Mark Zuckerberg

Im Facebook-Datenskandal stellt sich Gründer und Chef am Dienstag und Mittwoch Fragen im US-Kongress.

(Foto: Reuters)

Datenskandal 9 Fragen, denen sich Facebook-Chef Zuckerberg im US-Kongress stellen muss

Facebook-Chef Mark Zuckerberg muss am Dienstagabend das erste Mal vor US-Abgeordneten aussagen. Die Politiker warten mit harten Fragen auf ihn.
3 Kommentare

Zuckerberg: „Mehr Sicherheit bringt mehr Gewinn für Facebook“

Zuckerberg: „Mehr Sicherheit bringt mehr Gewinn für Facebook“

San FranciscoFacebook-Chef Mark Zuckerberg muss sich wegen des Datenskandals in dieser Woche gleich zwei Mal dem US-Kongress stellen. Obwohl das Soziale Netzwerk den Zugriff auf Nutzerdaten von Drittanbietern eingedämmt hat und Zuckerberg ein schriftliches Schuldeingeständnis verfasst hat, muss sich der Milliardär auf kritische Fragen sowohl von demokratischen als auch republikanischen Abgeordneten einstellen.

Die Parlamentarier haben sich bereits unzufrieden darüber geäußert, wie Facebook im vergangenen Jahr mit Vorwürfen umgegangen ist, dass russische Fake-Profile über das Netzwerk in die Präsidentschaftswahl 2016 eingegriffen haben.

Und trotz aller Beteuerungen ist es Facebook bisher nicht gelungen, Fake News und sogenannte Trollfabriken, die im Auftrag von Staaten mit Fake-Profilen die Meinungen von Nutzern beeinflussen sollen, von seiner Plattform zu verbannen. Auch ein Grund, warum Zuckerberg mit dem Vorsatz ins Jahr gestartet war, Facebook zu „reparieren“.

Nun kommt auch noch der Fall Cambridge Analytica hinzu. Zuckerberg versucht zwar eifrig, Schadensbegrenzung zu betreiben. Trotzdem kann der Konzern immer noch nicht genau sagen, wie viele Nutzerdaten von der britischen Datenfirma und anderen abgegriffen wurden. Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell von gut 70 Millionen Amerikaner. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten.

Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Daten-Weitergabe – gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt.

Zuckerberg hatte bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten Fehler eingeräumt. Facebook hat auch neue Maßnahmen zum Schutz der Nutzerdaten angekündigt. Zudem unterstützt der Konzern ein neues US-Gesetz, nachdem Urheber politischer Werbung klar gekennzeichnet werden müssen.

Am Montag wurde Zuckerbergs vorbereitetes Statement, mit dem er vor dem US-Kongress punkten will, veröffentlicht (hier sind seine wichtigsten Punkte). Am Dienstag ab 20.15 Uhr deutscher Zeit muss Zuckerberg vor einer gemeinsamen Sitzung der Senatsausschüsse für Justiz und Handel aussagen. Am Mittwoch (16 Uhr deutscher Zeit) erwartet ihn dann das Komitee für Energie und Handel des Repräsentantenhauses. Diesen Fragen muss sich Zuckerberg wohl stellen:

Warum sollten Nutzer Facebook ihre Daten noch anvertrauen?

Zuckerbergs derzeit wohl größte Herausforderung ist es, das Vertrauen in seine Plattform wiederherzustellen. Nicht nur unter den Abgeordneten herrscht der Eindruck, dass Facebook seine Geschäftsinteressen über seine gesellschaftliche Verantwortung gestellt hat.

In der vergangenen Woche entfernte Facebook ein langjähriges Feature, bei dem Nutzer Telefonnummern oder E-Mail-Adressen in die Suche der Plattform eingeben konnten, um Bekannte zu finden. Über diesen Weg seien von Drittparteien missbräuchlich Informationen abgegriffen worden. Aber die Politiker dürften die Frage stellen, ob Facebook nicht schon länger gewusst haben muss, wie sein Netzwerk und bestimmte Funktionen genutzt – und missbraucht – wurden.

