"Das wäre ein Mega-Deal"
Sistema will sich Telekom warm halten

Der russische Mischkonzern AFK Sistema bekundet weiter Interesse an der Deutschen Telekom: Im Gespräch mit dem Handelsblatt betonte Sistema-CEO Alexander Gontscharuk, es wäre „für beide Seiten das Beste“, einen gemeinsamen großen Telekommunikationskonzern zu formen.

MOSKAU/DÜSSELDORF. „Wir glauben, dass die Vereinigung zweier so großer Unternehmen einen Mega-Konzern schafft, der Standbeine vom amerikanischen über den europäischen bis zum asiatischen Markt hätte“, sagte er weiter. Viele Analysten sähen dies positiv. „Abstrakt gesprochen – das wäre ein Mega-Deal“, so Gontscharuk.

Sistema, die Unternehmensgruppe des Milliardärs Wladimir Jewtuschenkow, hat über seine Tochter Sistema Telecom eine Reihe von Telekommunikationsbeteiligungen, die wichtigste ist der russische Mobilfunkmarktführer MTS, an dem auch die Deutsche Telekom einen Anteil hatte. Derzeit macht Sistema rund 68 Prozent Umsatz seines Umsatzes mit Telekommunikation. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern bereits einen auch von Russlands Präsident Wladimir Putin politisch flankierten Versuch unternommen, bei der Deutschen Telekom Großaktionär zu werden, scheiterte aber am Veto der Bundesregierung, die rund ein Drittel der T-Aktien hält.

Nach wie vor sieht der Sistema-CEO die politischen Vorbehalte als das Haupthindernis. Die Deutsche Telekom stecke zudem derzeit in einer „schwierigen Lage“, so Gontscharuk. In der aktuellen Situation „passe“ es einfach nicht. Sistema verfolge daher aktiv auch keine Pläne mit der Telekom. Berichte, nach denen der Konzern ein Angebot unterbreitet habe, Anteile an MTS gegen die ungarische Telekom-Tochter Magyar Telekom zu tauschen, wies Gontscharuk als pure Spekulation zurück. Dennoch - er als Unternehmer wisse auch: „Sag niemals nie!“. Es bestünden zudem weiter „enge persönliche Kontakte“ zum Telekom-Management.

Analysten halten eine Allianz von Sistema und Telekom durchaus für sinnvoll. „Grundsätzlich ist MTS interessant für die Telekom, weil sie damit wieder Wachstumsphantasie schaffen könnte“, sagt Thomas Friedrich von der Hypo-Vereinsbank. Der russische Mobilfunkmarkt weist wesentlich höhere Wachstumsraten auf als der in den meisten westlichen Industrienationen. Die Telekom wächst im Inland überhaupt nicht mehr und hat im Ausland einzig mit der amerikanischen Mobilfunktochter T-Mobile USA ein starkes Zugpferd.

Der neue Konzernchef René Obermann hat bereits angekündigt, dass er die Telekom durch Zukäufe in ausländischen Mobilfunknetzen stärken will. Für die Telekom wäre der Schritt nach Russland aber auch ein Schritt zurück: Der Bonner Konzern hatte in den 90er Jahren gut 40 Prozent an MTS erworben, die Anteile aber nach und nach wieder verkauft, um seine Schulden zu reduzieren. Die Deutsche Telekom wollte sich nicht zum erneuten Interesse von Sistema äußern. Ein Sprecher bestätigte, dass Obermann und Gontscharuk sich kennen – das Verhältnis sei aber nicht sonderlich eng.

Beobachter in Moskau erwarten im Augenblick auch keine konkreten Vorstöße der Russen in Richtung Telekom. Der Konzern ist gut mit sich selbst beschäftigt. Derzeit läuft in Russland der Kampf um die weitere Privatisierung der Swjasinvest-Holding, in der die großen staatlichen Festnetzanbieter des Landes zusammengefasst sind. Sistema hält eine Sperrminorität und möchte die Holding, deren Marktwert bei rund 8,6 Mrd. Dollar liegt, am liebsten ganz übernehmen. Der größte Brocken – Rostelecom – dürfte jedoch auch aus sicherheitspolitischen Erwägungen in staatlicher Hand bleiben.

Jewtuschenkow möchte darüber hinaus die noch nicht börsennotierten Sparten - Tourismus, Banken, Einzelhandel, Medien, Pharma sowie medizinische Dienstleistungen - ausbauen und für den Gang auf’s Parkett bereit machen. Der Anteil der Telekommunikation soll insgesamt sogar sinken. In der Mitte der Woche vorlegten Jahresbilanz für 2006 zeigte die Telekomsparte auch geringere Zuwachsraten als der Gesamtkonzern: So stieg der Umsatz insgesamt um 43 Prozent im Ver-gleich zum Vorjahr auf 10,9 Mrd. Dollar, der Gewinn um 69 Prozent auf 903 Mill. Dollar. Der Umsatz der Telekomsparte zeigte hingegen nur ein Plus von 26,9 Prozent auf 7,5 Mrd. Dollar, der Gewinn stieg um 11 Prozent auf 757 Mill. Dollar. Im vierten Quarta schrumpfte er wegen der Abschreibung auf eine Investition in Kasachstan sogar um über drei Prozent.

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