Das Auf- und Ab des Computerherstelles
Ein Lebensgefühl namens Dell 2.0

Michael Dell ist sich seiner Sache überaus sicher: Der größte Anteilseigner des texanischen PC-Herstellers hat im Mai 2006 weitere Aktien im Wert von rund 70 Mill. Dollar zugekauft – in der festen Überzeugung, dass der Spuk an der Börse bald vorbei sein wird.

NEW YORK. Vorerst ist ein Ende der Talfahrt nicht in Sicht: Dell hat innerhalb eines Jahres 40 Prozent oder rund 30 Mrd. Dollar an Börsenwert eingebüßt, und die Aktie sackte zu Wochenbeginn weiter ab, nachdem der Weltmarktführer im Zuge einer Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC die Vorlage der Quartalszahlen verschieben musste.

Die Serie der Dell-Pannen begann Mitte August mit einer gigantischen Rückrufaktion von mehr als vier Mill. Laptops, deren Akkus unter spezifischen Bedingungen einen Brand auslösen können. Als Dell wenige Tage später einen schockierenden Gewinneinbruch um mehr als 50 Prozent meldete, den Analysten weitgehend auf eine reichlich missratene Preisoffensive zurückführen, nahmen ungewohnte Dinge ihren Lauf: Die Flut negativer Nachrichten machte aus dem jahrelangen Überflieger im PC-Geschäft einen Krisenkandidaten, der sich mit der neuen Situation sichtbar schwer tut. Die Untersuchung der US-Börsenkommission, die derzeit mögliche Fehler in früheren Geschäftsberichten untersucht, kommentiert Dell pflichtschuldig: „Wir kooperieren in vollem Umfang.“ Ende der Ansage.

Reichlich zerknirscht steht der Firmengründer in einem New Yorker Hotel am Times Square und sieht sich vor Journalisten mit unangenehmen Fragen konfrontiert. Das Licht im Gershwin-Ballroom des Westin ist so trüb wie die Stimmung, und der sonst für seine charismatischen Auftritte so gerühmte Dell sagt im wesentlichen nur: Alles wird gut! Kompakt und lauernd wie ein Ringer, der zum nächsten Griff ansetzt, steht er auf einem Podest vor dem Publikum, kündigt eine Modelloffensive an, eine Service-Offensive und eine Offensive in Sachen Design obendrauf – aber es nutzt alles nichts. Investoren und Analysten senken den Daumen.

Wo man nur hinhört in den USA: Die Erfolgsformel Dell scheint ausgereizt, der Konzern mit einem Mal völlig aus der Mode. Die SEC-Untersuchung untergrabe „die ohnehin schon angeschlagene Glaubwürdigkeit des Managements“, sagt etwa Toni Sacconaghi, Analyst bei Sanford Bernstein. „Das Vertrauen ist erschüttert“, glaubt Nirav Parikh, dessen Firma TCW Group fast 26 Mill. Dell-Aktien hält. Und die Bank UBS schreibt in einer aktuellen Studie, es sei in naher Zukunft kein Turn-around zu erwarten.

Seite 1:

Ein Lebensgefühl namens Dell 2.0

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%