Computerproduzent sucht Standort in Europa
Dell will schnell über neues Werk entscheiden

Der amerikanische Computerbauer Dell wird in den nächsten zwei bis drei Monaten festlegen, wo sein zweites europäisches Werk gebaut werden soll. „Wir schauen uns momentan viele verschiedene Standorte an und reden mit den Regierungen“, sagte Dell-Europa-Chef Paul Bell im Gespräch mit dem Handelsblatt.

jojo MÜNCHEN. Fest steht, dass die Fabrik in Mittel- oder Osteuropa entsteht. „Von unserem bestehenden Werk in Irland können wir Westeuropa schnell beliefern. Nach Italien oder Skandinavien dagegen sind die Wege zu lang“, unterstrich Bell. Eine schnelle Auslieferung sei für den Computerkonzern wichtig . Im Gegensatz zur Konkurrenz fertigt Dell Rechner erst, wenn dafür Aufträge der Kunden vorliegen und liefert die Geräte dann aus. Mit Händlern arbeitet Dell nicht zusammen.

Beobachter gehen davon aus, dass Dell seine neue Fabrik eher in Polen, Tschechien oder Ungarn bauen wird als in Deutschland. Doch auch die Bundesrepublik ist ein Kandidat. Durch das rasante Wachstum des weltgrößten PC-Herstellers reicht die bestehende Fabrik in Limerick nicht mehr aus. Mit dem Neubau würden Hunderte Arbeitsplätze entstehen. Derzeit baut Dell ein neues Call-Center in Halle. Bis 2010 sollen dort 750 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Mit seinem Direktverkaufs-Modell hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren die gesamte Branche hinter sich gelassen. Die Dynamik ist ungebrochen: So kletterte der Umsatz in dem am 29. Juli zu Ende gegangenen Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 13,4 Mrd. Dollar. Allerdings hatten Analysten mit einem noch höheren Umsatz gerechnet. Auch Dell selbst hatte mehr Umsatz in Aussicht gestellt. Dell-Chef Kevin Rollins sagte, das Unternehmen habe die Preise zu niedrig angesetzt und damit Umsatz verschenkt. Der Gewinn kletterte um knapp 30 Prozent auf etwa eine Mrd. Euro. Die Böse quittierte die verfehlte Prognose mit einem Kursrückgang von bis zu acht Prozent.

In Deutschland hatte Dell lange Zeit Schwierigkeiten. Zuletzt ist die Firma aber so stark gewachsen wie keine andere große PC-Marke. Der Konzern lieferte im zweiten Quartal nach Angaben der Marktforscher von Gartner 44 Prozent mehr Rechner aus als im Vorjahr. Trotzdem hat Dell noch kräftig aufzuholen. Hinter Fujitsu-Siemens, Medion und Hewlett-Packard (HP) liegt die Firma in Deutschland erst auf Rang vier der Computerbauer. Im weltweiten Vergleich führt Dell aber unangefochten vor HP und Lenovo.

Angesichts der jüngsten Schwäche fürchten Analysten bereits, Dell könne das hohe Tempo der vergangenen Jahre nicht mehr halten. Rollins bekräftigte jedoch, Dell wolle den Jahresumsatz nach wie vor von derzeit rund 60 Mrd. Dollar auf 80 Mrd. in vier Jahren steigern. Um dieses Wachstum zu bewältigen, braucht die Firma weitere Werke wie das in Europa.

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