Defizitäre Handy-Sparte auf dem Prüfstand: Motorola beugt sich Druck von Investor

Defizitäre Handy-Sparte auf dem Prüfstand
Motorola beugt sich Druck von Investor

Motorola beugt sich dem Druck des Großinvestors Carl Icahn und überlegt einen Verkauf der Mobiltelefonsparte. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Icahn führt seit längerem einen Zermürbungskrieg gegen das Management des angeschlagenen High-Tech-Unternehmens, das mit massiven Gewinneinbrüchen kämpft. Nachbörslich zog die Aktie um bis zu zehn Prozent an. Im regulären Handel hatte sie mit 11,50 Dollar geschlossen, gut 55 Prozent unter dem Höchststand im Oktober 2006.

DÜSSELDORF. Motorola steht mit dem Rücken zur Wand. Das Unternehmen musste schwere Fehler in der Produktpolitik einräumen, der alte Vorstandschef Ed Zander wurde Ende 2007 gefeuert und der neue kann das Ruder nicht herumreißen. Der jüngste Quartalsausweis war ein einziges Desaster für die Mobiltelefonsparte, deren Verkäufe um 38 Prozent weggesackt sind. Das Unternehmen rutscht langsam in die roten Zahlen. 2006 war die Hype um das Kulttelefon Razr auf dem Höhepunkt, der Weltmarktanteil lag bei über 22 Prozent und Marktführer Nokia war in Sichtweite. Heute hat sich der Marktanteil fast halbiert und Nokia gewinnt kontinuierlich weiter, nicht zuletzt auf Kosten der Firma aus Schaumburg, Illinois, dazu.

Jetzt will der neue CEO "alle Optionen untersuchen", um das Schiff wieder flott zu bekommen. Dazu gehört ausdrücklich auch die Überlegung die Handy-Sparte auszugliedern, um "jedem Bereich die Möglichkeit zu geben alleine zu wachsen". Damit soll kurzfristig der Shareholder Value erhöht werden. Ob und wann eine Transaktion zustande kommen werde, sei allerdings völlig offen.

Nomura-Analyst Richard Windsor geht von einem Verkauf der Sparte aus, er glaubt an einen chinesischen Käufer. Dann wäre mit einem Schlag Apple der größte amerikanische Hersteller von Mobiltelefonen, nachdem auch der frühere Marktführer bei Smartphones, Palm, in die Krise gerutscht ist. Der beliebte Blackberry gehört einer kanadischen Firma, RIM. Apple will dieses Jahr zehn Millionen iPhones verkaufen.

Für den farblosen Motorola-CEO Greg Brown ist die Reorganisationsankündigung die Bankrotterklärung gegenüber seinem Widersacher Carl Icahn. Im vergangenen Jahr forderte der noch einen Sitz im Board und bereits eine Zerschlagung Motorolas. Das und die Ablösung des Managements konnte nur mit Mühe vom damaligen CEO Zander abgewehrt werden. Icahn will zudem eine Ausschüttung des größten Teils der erheblichen Kapitalreserven Motorolas. Motorola stellt heute noch Geräte für Behördenfunk, Netzwerkkomponenten, Settop-Boxen und Mobiltelefone her. Letztere steuern rund 50 Prozent des Umsatzes von gut 36,6 Mrd. Dollar bei. Alle anderen bedeutenden Sparten sind längst verkauft, damals wollte man sich ganz auf das Mobiltelefongeschäft konzentrieren.

Das ist jetzt Schnee von gestern. Die Probleme nahmen an Schärfe zu, als das erste Razr-Telefon Mitte 2007 an Attraktivität verlor und sich der neue Hoffnungsträger „Razr 2“ als Flopp entpuppte. Rund 1,5 Millionen Stück wurden laut Brown im vierten, dem Weihnachtsquartal, verkauft. Ein Desaster, Analysten hatten mit weit über 2 Millionen Stück gerechnet. Im abgelaufenen Quartal brach der Gewinn um 84 Prozent ein. Im laufenden Quartal sei der Absatz erneut "signifikant" eingebrochen. Die ehemalige Nummer zwei des Handymarktes ist jetzt schon die Nummer drei hinter Samsung und droht auf die vierte Position durchgereicht zu werden.

Großinvestor Carl Icahn hält 3,3 Prozent der Motorola-Aktien und soll nach Marktinformationen mit dieser Position hunderte Millionen Dollar im Verlust liegen. Er zeigte sich in einer ersten Stellungnahme „erfreut“, stellte aber klar, dass ihn dies nicht davon abhalten werde, erneut um einen Sitz im Aufsichtsrat zu kämpfen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
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