Computerbranche
Sun will massiv Stellen abbauen

Die Hiobsbotschaften im Silicon Valley reißen nicht ab. Am Wochenende kündigte ein einstiger Star der Tech-Branche, Sun Microsystems, einen Stellenabbau an: 5000 bis 6000 der insgesamt 33 000 Stellen sollen wegfallen, das sind bis zu 18 Prozent der Belegschaft.

SAN FRANCISCO. Jetzt werden sie fällig, die bis dato tunlichst vermiedenen Vergleiche mit dem Platzen der IT-Blase in den Jahren 2000 und 2001. Sun ist die letzte einer ganzen Reihe von Tech-Firmen, die in den vergangenen Wochen Kündigungen aussprachen. Dazu gehören unter anderem Applied Materials, National Semiconductor, Hewlett-Packard, Yahoo, Ebay, Intel und Cisco.

Der Schritt, zu dem sich Sun nun durchgerungen hat, war von Investoren und Analysten seit langem gefordert worden, das Unternehmen hat allein für das letzte Quartal Sun ein Minus von knapp 1,7 Mrd. Dollar gemeldet. Mittlerweile sind Verluste für Sun notorisch. Seit 2000 ist der Aktienkurs um 98 Prozent gesunken, allein 2008 um 77 Prozent.

Nach dem Platzen der Internet-Blase musste das einstige Vorzeigeunternehmen, das mit Open-Source-Software arbeitet, fünf gewinnlose Jahre durchstehen und ist nach einem Zwei-Jahreshoch bis 2007 wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Damit ist Sun doppelt so tief abgestürzt wie der Nasdaq-Index insgesamt. Mittlerweile liegt der Marktwert, der vor Jahren mit 120 Mrd. Dollar den Höhepunkt hatte, bei gerade noch 3,04 Mrd. Dollar – dabei hat das Unternehmen Barmittel und Wertpapiere in Höhe von 3,1 Mrd. Dollar zur Verfügung.

Die aktuelle Finanzkrise der Wall Street hat Sun mehr als alle anderen Unternehmen im Silicon Valley getroffen. Der Konzern erwirtschaftet rund einen Viertel seines Umsatzes mit dem Verkauf von hochwertigen und teuren Servern und Prozessoren direkt an die Finanzinstitute an der Wall Street. Während Sun im vergangenen Jahr noch einen Erlös von knapp 24 Mrd. Dollar verbuchen konnte, büßte das Unternehmen allein im letzten Quartal 20 Prozent seiner Verkäufe an Bank- und Investmenthäuser an der Ostküste ein. Nach Einschätzung von Sun-Chef Jonathan Schwartz erhalten die Kunden an der Wall Street nur noch mühsam oder kaum Kredite für die Anschaffung der teuren Server.

Mit dem massiven Stellenabbau glaubt Sun, in den nächsten Jahren jährlich 700 bis 800 Mio. Dollar einsparen zu können. Die mit den Kündigungen und der Umstrukturierung des Unternehmens verbundenen Kosten werden sich in den nächsten Jahren auf rund 600 Mio. Dollar belaufen.

Dennoch sehen Analysten die Zukunft des angeschlagenen Unternehmens als längst nicht gesichert an. Zwar versucht Sun, eine Umstrukturierung in Richtung preiswerterer Microprozessoren und Server umzusetzen, die die Käufer längst bevorzugen. Doch der anhaltende Wertverlust an der Börse kommt einer Einladung zur Übernahme gleich. Neuesten Mutmaßungen im Silicon Valley zufolge hat Fuji, das bereits in einigen Joint Ventures mit Sun zusammen arbeitet, Interesse an Sun signalisiert.

Analysten wie Jonathan Eunice vom Marktforscher Illuminata weisen nun mit Nachdruck hin auf ein anderes Problem von Sun und vergleichbaren Unternehmen: Sun sei gezwungen zu entscheiden, ob man jetzt überhaupt noch in der Lage ist, eigene Microprozessoren, Workstations, Software und Speichersysteme herzustellen, die sich gegen die große Konkurrenz wesentlich stärkerer Unternehmen wie Hewlett-Packard und IBM durchsetzen können.

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