Datenaffäre
Bespitzelte Telekom-Managerin will klagen

Die neuen Enthüllungen in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom in Kroatien haben juristische Konsequenzen. Nach Informationen des Handelsblatts hat sich eine ausgespähte Managerin in einer E-Mail direkt an Vorstandschef René Obermann gewandt. Sie sei schockiert darüber, dass die Telekom intime Einzelheiten aus ihrem Privatleben ausgeforscht hat.

DÜSSELDORF. Die neuen Enthüllungen in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom in Kroatien haben juristische Konsequenzen. Nach Informationen des Handelsblattes hat sich eine ausgespähte Managerin in einer E-Mail direkt an Vorstandschef René Obermann gewandt. Darin schreibt sie, sie sei schockiert darüber, dass die Telekom intime Einzelheiten aus ihrem Privatleben und dem ihrer Familie ausgeforscht habe. Sie verlangt von Obermann die Herausgabe aller Akten, die die Telekom über sie anlegte. Dem Handelsblatt sagte die Frau, sie werde die Telekom in Deutschland und Kroatien anzeigen.

Die Kroatin bezieht sich auf Akten der Telekom, die in der vergangenen Woche publik wurden. In einem Bericht, der den Aufdruck „Konzernsicherheit Personalscreening“ und das Datum 22. April 2004 trägt, wird ausführlich über das Intimleben der Managerin berichtet. Unter anderem heißt es darin, die Frau gelte als „weibliches Raubtier mit einem erheblich erhöhten Sexbedürfnis“. Der Bericht enthält auch intime Details über die Schwester der Frau.

In Kroatien haben die Sex-Akten der Telekom einen öffentlichen Aufschrei ausgelöst. Zeitungen berichten großflächig, der Fall ist in Wirtschaft und Politik ein Thema. Ivica Mudrinic, der Chef der kroatischen Tochter der Telekom sagte, es widere ihn an, dass Mitarbeiter ausspioniert wurden. Es gebe Grenzen, die niemals überschritten werden dürften. Der Abgeordnete Damir Kajin sagte, die Telekom behandele Kroatien „wie eine Bananenrepublik“.

Die Deutsche Telekom ist in Kroatien sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk Marktführer. Der Konzern erzielte 2008 einen Umsatz von 1,3 Mrd. Euro in Kroatien. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) betrug 557 Mio. Euro. In Kroatien mit 4,5 Mio. Einwohnern hat die Telekom damit zwar nur eine kleinere Tochter, die Region Südosteuropa steht bei dem Konzern aber hoch auf der Agenda. Sie bietet mehr Wachstum als westliche Industrienationen und bildet einen Schwerpunkt der Auslandsaktivitäten.

Seite 1:

Bespitzelte Telekom-Managerin will klagen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%