Computerhersteller Bieterschlacht setzt Dell-Gründer unter Druck

Michael Dell, Gründer und CEO des Computerherstellers, bekommt schlagkräftige Konkurrenz. Dell wollte das Unternehmen zurückkaufen und von der Börse nehmen – doch zwei Investoren wollen seine Offerte überbieten.
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Michael Dell muss um seine Pläne für den Computerhersteller bangen. Quelle: ap

Michael Dell muss um seine Pläne für den Computerhersteller bangen.

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New YorkMichael Dell hatte sich das alles so schön ausgedacht: Sein Lebenswerk, den angeschlagenen gleichnamigen Computergiganten, will der Gründer zurückkaufen und frei vom Druck der Börse in aller Ruhe neu aufstellen. Doch schon bevor er überhaupt loslegen konnte, ist es mit der Ruhe vorbei.

Denn um Dell ist eine Bieterschlacht ausgebrochen: Zwei mächtige Finanzinvestoren kommen dem Gründer unerwartet in die Quere. Wie der Konzern am Montag bestätigte, haben Blackstone sowie der Milliardär Carl Icahn Interesse angemeldet. Beide Offerten könnten Michael Dells Vorschläge am Ende ausstechen, teilte das Unternehmen am Sitz im kalifornischen Round Rock mit (Die Gebote sehen Sie hier.)

Allein der Preis, den die beiden Konkurrenten bieten, dürfte den Aktionären schmecken: Blackstone stellt mehr als 14,25 Dollar je Aktie in Aussicht, Icahn sogar 15 Dollar. Dell, der 14 Prozent Unternehmen hält, hatte nur 13,56 Dollar geboten. Dies ergibt einen Gesamtwert des Deals von 24,4 Milliarden Dollar – immerhin der größte Firmenrückkauf seit der Finanzkrise. CEO Dell will den Kauf mit Hilfe des Software-Herstellers Microsoft und des Finanzinvestors Silver Lake stemmen.

Ein Sonderausschuss bei Dell prüft nun alle drei Angebote. Man freue sich, dass der Verkaufsprozess zwei neue Angebote hervorgebracht habe, „die für die Aktionäre zusätzlichen Wert bringen könnten“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Alex Mandl, laut der Mitteilung. „Wir werden gewissenhaft mit allen drei möglichen Käufern zusammenarbeiten“. Die Aktie lag am Montag im vorbörslichen Handel mehr als drei Prozent im Plus.

Michael Dell hat jetzt Gelegenheit, auf die Konkurrenz zu reagieren. Wie das Unternehmen mitteilte, sei er grundsätzlich bereit, sein Angebot noch einmal zu überarbeiten. Experten halten das für wahrscheinlich. „Michael will hier eine Rolle spielen“, sagte Jayson Noland, Analyst bei Robert W. Baird, dem Finanznachrichtendienst Bloomberg. „Das ist sein Unternehmen, es ist sein Leben, sein Name steht an der Tür und er Teil des neuen Kapitels sein“.

Mit dem Rückkauf will der 47-jährige Dell sein Lebenswerk retten, so wie Steve Jobs einst zu Apple zurückkehrte. Vor fast 30 Jahren hatte er die Firma als „PCs Limited“ gründet. Das Konzept: Kunden konfigurieren sich ihren Computer selbst und bekommen ihn fertig liefert – und zwar deutlich billiger als bei der Konkurrenz. Es folgte ein rasantes Wachstum, Anfang der 2000er Jahre war Dell der größte Anbieter von Computersystemen, größer als Hewlett-Packard und IBM. Im Jahr 2004 trat Dell als CEO zurück, wurde Aufsichtsratschef widmet sich seiner gemeinnützigen Stiftung.

Rückschläge für Dell

Doch der Erfolg hielt nicht mehr lange an: Dell verschlief den Aufstieg von Tablets und Smartphones, die Konkurrenten HP und Lenovo zogen vorbei. Bis heute verliert der Konzern Marktanteile: Im vergangenen Quartal sank Dells Anteil dem Weltmarkt laut der Marktforschungsfirma Gartner von 12,2 auf 10,2 Prozent. Die Zahl der ausgelieferten Computer ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 10,6 auf 9,2 Millionen Stück zurück. Der Aktienkurs fiel allein in den vergangenen sieben Jahren um fast 70 Prozent. 2007 kehrte Michael Dell wieder auf die Führungsposition des CEO zurück.

Um wieder wachsen zu können, will Dell in Zukunft nun den Servicebereich stärken, ähnlich wie es IBM getan hatte. Der Konzern verkaufte das Computergeschäft an Lenovo und wandelte sich zum IT-Dienstleistungsriesen. „Ich bin der Überzeugung, dass durch diese Transaktion ein neues, aufregendes Kapitel für Dell, unsere Kunden und Teammitglieder beginnen wird“, hatte Michael Dell bei der Ankündigung seiner Pläne gesagt.

Doch sein Vorhaben geriet bald unter Beschuss einflussreicher Großaktionäre wie Southeastern Asset Management und T. Rowe Price. Sie halten das Angebot für zu niedrig und haben andere Aktionäre aufgefordert, dagegen zu stimmen.

Die Investoren Blackstone und Icahn wollen nun einen Teil der Dell-Aktien an der Börse lassen. Insidern zufolge aber will Blackstone nicht nur die Macht bei Dell übernehmen, sondern auch den Oracle-Präsidenten Mark Hurd an der Stelle von Michael Dell als neuen Chef einsetzen.

Hurd war 2010 als HP-Chef zurückgetreten und gilt derzeit als potenzieller Nachfolger von Larry Ellison, dem Chef des Software-Giganten Oracle. Eine mit der Situation vertraute Person sagte allerdings, Hurd habe keine Absicht, Oracle zu verlassen.

Mit Material von dpa und Reuters.

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