Datenskandal
Telekom überprüfte 100 000 Mitarbeiter

Im Kampf gegen die Korruption hat auch die Deutsche Telekom die Kontodaten von Mitarbeitern und Lieferanten verglichen. Über 100 000 Angestellte wurden überprüft ohne sie zu informieren. Experten werten die Abgleiche als rechtlich zulässig. International seien solche Überprüfungen üblich.

DÜSSELDORF. Wie die Deutsche Bahn hat auch die Deutsche Telekom Kontodaten von Mitarbeitern und Lieferanten verglichen. Rechtsexperten sehen darin jedoch keinen Gesetzesverstoß. Im Gegenteil: Die internationalen Bilanzierungsrichtlinien "International Standards of Accounting" sähen genau solche Überprüfungen als Mittel im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität vor, erklärten Datenschützer gestern.

Die Telekom räumte am Dienstag ein, 2006 die Kontonummern von 100 000 Mitarbeitern der Festnetzsparte und der Konzernzentrale mit denen von Lieferanten verglichen zu haben. Dadurch wollte die Führung herauszufinden, ob jemand fingierte Aufträge an sich selbst ausstellt. Die Telekom hatte den Betriebsrat und den eigenen Datenschutzbeauftragten darüber informiert. Die erhobenen Daten hat sie nach eigenen Angaben anschließend gelöscht, die Vergleiche anonymisiert durchgeführt. Anders als die Deutsche Bahn beauftragte die Telekom keinen externen Dienstleister mit den Vergleichen, sondern führte sie selbst durch.

Der Bonner Konzern gibt an, seine Wirtschaftsprüfer hätten dazu geraten, den Abgleich zur Korruptionsbekämpfung einzusetzen. Die Telekom wird von Pricewaterhouse Coopers und Ernst & Young geprüft. Die Gesellschaften wollten sich auf Anfrage zu dem Thema nicht äußern.

In der Branche heißt es jedoch, solche Überprüfungen seien durchaus üblich. Das gelte vor allem für Unternehmen, die in den USA an der Börse gelistet sind - wie die Deutsche Telekom. Sie ist mit ihrer Mobilfunktochter T-Mobile in den USA vertreten. Jenseits des Atlantiks gelten strenge Anti-Betrugs-Bestimmungen. Sie sind Teil des Sarbanes-Oxley-Act, der 2002 in Folge der Bilanzskandale von Enron und Worldcom ins Leben gerufen wurden.

"International sind solche Überprüfungen durchaus üblich", sagt Christian Hamann, Datenschutzexperte der Kanzlei Gleiss Lutz. Das deutsche Bundesdatenschutzgesetz lässt den Unternehmen bei der Frage viel Spielraum. Dort heißt es nur, die Nutzung von Mitarbeiterdaten sei erlaubt, wenn ein Unternehmen ein berechtigtes Interesse daran habe und eine Interessensabwägung ergäbe, dass das Schutzinteresse der Arbeitnehmer nicht überwiege.

"Im Fall der Telekom liegt ein berechtigtes Interesse auf der Hand", sagt Experte Hamann. Fraglich sei allerdings, ob man den Kreis der betroffenen Mitarbeiter nicht hätte eingrenzen sollen und etwa nur diejenigen überprüfen, die auch tatsächlich mit der Auftragsvergabe zu tun hätten. Es sei auch zu überlegen, ob man die Mitarbeiter nicht hinterher hätte informieren sollen. Das hat die Telekom ebenso wie die Deutsche Bahn nicht getan.

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