Datenschutzabkommen
Telekom will europäisches Internet ohne Briten

Amerikanern und Briten geht es nur vordergründig um mehr Sicherheit im Internet, sagt Deutsche Telekom-Chef Rene Obermann. Es muss deshalb neu verhandelt und über eine „Schengen-Cloud“ nachgedacht werden.
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BonnDer Vorstandschef der Deutschen Telekom, Rene Obermann, hat sich für eine Neuverhandlung der Datenschutzabkommen mit den USA ausgesprochen. „Dem 'Safe-Harbor'-Abkommen wurde die Geschäftsgrundlage entzogen. Es muss neu verhandelt werden“, sagte Obermann auf einer Cyber-Konferenz der Telekom und der Münchner Sicherheitskonferenz am Montag in Bonn. Obermann regte einen sicheren Datenraum in der EU ohne Großbritannien an, dem wie den USA ein Ausspionieren der EU-Partner vorgeworfen wird. Man müsse auch über ein Schengen-Routing und eine Schengen-Cloud nachdenken, sagte er. Damit wäre Großbritannien trotz des EU-Binnenmarktes in zentralen IT-Wirtschaftsbereichen außen vor.

Obermann kündigte verstärkte Aktivitäten seines Unternehmens an, um eine sichere Kommunikation in Deutschland zu gewährleisten. „Dabei geht es nicht um eine Nationalisierung des Internets“, betonte er mit Hinweis auf Ideen, den Email-Verkehr zwischen deutschen Absendern und Adressaten nur noch innerhalb deutscher Grenzen abzuwickeln. Solche Regeln gebe es in anderen Ländern seit langem.

Zu den Abhörvorwürfen gegen den US-Geheimdienst NSA sagte Obermann, es gehe längst nicht mehr nur um Sicherheit. Die Spionage diene vielmehr handfesten politischen und wirtschaftlichen Interessen. „Wir erleben letztlich die Aushöhlung des fairen Wettbewerbs“, monierte der Telekom-Chef. Europa müsse eine Koalition für Vertrauenswürdigkeit aufstellen. Es sei ein Unding, dass sich Wirtschaftsspionage unter EU-Partnern immer noch nicht ausschließen lasse. Wenn einzelne EU-Staaten ein entsprechendes Abkommen verweigern würden, „wäre dies noch ein größerer Skandal“, sagte Obermann, ohne Großbritannien mit Namen zu nennen.

Zudem will die Telekom Unternehmen besser vor Wirtschaftsspionage und anderen Bedrohungen aus dem Internet schützen. Der Konzern arbeite an einer technischen Lösung unter dem Schlagwort „Clean Pipe“ (englisch für „saubere Leitung“), die sich speziell an mittelständische Unternehmen richte, sagte ein Telekom-Sprecher am Montag in Bonn am Rande einer Internet-Sicherheitskonferenz. Die Lösung solle dafür sorgen, dass auch bei Mittelständlern „ein Schutzniveau aufgebaut werden kann, das sich bislang nur Großkonzerne leisten können“.

Mit „Clean Pipe“ übernehme die Telekom für mittelständische Unternehmen Aufgaben, die bei Großunternehmen Spezialisten erledigten, sagte der Telekom-Sprecher. Das Produkt für Sicherheit im Datenverkehr funktioniere „ähnlich wie ein Wasserfilter, der Wasser vor dem Trinken von Schadstoffen reinigt“. Derzeit werde „Clean Pipe“ in einer Pilotphase von zwei mittelständischen Unternehmen getestet. Ein Termin für einen Verkaufsstart sei noch nicht bekannt.

Die Clean-Pipe-Lösung bestehe aus einer Reihe von Komponenten, die den Internet-Verkehr für Unternehmen sicherer machten, sagte der Telekom-Sprecher. Die Firmen würden mit einem „Hochleistungs-Router“ aus deutscher Fertigung ausgestattet, mit denen sie an das Internet angebunden würden. Die Daten selbst würden über verschlüsselte Leitungen übertragen. Auf Telekom-Rechnern im Internet wachten dann spezielle Programme über die Sicherheit im Datenverkehr, sagte der Konzernsprecher.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Datenschutzabkommen: Telekom will europäisches Internet ohne Briten"

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  • "... ohne Briten"

    Schön wär's. Mit dem Abhörskandal hat sich GB endgültig aus Europa verabschiedet.

  • Ich kaufe jetzt auch nur noch deutsche Produkte, und sind die noch so Sch***., jawoll.
    Aber bei google darf ich weiter suchen? Es gibt nämlich keine vergleichbare Suchmaschine, weder in Deutschland noch im Rest der EU. Und selbst die deutsche Suche ist schon durchseucht mit Stoppwörtern und Hinweisen von Sperrungen. Der Marktanteil der Suche liegt bei 90%, selbst die Telekom nutzt den Datenfundus von Google, und sämtliche Online-Printausgaben der Presse schalten Google Werbeanzeigen. War wohl nix mit "Deutschnet".
    Die Telekom wird ihrem Ruf nach Drosselkom wirklich in jeder Hinsicht gerecht, und macht so das Netz erstmal teurer, die Peering-Partner werden dann selbstverständlich die deutschen Zwangspreise zahlen müssen. Und der beste Effekt kommt noch, wir überwachen unsere Bürger selbst, ätsch!

  • Die Pläne der Telekom einen Sicherheits Schutzwall im Kontinental Europa zu errichten sind sympathisch und machen einen Rückwechsel zur telekom hin wieder interessant. Und ganz besonders in dem Fall, in dem eventuell Kabel Deutschland amerikanisch werden sollte. Von "Big Brother" sollte man künftig einen grossen Abstand halten, egal ob Firma oder Privatperson.

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