Dank Speicherchips
Samsung pulverisiert Gewinnrekord

Im Herbst 2016 wurde Samsung noch von einem Debakel um explodierende Handy-Akkus erschüttert. Nun überrascht der Konzern mit einem neuen Rekordgewinn fürs zweite Quartal. Es könnte sogar noch höher hinausgehen.
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SeoulDer südkoreanische Elektronikriese strotzt derzeit vor Kraft. Für das zweite Quartal sagte der Konzern überraschend einen Fabelgewinn von 14 Billionen Won (10,6 Milliarden Euro) voraus. Der operative Gewinn läge damit 70 Prozent über dem des Vorjahres, sieben Prozent über dem Marktkonsens und 40 Prozent über dem bisherigen Quartalsrekord aus dem Jahr 2013. Auch der Umsatz stieg auf einen neuen Quartalsrekord von 60 Billionen Won (45,4 Milliarden Euro).

Samsung legte zwar wie gewöhnlich keine weiteren Details vor. Die konkrete Quartalsbilanz wird erst Ende des Monats veröffentlicht. Aber Grund für den Boom ist klar: In einer glücklichen Laune der Marktzyklen befinden sich derzeit alle wichtigen Segmente des Konzerns wie Speicherchips, Displays und Smartphones im Aufwind.

Als stärkster Gewinnmotor gilt dabei Samsungs Halbleitersparte. Sie profitiert davon, dass das knappe Angebot an Speicherchips für mobile Geräte derzeit die Preise in die Höhe treibt. Bei denen ist Samsung Marktführer und genießt damit ohnehin die größten Gewinnmargen. Die Mobilsparte hat nach ihrem Debakel um explodierende Akkus mit dem guten Start von Samsung Flaggschiffhandy Galaxy S8 fast zu alter Hochform zurückgefunden.

Zudem hilft der wachsende Hunger der Handyhersteller nach flexiblen Bildschirmen aus organischen Leuchtdioden (Oled) auch der Displaysparte auf die Sprünge. Jetzt müsste noch der der Korruption und anderen Delikten angeklagte faktische Konzernchef Lee Jae-yong aus dem Gefängnis entlassen werden und die Samsung-Welt wäre vollständig in Ordnung.

Das sehr gute zweite Quartal stärkt die Überzeugung der Anleger, dass 2017 für Samsung ein neues Rekordjahr werden wird. Denn Analysten sagen den Koreanern auch für den Rest des Jahres starke Quartalsergebnisse voraus. Laut einer Umfrage der koreanischen Nachrichtenagentur Yonhap erwarteten die Analysten vor Samsungs Gewinnschätzung im Schnitt, dass der Konzern im laufenden dritten Quartal 13,9 Billionen Won Gewinn und 60,3 Billionen Won Umsatz verbuchen würde.

Der Aktienkurs reagierte trotz der guten Nachricht nicht. Denn die Anleger haben ihn in Erwartung eines neuen Rekordjahres bereits auf ein neues Rekordniveau getrieben. Am Donnerstag stieg der Aktienpreis um ein Prozent auf 2,4 Millionen Won. Am Freitag startete er nach der Gewinnankündigung erst leicht im Minus und erholte sich kurz darauf fast auf das Vortagsniveau.

So gut die Zahlen auch sind, sie zeigen auch ein Risiko für den Elektronikkonzern auf: Seine Motoren müssen alle mit sehr hohen Investitionen geschmiert werden, damit sie nicht an Kraft verlieren. Der Konzern kündigte am Dienstag an, dass er 18,6 Milliarden US-Dollar in seine Halbleiter- und Displayproduktion investieren wolle, um seine Marktführerschaft zu verteidigen.

Wenn die Nachfrage genauso simultan in beiden Bereichen fallen sollte wie sie derzeit steigt, würden auch die Gewinne rasch fallen. Allerdings kann dies dauern. Einige Analysten glauben, dass sich besonders die Halbleitersparte in einem lang anhaltenden Aufwind befindet, weil mit Robotern und künstlicher Intelligenz die Nachfrage nach Speicherchips steigen dürfte.

Dass sich der japanische Elektronikkonzern Toshiba, die Nummer zwei im Markt der Speicherchips, derzeit in einer Krise befindet und seine Chipsparte verkaufen will, könnte Samsung vorerst einen weiteren Schwung geben. Und auch Oled-Displays befinden sich erst am Anfang ihrer Karriere. Samsung stehen daher erneut gute Zeiten ins Haus.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

Kommentare zu " Dank Speicherchips: Samsung pulverisiert Gewinnrekord"

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  • Also wenn ein Unternehmen in einem Quartal einen Umsatz von 45 Mrd. $ macht und im gleichen Quartal einen Gewinn von 10 Mrd. $ (=22%), dann ist das ja wohl eine unangemessen marktbeherrschende Stellung mit unanständig hoher Gewinnmarge.

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