Computerbranche
Sachsen steht fest zu Qimonda

Der Freistaat Sachsen ist fest entschlossen, den schwer angeschlagenen Halbleiterhersteller Qimonda vor dem Untergang zu retten. Denn ginge Qimonda pleite, wäre dies der Anfang vom Ende des mit Milliardensubventionen hochgepäppelten „Silicon Saxony“.

DRESDEN/MÜNCHEN. Für den Wirtschaftsminister des Landes Sachsen, Thomas Jurk (SPD), gibt es keine Alternative zu staatlicher Hilfe für den defizitären Chiphersteller Qimonda. Schließlich sei Dresden „der letzte europäische Standort für Mikroelektronik“, betonte der Minister im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die IG Metall begrüßt die staatliche Unterstützung für den hoch defizitären Chipproduzenten Qimonda. Sollten Qimonda und deren Mutter Infineon aus der Region Dresden verschwinden, könnte das zahlreiche mittelständische Zulieferer mit in den Abgrund reißen, befürchtet die Gewerkschaft. „Ich sehe da eine große Gefahr“, sagte deren erster Bevollmächtigter Willi Eisele. Dritter großer Chipanbieter in der sächsischen Landeshauptstadt ist AMD.

Eisele wirft den Qimonda-Managern allerdings vor, ihre „Hausaufgaben nicht gemacht zu haben“, und fordert, dass der Staat im Falle einer Subvention ein „Mitspracherecht“ bekommen müsse. „Die Halbleiter-Industrie in Sachsen kann eine Zukunft haben, aber es muss sich im Management etwas ändern“, forderte Eisele.

Qimonda schreibt seit über einem Jahr tiefrote Zahlen. Heute Abend nach Börsenschluss in New York legt das Münchener Unternehmen Quartalszahlen vor. Analysten von Unicredit erwarten, dass die liquiden Mittel des Konzerns im dritten Quartal von 630 Mio. Euro auf 347 Mio. Euro geschrumpft sind. Im laufenden Quartal kamen zwar knapp 300 Mio. Euro aus dem Verkauf von Anteilen einer Chipfabrik in Taiwan in die Kasse. Doch dieses Geld reicht nicht lange angesichts der hohen Verluste. Experten gehen davon aus, dass das Minus im vergangenen Quartal bei rund 400 Mio. Euro lag. Das Geschäftsjahr, das am 30. September endete, dürfte Qimonda mit einem Defizit von 1,9 Mrd. Euro beendet haben.

Infineon hält noch immer 77,5 Prozent der Anteile an seiner ehemaligen Speicherchipsparte. Allerdings kämpft der Konzern selbst mit Problemen. Infineon-Chef Peter Bauer hat deshalb mehrfach betont, kein Geld für Qimonda bereitzustellen. Um dennoch zu helfen, hat Bauer vergangenen Mittwoch mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) über staatliche Hilfen gesprochen. Die Qimonda-Manager haben die sächsische Staatsregierung gebeten, bis Ende des Jahres eine Lösung zu finden. 500 Mio. Euro, so wird kolportiert, wolle das Unternehmen als Bürgschaft, um eine neue Chiptechnologie zu finanzieren und damit durchzustarten.

Doch bei einer Rettung durch den Steuerzahler hätte auch die EU-Kommission ein gewichtiges Wort mitzureden. Jurk hat mehrfach erklärt, dass ihm das europäische Beihilferecht enge Grenzen bei der Unterstützung setze. Subventionen brauchen das Plazet aus Brüssel.

Zwar könnte die Bundesregierung, die für den Ablauf zuständig wäre, eine Rettungsbeihilfe bei Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes anmelden. Diese würde auch rasch genehmigt. Innerhalb von sechs Monaten jedoch müsste Berlin einen hieb- und stichfesten Restrukturierungsplan für Qimonda vorlegen, der dann der strengen Prüfung von Kroes standhalten müsste. Anderenfalls würden die Rückzahlung geflossener Gelder drohen und das endgültige Aus.

Alternativ könnte ein solcher Umstrukturierungsplan auch gleich vorgelegt werden, allerdings kann dann eine EU-Genehmigung bis zu 18 Monate dauern – eine Ewigkeit in der Branche und erst recht für ein finanziell darbendes Unternehmen wie Qimonda. Jurk hofft deshalb, dass „die EU aufgeschlossen ist“.

An die EU-Kommission appelliert er, bei einer Beihilfeprüfung nicht die allerhärtesten Maßstäbe anzusetzen: „Es gibt keine Wettbewerber in Europa, die dadurch geschädigt werden könnten.“ Schließlich gehe es um die „Grundfrage, ob Europa bei der Mikroelektronik mit dabei sein will oder die Branche abgeschrieben wird“, erklärt er.

Qimonda leidet unter extrem niedrigen Preisen seines Hauptprodukts, der sogenannten Dram-Chips. Die niedrigen Preise sind die Folge einer gigantischen Überproduktion, die zumindest teilweise durch staatliche Subventionen angefacht wurde. Außer Marktführer Samsung verdient in dem etwa 30 Mrd. Dollar schweren Markt kein Anbieter Geld.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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