Datenklau
Deutsche Telekom will wieder Anzeige erstatten

Die Deutsche Telekom erwägt, wieder eine Anzeige bei der Bonner Staatsanwaltschaft zu erstatten. Anlass ist der illegale Zugriff eines Call-Centers auf Datenbänke des Unternehmens. Die aktuellen Datenklau-Fälle alarmieren auch die Wettbewerber.

DÜSSELDORF. Anlass der Telekom-Anzeige ist ein Bericht des NDR, wonach sich ein externes Call-Center illegal Zugriff auf Datenbanken der Telekom verschafft und Daten offenbar an Dritte weiterverkauft hat. Die Datenbank enthalte Angaben zu 30 Millionen Kunden, hieß es in dem Bericht.

Die Telekom will den Vorgang an Staatsanwaltschaft geben, sobald der NDR ihr mehr Informationen zur Verfügung stellt. Bis Redaktionsschluss lag dem Konzern nur ein Screenshot aus einer Kundendatenbank vor. Sein Unternehmen sei „offenbar Opfer hochkrimineller Machenschaften“ geworden, sagte aber ein Sprecher.

Der Bonner Konzern hatte sich bereits im Mai bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, weil eigene Mitarbeiter Telefonverbindungen von mindestens einem Aufsichtsratsmitglied und einem Journalisten abgeglichen hatten, um undichte Stellen im Aufsichtsrat zu finden. Seitdem wird das interne Datenschutzkonzept überprüft. Doch selbst wenn der Konzern hier nachbessern sollte, geht er davon aus, dass Missbrauch nie ganz auszuschließen ist.

Die Spitzelaffäre sowie die aktuellen Datenklau-Fälle alarmieren auch die Wettbewerber. Vodafone hat die Datensicherheit zur Chefsache gemacht. „Es findet eine stärkere Überprüfung sowohl bei wichtigen Mitarbeitern als auch bei neuen Shop-Betreibern statt“, sagte ein Sprecher des zweitgrößten Telekomkonzerns in Deutschland. Deutschland-Chef Friedrich Joussen will nun einen prominenten Ombudsmann bestellen, der als Ansprechpartner für interne und externe Informanten dienen soll. „Das Thema Datensicherheit wird von uns sehr ernst genommen“, hieß es bei Vodafone.

Der Mobilfunkanbieter E-Plus wollte sich nicht zum Datenklau äußern. Am vergangenen Freitag hat E-Plus-Chef Thorsten Dirks jedoch auf die Bedeutung der Datensicherheit hingewiesen. Die Tochter von KPN will mobile Werbung verkaufen. Dazu müssen die Nutzer einwilligen, dass ihre Daten als Grundlage für gezielte Werbung verwendet werden. Wenn sie aber fürchten müssen, dass ihre Angaben nicht sicher sind, geht das Geschäftsmodell nicht auf.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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