Computermarkt im Wandel: Tatschen statt klicken

Computermarkt im Wandel
Tatschen statt klicken

Fass mich an: Tablet-Computer mit Touchscreen werden immer beliebter – schon bald dürften sie klassischen PCs mit Maus und Tastatur den Rang ablaufen. Für etliche Hersteller ist das eine schlechte Nachricht.
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DüsseldorfTatschen statt klicken: Der Computermarkt ist nach Ansicht von Experten inmitten einer fundamentalen Umwälzung. Tablet-Computer lösten den klassischen PC in den nächsten drei Jahren als beliebtestes digitales Gerät ab, erklärte das Marktforschungsunternehmen Gartner am Donnerstag.

Niedrigere Preise, eine große Auswahl an Gerätetypen und die Popularität von Apps lassen den Absatz von iPad, Galaxy Tab und Co demnach in den nächsten Jahren hochschießen. Dagegen sinkt die Nachfrage nach stationären PCs und Notebooks, weil Nutzer und Unternehmen solche Geräte immer seltener ersetzen. PC-Hersteller wie Dell und Hewlett-Packard dürfte dieses Ergebnis alarmieren.

Insgesamt werden in diesem Jahr voraussichtlich 2,4 Milliarden Computer verschiedenster Größen verkauft – ein Plus von 9 Prozent, wobei allein 1,88 Milliarden davon Handys und Smartphones sind. Tablet-Computern gelang erst 2010 der Durchbruch, inzwischen sind die flachen Geräte für viele Nutzer nicht mehr wegzudenken. Gartner erwartet, dass die Hersteller in diesem Jahr 197 Millionen Geräte verkaufen, im kommenden Jahr bereits 266 Millionen. 2017 sollen es sogar 468 Millionen Stück sein.

Der Markt für klassische Rechner schrumpfe dagegen in den kommenden Jahren weiter. Der Absatz sinke von 315 Millionen Geräten in diesem Jahr auf 302 Millionen im kommenden Jahr. 2017 sollen es nur noch 272 Millionen sein. Diesen Niedergang dämpfen sogenannte ultramobile Computer – darunter verstehen die Marktforscher sehr leichte Notebooks sowie Hybridgeräte mit Touchscreen und Tastatur, die sich aufgrund ihrer Ausstattung auch für Produktivitäts-Software eignen. In diesem Jahr verkaufen die Hersteller davon nach Gartner-Einschätzung 24 Millionen Geräte, im kommenden Jahr 39 Millionen. Bis 2017 steige der Absatz auf 96 Millionen Stück.

Die sinkende PC-Nachfrage „spiegelt einen langfristigen Wandel im Nutzerverhalten wider“ und sei nicht etwa der konjunkturellen Delle geschuldet, betonte Gartner-Analystin Carolina Milanesi im Gespräch mit Handelsblatt Online: „Tablet-Computer werden immer leistungsfähiger und gleichzeitig billiger.“ Vielen Nutzern reiche das aus, zumal der Rechner immer häufiger für den Medienkonsum genutzt werde – also zum Lesen, Spielen, Musik hören oder Filme gucken. Daher sei es nicht mehr nötig, sich wie in der Vergangenheit alle zwei Jahre einen neuen PC anzuschaffen.

Die Umwälzung des Marktes stellt PC-Hersteller wie Dell und Hewlett-Packard vor große Herausforderungen. Während ihr Kerngeschäft bröckelt, tun sie sich mit den neuen Geschäftsfeldern schwer. „In der PC-Welt waren die Margen zwar niedrig, aber es gab eine feste Hackordnung“, sagt Carolina Milanesi. Nun werde der Wettbewerb noch härter, weil sich neue Anbieter im Markt tummeln.

Auch zwei Schwergewichte der alten PC-Welt kämpfen mit der mobilen Revolution: Microsoft und Intel. Da mobile Geräte immer beliebter werden, gerät der Software-Hersteller mit seiner Windows-Software gegenüber den mobilen Betriebssystemen von Apple sowie Android von Google ins Hintertreffen. „Um relevant zu bleiben, muss Microsoft seine Präsenz bei Tablets und Smartphones ausbauen“, sagt Milanesi. Der Konzern hatte im Herbst sein Flaggschiff Windows überarbeitet für die Bedienung per Touchscreen tauglich gemacht. Die PC-Flaute setzt auch Chiphersteller Intel unter Druck, der sich im Geschäft mit Tablets und Smartphones ebenfalls schwer tut.

Große Auswirkungen des Tablet- und Smartphone-Booms erwartet Milanesi in den Schwellenländern. Viele Nutzer schafften sich dort als ersten Computer nicht einen PC an, sondern ein Smartphone oder Tablet. Damit seien sie an eine ganz andere Computer-Erfahrung gewöhnt: Für die meisten sei daher Googles Android das typische Gesicht eines Computers.

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