Datenschutzaffären weiten sich aus
Telekom arbeitete mit Bahn-Spitzeln

Nicht nur die Deutsche Bahn, sondern auch die Deutsche Telekom hat nach Informationen des Handelsblatts mit der umstrittenen Detektei Argen zusammengearbeitet. Die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigte Geschäftsverbindungen zwischen der Telekom und Argen und entdeckt immer mehr Parallelen.

DÜSSELDORF. In der Affäre um den Missbrauch von Telefondaten, Bankdaten und anderen geschützten Informationen haben die Deutsche Telekom und Deutsche Bahn auffallend ähnlich agiert. Obwohl sich die Deutsche Bahn offiziell dagegen verwahrt, mit der Spitzelaffäre der Telekom in Verbindung gebracht zu werden, nutzten beide Konzerne dieselben Dienstleister: die Detekteien Network Deutschland in Berlin und die Detektei Argen in Köln. Beide sind ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

Die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigte Geschäftsverbindungen zwischen der Telekom und Argen. „Im Rahmen der Ermittlungen zur Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom haben wir auch bekanntgewordene Kontakte zwischen Argen und der Telekom überprüft“, sagt Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel dem Handelsblatt. Damit mehren sich die Parallelen zwischen den beiden Bundeskonzernen. Die Deutsche Bahn gab vor kurzem zu, mit der von der Telekom eingesetzten Detektei Network Deutschland zusammengearbeitet zu haben, gegen die die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt.

Die Ermittler finden nun zunehmend Parallelen. Die Behörde hatte Anfang vergangenen Jahres die Telekom-Büros durchsucht und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt. Anlass dafür war die sogenannte Spitzelaffäre, in der die Telekom Telefonate von Journalisten und Aufsichtsräten abgeglichen hat. Hier kam zum ersten Mal die Firma Network ins Spiel. Im Zuge ihrer Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft aber auch alle externen Dienstleister überprüft, die regelmäßig für die Sicherheitsabteilung der Telekom gearbeitet haben – und traf auf Argen.

Die Telekom habe Argen eingeschaltet, um neue Vertragspartner und Kandidaten für das mittlere und gehobene Management zu überprüfen, heißt es im Umfeld des Konzerns. Solche Screenings sind bei Unternehmen offenbar durchaus üblich. Das brisante im Fall der Telekom ist aber der Ruf von Argen: In der Branche heißt es, die Detektive dort „laufen nicht gerade mit der Strafprozessordnung in der Tasche durch die Gegend“. Wer Argen engagiere, sei vor allem am Ergebnis der Personenüberprüfung interessiert und wolle von den Methoden nichts wissen. Ein Telekomsprecher nahm nicht Stellung.

Argen bestreitet, jemals für die Deutsche Telekom oder die Deutsche Bahn gearbeitet zu haben. Man habe auch nie illegal Kontobewegungen ermittelt. Auch Network-Geschäftsführer Ralph Kühn behauptete, keine Bankdaten der Bahn erhalten zu haben. In einem Gesprächsprotokoll des Konzerns mit Datenschutzbeauftragten aber heißt es zum Network-Projekt „Rubens/TOPRO“: „Untersucht wurden ferner private Geld- und Kontenbewegungen“. Network war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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