„Wir haben nicht weit genug geblickt, was unsere Verantwortung betraf, und das war ein riesiger Fehler. Es war mein Fehler“, sagte Zuckerberg in der Telefonkonferenz mit Journalisten. „Jetzt fassen wir unseren Blick weiter.“ Einige Abgeordnete dürften aber mehr als eine persönliche Entschuldigung erwarten. Sie werden Zusicherungen fordern, dass sich die aktuelle Situation zur anstehenden Kongresswahl im Herbst nicht wiederholt. Der republikanische Senator John Kennedy brachte am Sonntag bereits eine härte Regeln ins Spiel. Es gehe um die Frage, ob den Nutzern die Daten gehörten, ob sie das Recht hätten, sie löschen zu lassen, und ob sie einem Verkauf zustimmen müssten.

Wie viele Nutzerdaten könnten sich in den Händen von Russen befinden?

Zuckerberg hat bereits erklärt, dass er Fragen dazu nicht beantworten kann. Ähnlich haben sich Firmenvertreter bei Treffen hinter verschlossen Türen gegenüber Politikern geäußert. Bei einer öffentlichen Anhörung wird es aber schwerer, diese Frage einfach beiseite zu wischen.

„Wir werden es nicht schaffen, jeden einzelnen Datenmissbrauch aufzudecken. Was wir aber tun können, ist, diesen Missbrauch in Zukunft zu erschweren“, sagte Zuckerberg in der vergangenen Woche. „Ich denke, wir werden einen großen Teil der üblen Aktivitäten aufdecken.“

Ein Problem für Facebook: Selbst wenn das Schleusentor geschlossen wird, durch das bisher Daten abgeflossen sind, befinden sich weiterhin riesige Datensätze auf dem Markt. Und das Unternehmen kann nicht genau sagen, in wessen Händen.

Zuckerberg hat angekündigt, den Datenmissbrauch in Zukunft zu erschweren. Aber Abgeordnete wie der demokratische Senator Richard Blumenthal werden Details von ihm dazu hören wollen.

Sollte Facebook nicht viel stärker reguliert werden?

Zuckerberg lobte in der vergangenen Woche die neue europäische Datenschutzgrundverordnung. Außerdem unterstütze Facebook nun auch das Gesetz für sogenannte „Ehrliche Werbung“, das Abgeordnete beider Parteien eingebracht haben. Dabei soll bei politischen Anzeigen klar gekennzeichnet werden, wer dafür bezahlt hat.

Die demokratische Senatorin Amy Klobuchar, die die Gesetzesvorlage eingebracht hat, gehörte zu den ersten, die eine Anhörung von Zuckerberg verlangte. Sie fordert einheitliche Standards für die Offenlegung, wie Wahlkampfgelder eingesetzt werden. Für Facebook und andere Plattformen sollten dabei die Vorschriften gelten, wie sie bereits bei traditionellen Medien in Kraft sind.

Zuckerberg wird sich auch der Frage stellen müssen, ob sein Konzern gegen eine Datenschutzvereinbarung mit der Aufsichtsbehörde FTC aus dem Jahr 2011 verstoßen hat. Firmenvertreter haben das bisher immer abgestritten. Die Kommission hat in dem Fall bereits eine Ermittlung gestartet.

Warum hat Facebook auf den Datenmissbrauch nicht schneller reagiert?

Bereits 2015 gab es Berichte, dass das Team des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ted Cruz psychologische Daten von Cambridge Analytica einsetzte, die ohne das Wissen der Nutzer von Millionen Facebook-Profilen abgeschöpft wurden. Auf Zuckerberg dürften pointierte Fragen zu Dokumentation und Rechnungsprüfung bei Facebook warten.

