Datenskandal Auf Facebook wartet am Mittwoch die erste Nagelprobe

Am Mittwoch legt Facebook seine Quartalszahlen vor. Dann wird sich zeigen, ob sich der Datenskandal auf den Unternehmenserfolg ausgewirkt hat.
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Der Facebook-Chef musste sich in der vergangenen Woche vor den Abgeordneten erklären. An Vertrauen hat das Unternehmen im Zuge des Datenskandals jedenfalls eingebüßt; ob sich das auf die Unternehmenszahlen auswirkt, zeigt sich am Mittwoch. Dann werden die Quartalszahlen veröffentlicht. Quelle: dpa
Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress

Der Facebook-Chef musste sich in der vergangenen Woche vor den Abgeordneten erklären. An Vertrauen hat das Unternehmen im Zuge des Datenskandals jedenfalls eingebüßt; ob sich das auf die Unternehmenszahlen auswirkt, zeigt sich am Mittwoch. Dann werden die Quartalszahlen veröffentlicht.

(Foto: dpa)

Menlo ParkFacebook muss den ersten Lackmustest nach dem Datenskandal bestehen. Am Mittwochabend gibt das weltgrößte soziale Netzwerk Einblick in seine Quartalszahlen. Dann zeigt sich erstmals schwarz auf weiß, ob der Missbrauch von Informationen von bis zu 87 Millionen Facebook-Mitgliedern unmittelbare Konsequenzen nach sich zieht.

Die Affäre hat Kritiker weltweit auf den Plan gerufen und bereits zu Ermittlungen in den USA geführt. Kürzlich leitete auch der Hamburger Datenschutzbeauftragte ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den US-Konzern ein.

Während der Datenskandal die Gemüter von Politikern und Nutzern erhitzt, geben sich Analysten und Investoren relativ gelassen. „Das Umsatzwachstum sollte weiterhin hoch sein. Ich erwarte nicht, dass der Datenskandal einen negativen Einfluss im vergangenen Quartal hatte“, sagt Markus Golinski von der deutschen Fondsgesellschaft Union Investment, die in kleinerem Umfang in Facebook investiert ist. Der Datenmissbrauch sei auch erst in den letzten Wochen des Quartals bekanntgeworden.

Besonders im Blick haben Analysten die Nutzerzahlen und Kosten des Unternehmens aus Menlo Park. „Ich rechne damit, dass es unter dem Strich in irgendeiner Form Auswirkungen wegen der Veränderungen beim Datenschutz und den Negativschlagzeilen nach den jüngsten Affären gibt. Es ist wahrscheinlich, dass einige Mitglieder die Plattform verlassen oder seltener besucht oder anders genutzt haben und das wird sich direkt auf die Werbeeinnahmen auswirken“, prognostiziert Gartner-Experte Brian Blau.

Im Weihnachtsquartal kamen 98 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf von Anzeigen, größtenteils für Werbung auf mobilen Geräten.

Trotz der Unsicherheiten gehen Analysten im Schnitt davon aus, dass der Konzern mit weltweit mehr als zwei Milliarden Mitgliedern sein Wachstum ungebremst fortsetzt hat. Ihren Schätzungen zufolge kletterte der Umsatz von Januar bis März um etwa 40 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar und der Gewinn um fünf Prozent auf rund vier Milliarden Dollar. Spannend wird sein, wie Facebook selbst auf das laufende zweite Quartal blickt.

Besonders viel Geld verschlingt derzeit der Stellenaufbau. Bis Jahresende soll sich die Zahl der Menschen auf 20.000 verdoppeln, die sich mit dem Thema Sicherheit und mit dem Bekämpfen von Hassrede und gefälschten Konten beschäftigen. Angesichts der diversen Brandherde - vom Skandal über russische Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf und die Einführung der viel beachteten EU-Datenschutz-Grundverordnung -dürfte Facebook weitere Veränderungen hintenanstellen.

Nach der Zusicherung von Firmenchef Mark Zuckerberg, dass es immer eine kostenlose Facebook-Version geben wird, wird viel darüber spekuliert, ob bald eine Bezahlvariante des Dienstes auf den Markt kommt. Facebook werde ein Abomodell oder andere Produktneuheiten erst anbieten, wenn sich ihre Datenschutz-Anstrengungen ausgezahlt haben, sagt Gartner-Experte Blau.

Am Aktienmarkt hat sich die Aufregung nach dem Datenskandal bereits gelegt und die Facebook-Aktie wieder erholt. Analysten der Deutschen Bank rechnen sogar damit, dass die Veröffentlichung der Quartalszahlen für neue Impulse sorgen könnte, sollten sich die Nutzerzahlen in Nordamerika trotz aller Unkenrufe positiv entwickelt haben.

Neben Facebook veröffentlichen auch die Google-Mutter Alphabet, Twitter sowie Amazon, Microsoft und Intel in der Woche ihre Quartalsberichte. Von Interesse wird sein, ob sie sich zur Umsetzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DGSVO) äußern und wie sich ihr Cloud-Geschäft zum Jahresstart entwickelt hat.

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