Computerbranche: SAP verliert an Boden

Computerbranche
SAP verliert an Boden

Die Wirtschaftskrise ist voll in der Computerbranche angekommen - auch bei SAP. Die Marktanteile von Deutschlands größtem Softwarehersteller sinken. Der Konzern reagiert trotz eines Milliardengewinns mit Stellenstreichungen. Die Aktionäre dagegen können sich freuen: Sie sollen auch in diesem Jahr eine Dividende bekommen.

HB FRANKFURT/WALLDORF. Die Marktanteilsverluste haben sich beim Software-Konzern SAP im Schlussquartal 2008 beschleunigt. SAP habe im vierten Quartal 0,9 Prozentpunkte Marktanteil bei Unternehmens-Software verloren, sagte der scheidende Co-Vorstandschef Henning Kagermann am Mittwoch. Im dritten Quartal war der viele Jahre stetig gekletterte Marktanteil erstmals um 0,3 Prozentpunkte abgesackt. Ende 2008 entfiel mit 32,8 Prozent knapp ein Drittel des weltweiten Markts für Unternehmens-Software auf den Walldorfer Konzern.

Dennoch will SAP 2009 eine Dividende zahlen. Die Ausschüttungsquote werde weiterhin bei 30 Prozent liegen, sagte Finanzvorstand Werner Brandt. In diesem Jahr will das im Dax notierte Unternehmen aber keine eigenen Aktien mehr zurückkaufen. Bereits im vierten Quartal hatten die Walldorfer ein striktes Sparprogramm begonnen und auf Rückkäufe verzichtet. In den ersten drei Quartals hatte SAP eigene Aktien im Wert von 486,8 Millionen Euro zurückgekauft und hält nun insgesamt 38,5 Millionen Papiere.

Mit dem ersten Stellenabbau seit dem Börsengang 1988 will SAP auf die jüngste Absatzkrise reagieren. Das Walldorfer Unternehmen teilte mit, trotz eines Milliardengewinns 2008 solle die Stellenzahl weltweit bis Jahresende auf 48 500 von zuletzt 51 800 sinken. In Deutschland seien maximal 4 Prozent der Stellen betroffen, das wären etwa 620 Arbeitsplätze. Durch die Nichtbesetzung freiwerdender Stellen ergäben sich ab 2010 Einsparungen von 300 bis 350 Millionen Euro. Auch der US-Konkurrent Oracle hatte zuletzt einen Stellenabbau verkündet.

"SAP erwartet, dass die Marktbedingungen im Jahr 2009 schwierig bleiben", stellte der Vorstand in Aussicht. Bei dem 1972 gegründeten Konzern wird daher auch 2009 weiter der Rotstift regieren. Alle variablen Kosten stünden wegen des schwachen Marktumfelds auf dem Prüfstand, erklärte das Management. Seit der Zuspitzung der Finanzkrise im Herbst laufen die Geschäfte von SAP, die Firmen mit Software für die Unternehmenssteuerung versorgen, nur noch verhalten.

Eine detaillierte Prognose für die wichtigen Erlöse aus dem Verkauf von Software-Lizenzen und-Wartung im laufenden Jahr wollte SAP wegen der unsicheren Geschäftslage nicht abgeben. Die für die künftigen Erträge wichtigen Erlöse könnten 2009 ohne Berücksichtigung von Sondereffekten aus dem Zukauf des Softwareanbieters Business Objects um bis zu ein Prozent unter den Wert des Jahres 2008 in Höhe von 8,623 Milliarden Euro sinken, stellte das Unternehmen in Aussicht.

Bei der um Sondereffekte bereinigten operativen Marge rechnet SAP 2009 mit einem Rückgang auf 24,5 bis 25,5 Prozent von 28,4 Prozent im Jahr 2008. Darin schlügen sich unter anderem die Kosten für den Stellenabbau um bis 200 bis 300 Millionen Euro nieder. Im abgelaufenen Jahr hatte SAP noch einen Anstieg der um Sondereffekte wie Währungseinflüsse und akquisitionsbedingte Abschreibungen bereinigten operativen Marge um 1,1 Prozentpunkte erreicht.

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