Thema dürfte auch sein, warum das Unternehmen erst drei Jahre und zahlreiche Medienberichte später Gegenmaßnahmen ergriffen hat. Die Abgeordneten werden herausfinden wollen, was Konzernvertreter wussten, wann sie davon Kenntnis erhielten und warum sie die Öffentlichkeit nicht eher informiert haben.

Wie viele Trollfabriken veröffentlichten im Wahlkampf 2016 gefälschte Inhalte?

Facebook hat Details zu irreführender Werbung und betrügerischen Inhalten veröffentlicht, die eine prorussische Gruppe namens Internet Research Agency während des Wahlkampfs einsetzte. Unklar ist, ob auch andere Trollfabriken aktiv waren.

Demokratische Abgeordnete fürchten, dass Facebook nicht gründlich genug aufgedeckt hat, ob andere Gruppen Teil einer russischen Kampagne waren, die Donald Trump helfen und Hillary Clinton schaden wollten. Besonders Mark Warner, oberster Demokrat im Geheimdienstausschuss des Senats, liegt das Thema am Herzen. Der Vorsitzende des Ausschusses, der Republikaner Richard Burr, hat noch nicht entschieden, ob er Zuckerberg und andere Spitzenmanager vorlädt.

Wird Facebook sich verpflichten, Gewinne nicht über den Schutz der Nutzer zu stellen?

Als Privatunternehmen ist Facebook auf die Einnahmen durch zielgerichtete Werbung und auf aktive Nutzer angewiesen. Das lässt sich nicht immer mit den Forderungen nach mehr Datenschutz und dem Kampf gegen irreführende oder falsche Inhalte übereinbringen.

Zuckerberg erklärte gegenüber Journalisten, dass die Interessen der Nutzer langfristig auch die des Unternehmens sind. Er verteidigte aber gezielte Anzeige, da die Nutzer so für sie relevantere Werbung angezeigt bekämen. Um dieses Thema wird es in vielen Fragen an Zuckerberg gehen. Der republikanische Senator John Kennedy kündigte am Sonntag an, er wolle mehr über die Algorithmen wissen, mit denen Facebook steuert, welche Posts die Nutzer angezeigt bekommen. Er fürchte, die Themen Datenschutz und Propaganda seien „zu groß, dass Facebook sie alleine lösen kann“.

Warum hat Facebook seine Nutzer nicht offensiver benachrichtigt?

Der Konzern hat versprochen, die Nutzer zu informieren, die mit der russischen Propaganda der Internet Research Agency über Likes oder Shares interagiert haben. Einige Abgeordnete fordern aber, dass die viel größere Zahl der Menschen benachrichtigt werden sollte, denen diese Inhalte angezeigt wurde. Facebook hat ebenfalls angekündigt, die schätzungsweise 87 Millionen Menschen zu informieren, auf deren Daten von Cambridge Analytica zugegriffen wurde.

Könnte der Kampf gegen Fake News ein Vorwand für Zensur sein?

Republikanische Politiker wie der ehemalige Präsidentschaftskandidat Ted Cruz haben sich besorgt gezeigt, dass soziale Netzwerke unter dem Vorwand des Kampfes gegen Fake News konservative Inhalte sperren oder weniger sichtbar machen. Bei einer früheren Anhörung wollte Cruz von den Anwälten von Facebook und anderen Internetkonzernen wissen, ob es politische Präferenzen gebe und ob sie sich als neutrale Plattform verstehen.

Ist Facebook zu groß, um von einer Person geführt zu werden?

Facebook hat versprochen, Missbrauch in seinem weltweiten Netzwerk zu verhindern. Bisher ist das aber nur eingeschränkt gelungen. Zuckerberg hat bei wichtigen Unternehmensfragen die alleinige Entscheidungsgewalt. Das wirft die Frage auf, ob er der Verantwortung gewachsen ist.

