Debatte um NSA-Datenschnüffelei
Google und Facebook wollen die Guten sein

Nach den Enthüllungen über das Geheimdienst-Progamm PRISM fürchten IT-Konzerne um das Vertrauen der Nutzer. Google, Facebook und Microsoft gingen nun in die Offensive – und forderten mehr Transparenz von der Regierung.  
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New YorkSeit kurzem macht auf Facebook eine Fotomontage die Runde. Sie zeigt ein Menü für die Einstellungen der Privatsphäre. So weit, so normal. Die Auswahl, wer die eigenen Statusmeldungen sehen soll, ist allerdings wenig erbaulich: „Öffentlich“ – „Freunde und die CIA“ – „Nur ich und die CIA“ – „Nur die CIA“.

Der Witz zeigt: Internet-Dienste wie Facebook oder Google haben seit den Enthüllungen über das PRISM-Programm der US-Geheimdienste ein gewaltiges Imageproblem. Auch wenn Sorgen um den Datenschutz nichts Neues sind – seit bekannt ist, dass Spione der Regierung offenbar routinemäßig weltweit E-Mails, Dokumente und Informationen über den Standort abgreifen, sorgen sich Internet-Nutzer umso mehr um ihre Privatsphäre.

Für die Konzerne ist das eine gefährliche Entwicklung, schließlich verdienen sie ihr Geld damit, dass Menschen im Internet Daten austauschen. Deshalb sind nun Google, Facebook und Microsoft nach tagelanger Schreckstarre in die PR-Offensive gegangen: Am Dienstag forderten sie die US-Regierung öffentlich zu mehr Transparenz auf. Sie baten darum, alle geheimen Anfragen der Behörden nach Nutzerdaten veröffentlichen zu dürfen. Allerdings gehen die Firmen nicht auf die Vermutung ein, dass amerikanische Geheimdienste auch direkt bei Internet-Providern Daten in unbekanntem Umfang absaugen könnten.

Mit der PR-Offensive wollen die Firmen das Image der Daten-Verräter loswerden und sich vielmehr als Beschützer der Daten positionieren. Es gilt, den zentralen Vorwurf des Informanten Edward Snowden zu erschüttern, der die Existenz von PRISM enthüllt hatte: dass die größten Internet-Konzerne den US-Geheimdiensten freiwillig und uneingeschränkt Zugang zu Nutzerdaten gewährten.

Google und andere Internetfirmen sind bislang zum Schweigen verdammt, wenn sie auf Grundlage des Auslandsspionage-Gesetzes FISA verpflichtet werden, Daten herauszugeben. Ein spezielles Gericht muss eine derartige Anfrage freigeben.

Kommentare zu " Debatte um NSA-Datenschnüffelei: Google und Facebook wollen die Guten sein"

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  • Facebook selbst ist doch ein Ableger der amerikanischen Geheimdienste.

    Mindestens so sehr wie Volkswagen ein Ableger des Landes Niedersachsen ist.

  • facebook und google haben Recht wenn Sie sagen, sie geben keine Daten ungefragt weiter. Braucht die NSA auch gar nicht, denn Sie haben die Daten komplett gespiegelt auf eigenen Servern, inklusive weltweite Snapshots von allen Webseiten. Im Übrigen ist es blauäugig zu denken das die Regierungen keinen Zugriff hätten - schließlich sind Sie die Inkubatoren für "Newtechnologie". Die Meldung das die NSA nachfragen müsse um Daten zu erlangen ist ein klassisches Ablenkungsmanöver - die Lage ist viel prekärer und der Datenschutz ist ad absurdum geführt.
    Klasse auch das deutsche Unternehmen für Ihre intimsten Kundendaten paraktische Clouddienste wie Salesforce nutzen, das erspart die Unternehmensspionage - die Daten liegen dann zur Analyse gleich in den USA.

    Wir betrachten das volle Glas nicht von außen, wir sitzen mitten drin! Deshalb immer mal die Perspektive wechseln, Augen auf und Hirn an!

  • Wer nirgends im Netz zu finden ist und jünger als 40 Jahre, der ist höchst verdächtig im Sinne der Geheimdienste.

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