Computerzubehör
Logitech-Manager verspekuliert Millionen

Vollkommen unerwartet ist der weltgrößte Hersteller von Computermäusen und Zubehör, Logitech, in den Strudel der Kreditmarktkrise geraten: Ein Finanzmanager des Unternehmens hat unerlaubt in Kreditderivate investiert, die durch den Abschwung am US-Immobilienmarkt rasant an Wert verloren haben.

HB ZÜRICH. Wie das schweizerisch-kalifornische Unternehmen am Donnerstag mitteilte, kletterte der Betriebsgewinn (Ebit) im zweiten Quartal 2007/08 um 54 Prozent auf 80,4 Millionen Dollar, während der Umsatz um 19 Prozent auf 595 Millionen Dollar zulegte. Analysten hatten nur 55 Millionen Ebit und 557 Millionen Dollar Umsatz erwartet. Besonders gut hätten sich Fernbedienungen und Lautsprecher verkauft. Die Ebit-Prognose für das Finanzjahr wurde auf 20 Prozent Wachstum von bislang 15 angehoben. Der Umsatz solle weiterhin um 15 Prozent zulegen. Die Aktie gewann bis Mittag zehn Prozent auf 38,10 sfr, der höchste Stand aller Zeiten.

Zum Reingewinn könne erst innerhalb der nächsten drei Wochen näheres gesagt werden, da die Wert der eigenen kurzfristigen Investments noch nicht geklärt sei, hieß es. Problem ist den Angaben zufolge, dass ein Finanzmanager des Unternehmens unerlaubt und ohne Wissens des Führungsriege in Kreditderivate, so genannten Collateral Debt Obligations, und Unternehmensanleihen investiert habe. Im Zuge der Neubewertung der Kreditrisiken an den Finanzmärkten in den vergangenen Monaten sei ihr Wert rapide geschrumpft.

„Seit Aufdeckung dieser Fakten Anfang Oktober haben wir aggressiv und schnell Maßnahmen ergriffen, um uns dieses einmaligen Vorfalls anzunehmen und das Auftreten von ähnlichen Situationen in Zukunft zu vermeiden“, sagte Logitechs Finanzchef Mark Hawkins. Der verantwortliche Manager wurde inzwischen vor die Tür gesetzt.

Bei CDOs handelt es sich um verbriefte Hypothekenkredite, bei denen das Risiko des Kreditausfalls auf den Käufer übergeht. Das wird mit einem hohen Zinssatz belohnt - doch sind diese Investmentvehikel bei massenhaften Zahlungsausfällen wie sie derzeit bei amerikanischen Hauskäufern mit geringer Bonität vorkommen, auch schnell so gut wie wertlos.

In dieser Hinsicht scheint Logitech Analysten zufolge mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Vom den in CDOs und Ähnlichem investierten knapp 170 Millionen Dollar müssten im zweiten Quartal 55 bis 75 Millionen Dollar abgeschrieben werden, schätzt Logitech. Durch den Verkauf des gesamten Portfolios werde im dritten Quartal aber die Hälfte dieses Verlustes wieder hereingeholt.

Es war nicht die einzige Überraschung, die Logitech zum Quartalsergebnis bereit hielt: Nach knapp zehn Jahren als CEO tritt Guerrino de Luca Anfang 2008 zurück und wechselt an die Spitze des Verwaltungsrats. Sein Nachfolger wird Jerry Quindlen, der seit zwei Jahren bei Logitech ist. Der 48-jährige war 17 Jahre als Manager beim Film- und Fotokonzern Eastman Kodak.

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