Der Republikaner John Kennedy hat bei früheren Gelegenheiten erklärt, Facebook sie so groß geworden, dass es eher ein eigener Staat sei als nur eine Firma. Trotzdem gilt es als unwahrscheinlich, dass die US-Politik hier den Druck erhöht. Die Republikaner lehnen schärfere Gesetze für Privatunternehmen ab; viele Demokraten stehen dagegen auf der Seite der Techbranche.

Barley: „Facebooks Prinzip friss oder stirb werden wir nicht akzeptieren“

Barley: „Facebooks Prinzip friss oder stirb werden wir nicht akzeptieren“
Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • Bloomberg
  • opl
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Datenskandal - 9 Fragen, denen sich Facebook-Chef Zuckerberg im US-Kongress stellen muss

3 Kommentare zu "Datenskandal: 9 Fragen, denen sich Facebook-Chef Zuckerberg im US-Kongress stellen muss"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ausführlich und extrem interessant dazu: Der „Presseclub“ letzten Sonntag (wdr.de/daserste/presseclub/sendungen/facebook-198.html)

    Zum heutigen Gastkommentar auf der letzten Seite (und handelsblatt.com/my/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-wie-blockchain-die-vormacht-der-datenkraken-facebook-google-und-co-sprengen-kann/21157030.html), Überschrift:

    „Wie Blockchain die Vormacht der Datenkraken Facebook, Google und Co. sprengen kann -
    Die Blockchain-Technologie kann Verbraucher stärken und digitale Konzerne in die Schranken weisen. Google, Facebook und Co. gefällt das gar nicht.“:

    Wenn man in o.g. Presseclub-Sendung erfährt*, dass sich Fake-News sechs mal schneller verbreiten als wahrheitsgemäße Informationen (und welch weitreichende Auswirkungen sie haben), halte ich das für eine sehr gute Idee.

    Eine dort ebenfalls zur Sprache gekommen Art zertifizierte „Super-Mediathek“ (bzw. eine Art Supra-Datenbank für alle gesicherten bzw. „verifizierte“ Nachrichten und Informationen) übrigens auch.


    *Hier die betreffenden Passagen aus o.g. Sendung:

    Markus BeckedahL: „(…) Das hat Facebook ohne demokratische Kontrolle gemacht, uns die Welt so zu präsentieren, wie der Algorithmus das macht (…).“

    Ranga Yogeshwar: „(…) Wir leben in einer Zeit, wo die Kommunikationsgrammatik anders geworden ist. Vor 4 Wochen gab es eine sehr gute Untersuchung über Twitter. Von einer amerikanischen Universität. Einer Elite-Universität. Twitter kennt vielleicht der ein oder andere. Was deutlich wird ist, … Wir merken, diese neue Form der Kommunikation scheint nicht neutral zu sein. Sondern sie scheint bestimmte Arten zu bevorzugen. Das Medium an sich verstärkt z.B. Fake News. Fake News über Twitter verbreiten sich 6-mal schneller als wahre Nachrichten. Und werden dadurch zum Geschäftsmodell. Sowohl bei Twitter als auch bei Facebook steht ein Geschäftsmodell. Und das heißt Werbung. D.h., in erster Linie. Bleibe möglichst lange auf meiner Plattform. Damit ich Dir möglichst lange Werbung (...)."

  • Und hier behaupten immer noch die Trolle, es hätte nie eine Einmischung der Russen gegeben. Manchmal hat man dieses Trump-Putin-Theater wirklich satt.

  • Der nette Herr Zuckerberg, die sich dumm stellte, als Mr. Musk ihn auf die gefahren der K.I hingewiesen hat, bekommt wohl nun doch noch die Rechnung dafür, dass der mit seiner Datenkrake das Geld zusammen bekommen wollte, um die Menschheit mit seinen K.I. Systemen zu versklaven.

    Offensichtlich hat man doch dazu gelernt, denn was Einstein der Menschheit angetan hat, darf sich nicht wiederholen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%