Das Geschäft ankurbeln
Dell setzt auf Wachstum im Ausland

Der weltgrößte Computerbauer Dell fühlt sich wieder fit. „Wir haben im vergangenen Jahr einige Fehler gemacht, sie aber im vierten Quartal korrigiert“, sagte Dell-Chef Kevin Rollins dem Handelsblatt. Er ergänzte: „Für das laufende Jahr sind wir wieder sehr zuversichtlich.“ Rollins setzt vor allem auf das Wachstum außerhalb der USA, das mit 21 Prozent zuletzt doppelt so hoch ausfiel wie auf dem Heimatmarkt.

NEW YORK / MÜNCHEN. „Europa und Asien werden in den nächsten fünf Jahren extrem wichtig für uns sein“, sagt Rollins. Zweimal hintereinander hatte der PC-Hersteller im vergangenen Jahr die Umsatzziele verfehlt. Ein Grund dafür war der Produktmix mit zu billigen PCs. Im letzten Quartal übertraf Dell dann wieder die Prognose, weil das Unternehmen verstärkt höherwertige Systeme verkaufte. Für das laufende Quartal prognostizierten die Texaner trotzdem nur ein Umsatzplus zwischen sechs und neun Prozent. Über Jahre hinweg waren die Aktionäre allerdings zweistellige Zuwachsraten gewohnt.

Um zu altem Tempo zurück zu kehren, setzt Rollins stark auf Deutschland. Hier liegt Dell lediglich auf Rang fünf der größten Computeranbieter. Der US-Konzern hat zuletzt in Halle ein Servicezentrum aufgebaut, um den Vertrieb anzukurbeln. „Das läuft so gut, dass wir überlegen, dort weiter zu expandieren.“ Dazu beigetragen habe auch das bessere Geschäftsklima. „Die Bedingungen für Investitionen haben einen größeren Stellenwert in der deutschen Politik bekommen,“ so Rollins.

Dennoch wird die nächste Fabrik nicht hier gebaut. „Wir wollen unsere Investitionen streuen und möglichst nah am Kunden sein“, sagte Rollins. Er favorisiere das östliche Mitteleuropa. Eine Entscheidung stehe unmittelbar bevor. Ursprünglich wollte Dell im Herbst verkünden, wo gebaut wird. Offenbar besteht aber kein Zeitdruck, da die Kapazitäten ausreichen. Entscheidend bei der Wahl seien nicht nur niedrige Löhne. Logistik, Geschäftsumfeld, Investitionsanreize und Ausbildung der Mitarbeiter spielten eine Rolle. „Häufig stellen diese Faktoren die Arbeitskosten in den Schatten“, sagte Rollins. Durch die neue Fabrik könne Dell die Lieferzeiten auf einen Tag reduzieren. Bislang hat Dell nur in Irland eine Fabrik in Europa.

Die Konkurrenz in Europa zeigt sich zuversichtlich, dem Angriff abzuwehren „Wir können mithalten, obwohl wir kleiner sind“, sagte Joseph Reger, Technikvorstand von Fujitsu Siemens Computers (FSC). Das Münchener Unternehmen ist Europas größter Computerhersteller, kommt aber nur auf einen Jahresumsatz von 6,7 Mrd. Euro. Dell dagegen erreicht 45 Mrd. Euro. Dennoch gibt sich Reger kämpferisch: „Produktion, Logistik und Beschaffung haben wir sehr gut im Griff und auf der kreativen Seite liegen wir ohnehin vorne. Dell gibt doch kaum etwas für originäre Forschung und Entwicklung aus.“ Dell nimmt neue Kategorien erst ins Programm auf, wenn sie am Markt etabliert sind. Dafür setzt die Firma andere Schwerpunkte. Mit ihrem Direktvertrieb hat sie kurze Lieferzeiten. Dazu kommt eine knapp bemessene Lagerhaltung. Nur vier Tage reicht der Bestand. Das senkt die Kosten, stellt aber in Zeiten von Terrorismus und Handelskonflikten auch ein Risiko dar.

Rollins glaubt, dass Dell dies mit neun Fabriken und 32 Callcentern im Griff hat. Wenn ein Werk ausfalle, springe ein anderes ein. Rollins: „Wir wollen unsere Lagerhaltung weiter reduzieren. Warum nicht nur einen oder zwei Tage?“ Experten sehen in diesem Ansatz den größten Wettbewerbsvorteil. „Dell beherrscht seine Geschäftsprozesse wie kein anderer Computerhersteller“, sagt Steve Prentice vom Marktforscher Gartner. „Zudem verarbeitet Dell die Informationen aus dem Markt sehr schnell.“

Baustelle

Abgehängt: In Deutschland ist Dell noch weit entfernt von der Marktführerschaft, die der Konzern weltweit inne hat. Mit einem Marktanteil von acht Prozent liegt Dell nach Angaben der Marktforscher von Gartner nur auf Rang fünf. Allerdings ist der Computerbauer zuletzt so stark gewachsen wie kein anderer großer Wettbewerber hier zu Lande.

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