D-Wave-Präsident Bo Ewald „Wir verlassen bei Quantencomputern die experimentelle Phase“

D-Wave-Präsident Bo Ewald spricht im Interview über die Kooperation mit VW, das Potenzial von Quantencomputern und deren Nutzen für Firmen.
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Der Entwickler von Quantencomputern ist Präsident von D-Wave. Quelle: AFP
Bo Ewald

Der Entwickler von Quantencomputern ist Präsident von D-Wave.

(Foto: AFP)

DüsseldorfDie Quantencomputer versprechen unendliche Rechenleistungen. Bo Ewald, Präsident von D-Wave, forscht zusammen mit VW an den Wunderrechnern.

Herr Ewald, VW will mithilfe von Quantencomputern Molekülbewegungen simulieren, um bessere Batterien zu bauen. Kann das gelingen?
Die Idee, die Bewegungen auf Quantencomputern zu simulieren, macht durchaus Sinn. Denn die chemischen Prozesse innerhalb einer Batterie folgen quantenmechanischen Gesetzen. VW hat deswegen die naheliegende Idee, diese Prozesse mithilfe von Quantencomputern zu simulieren.

Warum werden denn Quantencomputer in Zukunft höhere Rechenleistungen erzielen als heutige Supercomputer?
Traditionelle Computer arbeiten nach folgendem Schema: Stoßen sie bei bestimmten Berechnungen auf eine Barriere, wird mehr Energie in sie gesteckt, um mehr Rechenleistungen zu generieren. Unsere Quantencomputer arbeiten anders. Wir versuchen, solche Probleme nicht mit mehr Energie zu lösen, sondern mit der Logik der Naturgesetze. Die Natur bevorzugt Low-Energy-Lösungen.

Wie genau sieht so ein Quantencomputer aus?
Unsere Rechner bestehen aus einer Box, die drei Meter hoch, breit und tief ist. In der Außenhaut dieser Box ist ein Faraday’scher Käfig verbaut, um elektromagnetische Störungen zu reduzieren. In der Box hängt eine etwa einen Meter hohe Apparatur, die aus verschiedenen Metallen besteht und aussieht wie ein Terminator-Arm. Diese Apparatur schützt den Prozessor vor Außeneinwirkungen und kühlt ihn herunter. Der Prozessor selbst ist gerade einmal so groß wie ein Fingernagel.

Was kostet es Unternehmen, wenn sie Ihre Quantencomputer nutzen wollen?
Ein Quantencomputer von D-Wave kostet zehn bis 15 Millionen Dollar. Lockheed Martin und Google haben beispielsweise Rechner von uns gekauft. Wir haben darüber hinaus auch 15 Cloud-Kunden, die über einen Onlinezugang unsere Rechner verwenden, die in der Zentrale in Kanada stehen. VW nutzt unsere Quantencomputer auf diese Weise.

Das ist viel Geld für Rechner, die bislang keinen kommerziellen Nutzen für Unternehmen stiften können.
Das stimmt. Bislang verdienen Unternehmen, die Quantencomputer für ihre Berechnungen nutzen, noch kein Geld damit. Dafür ist es aber auch noch zu früh. Wir befinden uns in einer Prototypen-Phase. Ich gehe aber davon aus, dass wir mit der nächsten Generation von Quantencomputern die experimentelle Phase langsam verlassen werden.

Werden Quantencomputer heutige Rechner in Zukunft ersetzen?
Das glaube ich nicht. Eher werden sie eine Art Tuningmöglichkeit für herkömmliche Rechner darstellen. Wenn sie an Grenzen stoßen, könnten sie über eine Cloud Quantencomputer die komplexen Berechnungen durchführen und sich die Ergebnisse senden lassen. Auf diese Weise könnten beispielsweise auch große Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz erreicht werden.

Herr Ewald, vielen Dank für das Interview.

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