David Choe: Mit einem Graffiti zum Facebook-Millionär

David Choe
Mit einem Graffiti zum Facebook-Millionär

Eigentlich fand er das soziale Netzwerk lächerlich. Doch dann erwachte der Zocker in David Choe und er ließ sich für ein Kunstwerk in der Facebook-Zentrale mit Firmenanteilen bezahlen. Und nun hat er ein Problem.
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Hübsche Frauengesichter, himmelhohe Wolkenkratzer, hängende Astronauten. Einem Frauenkopf wächst die futuristische Metropole aus dem hoch toupierten Haar. An ihm hängt ein Raumfahrer. Die raumgreifenden Graffiti des David Choe zieren mit ihren schreienden Farben die Wände im Headquarter von Facebook im kalifornischen Menlo Park.

Doch hier haben sich keine jugendlichen Sprayer ausgetobt. Wenn das soziale Netzwerk mit rund 900 Millionen Usern an die Börse geht, werden die Bilder zu den teuersten Kunstwerken der Welt gehören.

Im Jahr 2005 hat Choe das Facebook-Office mit surrealen, teils abstrakten Bildern gestaltet. Daraufhin bekam der Künstler die Wahl: Entweder 60.000 Dollar in Cash oder Anteile an Facebook. Choe, der Facebook ursprünglich lächerlich und sinnlos fand, entschied sich dennoch für die Anteile. Er zocke gern, so der Künstler. Und er platzierte seinen Einsatz goldrichtig: Bei Facebooks Börsengang werden seine Anteile mehr als 200 Millionen Dollar wert sein - und die Facebook-Verantwortlichen damit die zweitteuersten Bilder der Welt besitzen. Nur ein Werk ist kostspieliger. Ein Gemälde aus der Reihe „Die Kartenspieler” von Paul Cézanne soll im vergangenen Jahr für rund 250 Millionen Dollar die Besitzer gewechselt haben.

Choe ist Sohn koreanischer Einwanderer und blickt mit seinen fast 36 Jahren bereits auf ein abenteuerliches Leben zurück. Als Jugendlicher machte er weniger mit künstlerischem Talent als mit krimineller Energie auf sich aufmerksam. Während der Unruhen von Los Angeles im April 1992 plünderte Choe einen Lieferwagen und brannte ihn nieder. Diebstähle säumten sein Vorstrafenregister. Daraufhin akzeptierte ihn nur eine einzige Kunsthochschule. Aber Choe brach sein Studium ab, sobald seine Illustrationen in Männermagazinen wie „Hustler” die Aufmerksamkeit der Unterhaltungs- und Werbebranche auf sich zogen. Bald schon mauserte Choe sich zum hoch bezahlten Vertreter der Street Art.

Da klopfte Sean Parker an Choes Tür. Der damalige Präsident von Facebook beauftragte den Künstler. Zufrieden soll Parker mit dem Endprodukt aber nicht gewesen sein. Schizophren und ablenkend, fand er die Graffiti angeblich. Heute zieren sie jedes Facebook-Office weltweit.

„Jetzt klopfen alle Nachrichtensender, sogar Al Jazeera, an meine Tür und versuchen ein Interview zu bekommen”, beklagt sich Choe bei der amerikanischen Fernsehmoderatorin Barbara Walters in einem seiner raren öffentlichen Auftritte. Er vermisse seine Privatsphäre. „Die ist mit allem Geld der Wert nicht zu bekommen”, sagt der Künstler.

Walters wollte von ihm wissen, was sich viele fragen: Was wird Choe mit dem Geld machen? Er habe getan, was er wollte, als er noch kein Geld hatte, und er werde dasselbe weiterhin machen - auch mit all dem Geld. Choe: „Es werden mir jetzt nur mehr Leute auf den Nerv gehen.”

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