19 Dollar.

Konzernmutter Infineon hält auch nach der Verschiebung der Bilanz durch seine Speicherchip-Tochter Qimonda an der eigenen Zeitplanung fest. „Wir werden auf jeden Fall am Mittwoch unsere Zahlen vorlegen“, sagte ein Sprecher. Qimonda hatte zuvor bekanntgegeben, erst Mitte Dezember über das abgelaufene vierte Geschäftsquartal und das Gesamtjahr berichten zu wollen, weil derzeit Gespräche mit möglichen Partnern liefen. „Die für uns entscheidenden Zahlen für Qimonda liegen vor“, sagte der Infineon-Sprecher.

Qimonda versucht, sich mit dem Abbau von 3.000 seiner 13.000 Arbeitsplätze finanziell Luft zu verschaffen. Zudem konzentriert sich Unternehmen auf die margenträchtigeren Speicherchips für Grafikanwendungen. „Unser Plan zur Neupositionierung kommt gut voran und wir haben eine grundsätzliche Einigung mit den Arbeitnehmervertretern hier in Deutschland erzielt“, sagte Unternehmenschef Kin Wah Loh.

Parallel mühen sich Qimonda und Infineon beim Staat um Hilfe. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa geht es um eine Bürgschaft von 500 Millionen Euro. Das Land Sachsen - in Dresden liegt das Vorzeigewerk - hat bereits seinen Beistand angekündigt, ohne allerdings konkret zu werden.

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