Das neue Gespann Siemens-BenQ rückt weltweit an die vierte Stelle Fusion setzt die Marktteilnehmer unter Druck

Wenn Nokia-Chef Jorma Ollila demnächst in den Rückspiegel schaut, wird er einen neuen Verfolger ausmachen, der den Blinker links gesetzt hat. Mit dem Erwerb der Mobiltelefonsparte von Siemens steigt die taiwanische BenQ Corp. zur viertstärksten Macht im Markt für Mobiltelefone auf und sichert sich eine starke Position in Europa. „Wir sind unserem Ziel, zu den größten Anbietern aufzuschließen, ein erhebliches Stück näher gekommen“, sagt BenQ-Chairman K.Y. Lee.

HB DÜSSELDORF. Der weltweite Mobiltelefonmarkt war laut Gartner Dataquest im ersten Quartal 2005 rund 180 Millionen Stück groß und wächst weiter. Noch liegt Nokia mit rund 30 Prozent souverän vor dem Verfolgerfeld, aber der Siemens-Coup hat BenQ mit über neun Prozent bereits vor den koreanischen Aufsteiger LG aufrücken lassen. Und das Wachstum soll ungebremst weiter gehen: Einschließlich der Siemens-Handys, die im vierten Quartal 2005 verkauft werden, erwartet BenQ jetzt einen Absatz für das Gesamtjahr von weltweit 20 Millionen Handys. Bisher war BenQ für 2005 von zehn Millionen Stück ausgegangen. 2004 hatte BenQ rund 15 Mill. Handys verkauft, Siemens rund 50 Millionen.

Das neue Gespann dürfte für Nokia, Motorola und Co deutlich gefährlicher werden als die alten Einzel-Gegner Siemens und BenQ. Anders als der Münchener Konzern hat der Elektronikmulti aus Taipeh eine profunde Erfahrung in der Multimedia- und Konsumelektronikindustrie. Siemens war dagegen oft vorgeworfen worden, Trends im schnelllebigen Mobilfunkgeschäft zu verschlafen, wie den Boom bei Klapptelefonen oder Multimedia-Kameratelefonen. Zugleich erhält BenQ mit Siemens leichteren Zugang zu großen Mobilfunkprovidern wie Vodafone oder T-Mobile, die bereits Siemens-Telefone im Programm haben. Mobilfunk-Anbieter Vodafone wollte sich zu den Auswirkungen der Fusion nicht äußern. Auf Grund der anhalten Unsicherheit über die weitere Entwicklung war in den vergangenen Monaten der Marktanteil von Siemens-Handys kontinuierlich gesunken.

Für Siemens-BenQ spricht auch das Kostenargument. Bereits 2006 soll das neue Gemeinschaftsunternehmen ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen und Kostenersparnisse von 275 bis 520 Mill. Euro bringen, wie BenQ-Finanzvorstand Eric Yu hofft. Damit kann sich das Unternehmen den zu erwartenden verschärften Preiskämpfen besser stellen.

Und die werden kaum ausbleiben. Der taiwanische Schachzug setzt auch die japanischen Hersteller von Mobiltelefonen unter großen Druck. Deren Heimatmarkt ist gesättigt und Hersteller wie Sharp, NEC und Panasonic liefern sich erbarmungslose Kämpfe um jedes Prozent Marktanteil. Um diesem Dilemma zu entkommen, suchen die Firmen jetzt ihr Heil im Ausland.

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