Datenklau-Prozess
Folgenschweres Urteil macht SAP zum Objekt der Begierde

Die Milliarden-Strafe in den USA ist für den Softwarekonzern SAP ein herber Rückschlag bei der Verteidigung seiner Unabhängigkeit. Der Aktienkurs sinkt weiter, und Angreifer mit prallen Kassen lauern bereits. SAP ist die letzte Braut des IT-Markts, die noch zu haben ist.
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FRANKFURT. Kaum war das Urteil über SAP verkündet, heizte "Forbes"-Journalistin Victoria Barret die Debatte über die Zukunft des deutschen Softwarekonzerns so richtig an: SAP könnte zum Übernahmekandidaten werden, sollte der Aktienkurs weiter fallen, bloggte sie am Dienstagabend um 18.50 Uhr Ortszeit aus ihrem Büro in San Francisco.

Kurz zuvor hatte im benachbarten Oakland ein Gericht dem Konzern einen gewaltigen Schlag verpasst. 1,3 Mrd. Dollar, umgerechnet knapp eine Mrd. Euro, soll SAP nach Ansicht der acht Juroren an den Erzrivalen Oracle zahlen. Zwar muss der Richter die Summe noch bestätigen. Doch der Schock sitzt. "Da haben sich hier in Walldorf einige mächtig verschätzt", sagt ein SAP-Manager.

Das Urteil könnte schwere Folgen für SAP haben. Nicht finanziell, denn SAP verfügt über Barreserven von über drei Mrd. Euro. Schwerer wiegen die Kratzer, die SAP im wichtigsten, größten und schwierigsten Software-Markt davonträgt. "Kunden werden fragen: Kaufe ich bei einem starken Marktführer oder bei jemandem, der Ideen klaut?" sagte Rebecca Wettemann, Analystin bei Nucleus Research, der "New York Times" und brachte die Stimmung damit auf den Punkt.

Eine gefährliche Stimmung, vor allem für die Eigenständigkeit von SAP. Bereits am Mittwoch ging es mit dem SAP-Kurs bergab. Geht die Dauerfehde mit Oracle in die Verlängerung, bleibt die Aktie unter Druck - und SAP wird noch billiger.

IT-Branche bündelt Software und Hardware

Attraktiv genug ist das Unternehmen ohnehin schon, ist es doch die einzige noch verfügbare Perle im Software-Markt. In der IT-Branche heißt die Strategie längst: den Kunden möglichst viel aus einer Hand anbieten. Konzerne wie IBM oder Hewlett-Packard bündeln Software und Hardware für Unternehmen und sehen darin neue Wachstumschancen. Andere wie Microsoft wollen ihre Palette an Softwareangeboten ausbauen. Die IT-Konzerne verfügen über ein dickes Portemonnaie - und streben Zukäufe an.

SAP passe bei einigen der großen IT-Konzerne gut ins Portfolio, sagt Tobias Ortwein vom Marktforschungs- und Beratungsunternehmen PAC. Für IBM oder Hewlett-Packard seien die Deutschen interessant. "SAP ist eine sehr attraktive Braut", sagt auch Christian Hestermann, Analyse-Chef des Marktforschers Gartner in Deutschland. Der Konzern sei im Kerngeschäft mit Abstand der weltweit führende Anbieter und verfüge über eine große und stabile Kundenbasis.

Vor allem Hewlett-Packard wird als möglicher Interessent hoch gehandelt. Der neue Chef, Leo Apotheker, war bis Anfang des Jahres Boss von SAP. "Ein Unternehmen wie IBM würde wahrscheinlich kartellrechtliche Probleme bekommen, eines wie HP dürfte an dieser Front weniger Schwierigkeiten haben", glaubt Hestermann. Erst zu Wochenbeginn hatte Apotheker bekräftigt, das Softwaregeschäft ausbauen zu wollen.

Apotheker hat - trotz der erzwungenen Trennung - noch Kredit bei den drei SAP-Gründern Hasso Plattner, Dietmar Hopp und Klaus Tschira. Sie halten 24,6 Prozent der SAP-Anteile. Von ihrem Willen wird maßgeblich abhängen, ob SAP die Eigenständigkeit behält oder verliert.

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  • Mark Hurd wurde nicht wegen einer Liebschaft geschasst. Seine Spesenabrechnung war nicht konform mit den Company Policies. Auch in Deutschland kann man fuer so etwas fristlos entlassen werden.

  • SAP ist ein weiteres beispiel für die völlig unangemessene und räuberische Rechtsprechung in den USA. 1,3 Mia Dollar Strafen für ein der Firma Oracle angeblich entgangenes Geschäftsvolumen zu verlangen, kennzeichnet den immer rigoroser und ohne Rücksicht auf das reale Wirtschaftsgeschehen operierenden juristischen Krieg der USA gegen den Rest der Welt. Die Strategie der Firma Oracle ist extrem agressiv und könnte sogar ein abgekartetes Spiel zwischen tomorrow-now und den US- Softwarefirmen sein, die tomorrow-now “betreut“.

    Weitere beispiele gibt es auf dem Gebiet der US- Produkthaftung gegen deutsche und japanische Autofirmen. Audi im Falle der behaupteten und nie nachweisbaren “sudden acceleration“ mit 50% Geschäftsrückgang durch Rufschädigung oder Toyota mit dem behaupteten bremsenversagen mit der Folge von 30% Umsatzeinbruch, das wie bekannt auf Fahrfehler der US- Kläger zurückzuführen war.

    Wer ist eigentlich Auslöser der aktuellen Weltfinanzkrise? Waren es nicht US-banken die dem Rest der Welt wissentlich faule oder toxische “Wert“-Papiere angedreht haben ? Gegen diese banken sollten wir nunmehr mit gleicher Rigorosität vorgehen. Der Rest der Welt könnte im Gegenzug auch durch entsprechende wirtschaftliche Sanktionen gegen die USA aktiv werden, wenn diese juristischen Feldzüge der USA zu offensichtlich werden…..

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