Computerhersteller
Dell darf Dell kaufen

In einem Studentenwohnheim hat er seine Firma einst gegründet, nun kauft Michael Dell sein Lebenswerk wieder komplett zurück. Er will den Computerbauer von der Börse nehmen und in Ruhe sanieren.
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AustinFirmengründer Michael Dell kann den kriselnden PC-Hersteller für rund 25 Milliarden Dollar übernehmen. Die Aktionäre nahmen - auf Basis vorläufiger Daten - die umstrittene Offerte von Dell am Donnerstag in Austin an. Der 48-Jährige kann damit schon bald sein Lebenswerk von der Börse nehmen und ohne Störfeuer anderer Investoren in Ruhe sanieren. Die Transaktion ist eine der größten Übernahmen des Jahres. Auch ein Sondergremium im Unternehmen, das die Pläne Dells unabhängig prüfen sollte, stimmte dem Vorhaben zu. Damit endet eine monatelange Hängepartie. Dell-Aktien legten an der New Yorker Börse leicht zu und kosteten 13,87 Dollar.

Dell wird das Unternehmen mit Hilfe des Finanzinvestors Silver Lake kaufen. Beide hatten sich lange gegen eine Aufstockung der ursprünglichen Offerte gesträubt, dann aber doch nachgelegt. Zuletzt stand das Angebot bei 13,75 Dollar je Aktie plus eine Sonder-Dividende von 13 Cent pro Anteilsschein.

Das Votum war mehrfach verschoben worden, weil es viel Widerstand gegen die Pläne gab. Nachdem Dell aber seine Offerte aufstockte und sich zuletzt mit dem einflussreichen Investor Carl Icahn der härteste Kontrahent zurückzog, war der Weg frei. Auch die Miteigentümer Southeastern Asset Management und T. Rowe Price hatten sich lange kritisch geäußert. Vielen war der gebotene Preis schlicht zu niedrig.

Dem Konzern Dell setzt zu, dass der Markt für klassische Computer stark schrumpft. Den Trend zu Tablet-PCs - angestoßen durch den Erfolg von Apples iPad - hat Dell verpasst. Trotz teurer Akquisitionen ist Dell noch immer stark vom Verkauf herkömmlicher PCs abhängig. Zuletzt war der Quartalsgewinn um fast drei Viertel eingebrochen, weil das Unternehmen seine Produkte nur noch mit hohen Rabatten absetzen kann.

Nun soll das 1984 mit 1000 Dollar von Dell in einem Studentenwohnheim gegründete Unternehmen nach dem Vorbild von IBM umgebaut werden. Die Ausrichtung soll künftig stärker auf dem Service-Geschäft für Unternehmenskunden liegen. Der komplizierte Umbau kann laut Michael Dell am besten gelingen, wenn es keinen Druck durch Quartalsberichte gibt, wie sie an der Börse üblich sind.

Weil der PC-Markt auch 2013 und 2014 kleiner werden dürfte, gibt es vielen Experten zufolge keine Alternative zu einer umfassenden Restrukturierung. Allerdings fürchten manche Analysten, dass sie für Dell zu spät kommt. Denn der Service-Bereich für Unternehmen ist bereits von IBM und Hewlett-Packard besetzt.

Wie schon zuvor stieß das Angebot von Michael Dell bei der außerordentlichen Hauptversammlung des Konzerns auf sehr unterschiedliche Reaktionen. „Ich habe dieses Mal dafür gestimmt, weil ich keine Zukunft für Dell als börsennotiertes Unternehmen sehe“, sagte Asoka Kodali, ein Aktionär aus Austin. Vince Dungan aus dem texanischen Elgin stimmte indes gegen den Deal. Wie viele andere Aktionäre werde auch er Geld verlieren. Denn er habe die Aktien zwischen 55 und 65 Dollar erworben. Nun drohe ihm ein Verlust von rund 25.000 Dollar. „Wenn Michael Dell die Firma abseits der Börse sanieren kann, warum kann er es dann nicht auch an der Börse?“, kritisierte Dungan.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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