Datenskandal US-Behörde FTC leitet offenbar Ermittlungen gegen Facebook ein

Der Druck auf Facebook im Datenskandal steigt. Nach den britischen Behörden soll jetzt auch die US-Aufsicht FTC gegen den Konzern ermitteln.
Update: 20.03.2018 - 17:12 Uhr 3 Kommentare

Datenaffäre erschüttert Facebook – Welche Folgen hat der Skandal?

Datenaffäre erschüttert Facebook – Welche Folgen hat der Skandal?

New YorkDie US-Verbraucherschutzbehörde FTC startet offenbar eine Ermittlung gegen Facebook wegen Datenmissbrauch. Dass berichtet der Finanzdienst Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf Insider.

Im Kern gehe es bei den Ermittlungen darum, ob das weltgrößte Internetnetzwerk der Datenanalysefirma Cambridge Analytica erlaubt habe, an einige Nutzerinformationen zu gelangen, obwohl dies gegen die Richtlinien verstoße, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Agentur am Dienstag. Die FTC war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Im Falle einer Verurteilung würde Facebook eine hohe Geldstrafe drohen.

Gründer und Chef Mark Zuckerberg und seine rechte Hand Sheryl Sandberg würden sich erst zu dem Fall äußern, wenn interne Untersuchungen abgeschlossen seien, berichtete Bloomberg.

Anleger zeigten sich verunsichert. Sie befürchten schärfere Auflagen für Facebook, die es dem Konzern erschweren könnten, seine Werbemaschinerie am Laufen zu halten. Die Facebook-Aktie setzte am Dienstag ihre Talfahrt fort und büßte an der Wall Street mehr als sechs Prozent ein, nachdem sie zu Wochenbeginn bereits fast sieben Prozent verloren hatte. Mit zuletzt 162,16 Dollar markierten die Papiere den niedrigsten Stand seit September vorigen Jahres.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica illegal an einige Informationen von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern gekommen war. Um sie zu sammeln, hatte ein Professor eine Umfrage zu Persönlichkeits-Merkmalen aufgesetzt, die bei Facebook als wissenschaftliche Forschung angemeldet wurde. Die Daten gingen dann ohne Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica.

Facebook sperrte die Analyse-Firma aus, weil sie die unrechtmäßig erhaltenen Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht habe. Allerdings zeigen sich Politiker entsetzt, dass es für Cambridge Analytica überhaupt möglich war, leicht nicht nur an Informationen der Nutzer zu kommen, die sich an der Umfrage beteiligt hatten, sondern auch von deren Freunden.

Bundesjustizministerin Katarina Barley forderte Facebook auf, zu erklären, wie es die Privatsphäre seiner Nutzer künftig besser schützt. „Wenn die persönlichsten Interessen von Millionen Facebook-Nutzern für die Trump-Kampagne ausgeforscht wurden, dann ist das eine neue Qualität des Missbrauchs persönlicher Daten“, sagte Barley der „Passauer Neuen Presse“.

Die britische Datenschutzbehörde beantragte einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale von Cambridge Analytica. Die Firma habe innerhalb einer gesetzten Frist nicht auf eine Anfrage reagiert, so dass die Behörde nun gerichtlich versuche, auf den Systemen der Beratungsfirma Beweise zu sichern, wie das Information Commissioner's Office (ICO) britischen Medien zufolge mitteilte.

Facebook habe eine eigene Untersuchung bei der britischen Firma, zu der Berichten zufolge Facebook-Analysten nach London gereist waren, auf Wunsch der Behörde abgebrochen. „Solch eine Suche hätte das Potenzial, eine behördliche Untersuchung zu gefährden“, sagte eine Sprecherin der Datenschutzbeauftragten Elizabeth Denham dem „Guardian“.

In Irland kündigte die zuständige Datenschutzbehörde an, bei Facebook nachzufassen, ob der Konzern die Nutzung von Daten durch App-Entwickler hinreichend kontrolliert. Wie viele andere US-Großkonzerne hat Facebook seinen europäischen Hauptsitz in Irland.

Europäische wie auch US-amerikanische Abgeordnete verlangten eine umgehende Erklärung, wie Cambridge Analytica an die Daten gelangt ist und warum Facebook es versäumte, seine Nutzer darüber in Kenntnis zu setzen. In den USA forderte unter anderem Senator John Kennedy Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf, dem Kongress zu den Aktivitäten seines Konzerns Frage und Antwort zu stehen.

Cambridge Analytica geriet weiter unter Druck, nachdem ihr Chef vor versteckter Kamera mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten geprahlt haben soll. Ein Reporter des britischen Senders Channel 4 hatte sich für den Vertreter eines potenziellen reichen Kunden ausgegeben, der für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in Sri Lanka sorgen wolle. Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben soll.

Der Undercover-Reporter traf sich mit Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix und anderen Top-Managern mehrfach in Londoner Hotels von November 2017 bis Januar 2018. An einer Stelle antwortete Nix dem Channel-4-Bericht zufolge auf die Frage nach der Möglichkeit, negative Informationen über politische Opponenten zu beschaffen, seine Firma könne „Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken“. Ukrainerinnen seien „sehr schön, ich finde, das funktioniert sehr gut“.

Eine weitere Vorgehensweise sei, einem Kandidaten viel Geld für seinen Wahlkampf anzubieten, zum Beispiel mit Land als Gegenleistung - und das ganze auf Video aufzunehmen und später zu veröffentlichen.

Cambridge Analytica erklärte am späten Montag, der Bericht sei irreführend zusammengeschnitten, die Darstellung entspreche nicht der Vorgehensweise der Firma und versuche, den Spieß umzudrehen: Man führe routinemäßig Unterhaltungen mit potenziellen Kunden, um bei ihnen mögliche unethische oder illegale Absichten aufzudecken. Nix erklärte dem „Wall Street Journal“, er habe lediglich in der Konversation „mitgespielt“ und bereue das.

Bei Facebook rumort es unterdessen. Die „New York Times“ berichtete, dass der in Fachkreisen angesehene Sicherheitschef Alex Stamos Facebook verlassen wolle. Er habe sich dafür eingesetzt, offener über die russische Einmischung in den US-Präsidentenwahlkampf 2016 zu informieren, sei aber von anderen Managern abgebügelt worden, schrieb die Zeitung.

Stamos habe bereits im Sommer 2016 erste Untersuchungen eingeleitet und zum November klare Hinweise auf die Einmischung aus Russland gehabt. Die Firmenführung habe jedoch damit gezögert, die Informationen öffentlich zu machen. Erst nach Untersuchungen im US-Kongress räumte das Online-Netzwerk schrittweise ein, dass 150 Millionen Nutzer von Facebook und Instagram mit politischer Propaganda aus Russland in Berührung gekommen sein dürften.

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3 Kommentare zu "Datenskandal: US-Behörde FTC leitet offenbar Ermittlungen gegen Facebook ein"

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  • In den USA kommt die Polizei, hier der runde Tisch mit Gesappel.

  • Nutzte Obama nicht ebenfalls die Facebook Daten in der gleichen Art und Weise?

  • Frage: Was ist schlimmer, als falsche Abgaswerte?
    Antwort: ein Datenleck!

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