Das schwache Deutschland-Geschäft macht den Franken zu schaffen
Diehl wächst nur noch im Ausland

Den Nürnberger Technologiekonzern Diehl zieht es stärker ins Ausland. „In Deutschland gehen Umsatz und Beschäftigtenzahl zurück, die Impulse kommen aus Nordamerika und Asien“, sagte am Dienstag Firmenchef Thomas Diehl.

jojo NÜRNBERG. Noch erwirtschaftet das Technologie- und Rüstungsunternehmen jeden zweiten Euro auf seinem Heimatmarkt. Doch mit einer ganzen Reihe neuer Werke im Ausland werde der Anteil dieses Jahr abnehmen, fügte Diehl hinzu.

Rund ein Drittel seines Umsatzes erzielt Diehl in der Wehrtechnik – einem Bereich, der hier zu Lande seit Jahren unter kräftigen Kürzungen der Regierung leidet. Thomas Diehl sieht wenig Aussicht auf Besserung: „Es wird zu wenig beschafft, und es wird auch in Zukunft zu wenig sein.“ Damit sei fraglich, ob die gegenwärtigen Strukturen in der Verteidigungsbranche erhalten werden könnten. Diehl: „Das Ende der Fahnenstange bei den Schrumpfungen ist noch lange nicht erreicht.“

Seit Jahren wird zwischen Industrie und Politikern in Deutschland darüber diskutiert, wie die heimische Verteidigungsindustrie in Zukunft aussehen soll. Doch nur in wenigen Bereichen gibt es bislang Ergebnisse.

Diehl gehört zu den größten Anbietern auf diesem Feld in Deutschland, neben Wettbewerbern wie Rheinmetall und Krauss-Maffei. Die Nürnberger haben sich bereits in einigen Bereichen mit amerikanischen Konzernen verbündet und Gemeinschaftsunternehmen geschaffen. Aus dem Waffengeschäft will sich Diehl trotz der Schwierigkeiten auf dem Heimatmarkt aber nicht zurückziehen.

Wichtiger als die Rüstungsproduktion sind für das fränkische Traditionsunternehmen allerdings die zivilen Bereiche. Der Konzern stellt Steuerungselemente für Hausgeräte her, ist in der Metallverarbeitung engagiert und produziert für die Luftfahrtbranche. Mehr als 10 000 Leute stehen auf den Lohnlisten von Diehl, die meisten davon trotz des hohen Auslandsanteils am Umsatz in Deutschland.

Vergangenes Jahr kletterten die Einnahmen um mehr als acht Prozent auf 1,55 Mrd. Euro. Ausschlaggebend für das Plus war aber zum großen Teil ein neues Unternehmen, das die Familie Diehl aus ihrem Privatbesitz in den Konzern einbrachte. Der Gewinn fiel von 65,2 im Vorjahr auf 43,5 Mrd. Euro. Dabei hätten vor allem Vorleistungen für die Entwicklung des neuen Super- Airbus den Gewinn belastet, sagte Diehl. Für 2004 rechnet der Firmenchef mit einem Umsatzplus von drei bis fünf Prozent. Der Gewinn soll zehn bis 15 Mill. Euro über dem von 2003 liegen.

Auch langfristig seien ein jährliches Wachstum von drei bis fünf Prozent sowie ein höherer Gewinn Pflicht. „Wir brauchen die Zuwächse, deshalb investieren wir in China und in Nordamerika“, sagte Diehl. In Deutschland seien keine Impulse zu erkennen. Große Übernahmen kommen für Diehl freilich nicht in Frage: „Wir wollen uns immer selbst finanzieren und nicht abhängig von Banken werden.“ Einen vierten Konzernbereich, wie vor Jahren angekündigt, will Diehl deshalb nicht aufbauen.

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