Datenschützer kritisieren Internetriesen
Yahoos Werbepläne stoßen auf Widerstand

Die Krise um den Internetgiganten Yahoo spitzt sich zu. Immer mehr Datenschutz-Organisationen und die Werbeindustrie machen offen Front gegen den Suchmaschinen-Werbevertrag mit dem Marktführer Google. Misstrauen herrscht auch in Europa.

BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Er soll kommenden Monat in Kraft treten und Yahoo bis zu einer Mrd. Dollar Mehreinnahmen pro Jahr bringen. Die Kritiker wollen die Untersagung oder strenge Auflagen durchsetzen. Ein Scheitern würde das mit sinkenden Erträgen kämpfende Unternehmen Yahoo massiv zurückwerfen. Yahoo-Aktien fielen am Freitag um 1,46 Prozent, gestern in einem schwachen Marktumfeld zu Börsenbeginn nochmal um 1,6 Prozent.

Die Partner würden über 80 Prozent des US-Marktes für Suchmaschinen-Werbung beherrschen, so die Kritiker. Außerdem wäre ein Datenaustausch möglich und der „gläserne Surfer“ praktisch Realität. Google wird einen Teil der Werbung auf Yahoo-Seiten liefern. Yahoo räumt ein, dass die Erträge aus Google-Werbung im Schnitt dreimal höher sind. Der Vertrag war für drei Monate ausgesetzt worden, um den Behörden Zeit für eine Prüfung zu geben.

Misstrauen herrscht auch in der EU, obwohl der Plan auf die USA und Kanada beschränkt werden soll. Trotzdem prüft die EU-Kommission, ob ein Verstoß gegen das Kartellverbot des EU-Vertrags vorliegen würde. Dann droht die Untersagung. Ein Sprecher von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte, es handele sich nur um Vorermittlungen. Noch sei nicht entschieden, ob ein förmliches Kartellverfahren eingeleitet werde. Allerdings: Die Kommission habe die Ermittlungen auf eigene Initiative und nicht wegen der Beschwerde eines Wettbewerbers aufgenommen, heißt es. Dass die Kartellwächter aus eigenem Antrieb im Vorfeld tätig werden, spricht für ernste Bedenken in Brüssel.

Google macht den Konkurrenten Microsoft für die aufgeheizte Stimmung verantwortlich. Microsoft wollte Yahoo für 40 Mrd. Dollar übernehmen und war gescheitert. Seitdem ist Microsoft erklärter Gegner der Werbe-Kooperationen. Sie ist aber alles, was Yahoo-Chef Jerry Yang bislang den enttäuschten Anlegern, darunter Vorstandsschreck Carl Icahn, konkret vorlegen konnte. Google liefert Schützenhilfe und geht mit einer Informationswebseite in die Offensive, um die angebliche Unbedenklichkeit für Wettbewerb und Datensicherheit zu belegen.

Yahoo hingegen scheint sich auf ein Scheitern vorzubereiten. Nach unbestätigten Medienberichten sollen erneut Verhandlungen über eine Fusion mit dem Onlinedienst AOL aufgenommen worden sein. In der Yahoo-Zentrale in Sunnyvale sind zudem Unternehmensberater von Bain einmarschiert. Ob weitere Entlassungen geplant sind, ist unklar.

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